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Stellen Sie sich vor, sogar Jesus berichtet uns von so einem negativen Selbstgespräch, von einer falschen Selbstzufriedenheit. Nie gehört? Doch, hier können Sie es lesen. Es steht im zwölften Kapitel des Lukas-Evangeliums:

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Lk 12,13 Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.

14 Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?

15 Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.

16 Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.

17 Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.

18 Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.

19 Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!

20 Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?

21 So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

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Selbstgespräche

Es ist kurz vor drei nachmittags. Ich komme mit dem Rad aus der Stadt und denke: „Ach, fahr doch mal schnell noch am Schwimmbad vorbei, ob es überhaupt offen hat. Um halb vier habe ich einen Vortrag. Das müsste noch zu schaffen sein.“ Ich biege ab. Das Bad ist doch weiter als gedacht. Und es hat zu. Und jetzt noch den steilen Berg rauf und zurück zum Vortrag. Ich sage mir: „Du Blödmann, musst du dich immer und immer in solch einen Druck bringen! Das lernst du nie, du Idiot! Jetzt komme ich total atemlos und verschwitzt an.“ Und so ist es. Der Schweiß rinnt mir in den Nacken während des Vortrags.

Kennen Sie auch solche Selbstgespräche? Schimpfen Sie mit sich selbst? Bestimmt nicht! Oder doch? Welche Schimpfworte gebrauchen Sie für sich selbst? Solche, die Sie anderen nie sagen würden? Vor langen Jahren schon hat mir einmal mein geistlicher Begleiter gesagt: „Achte mal darauf, wie du mit dir selber redest. Das ist sehr aufschlussreich.“ Und das ist es in der Tat. Oft schimpfen wir so mit uns selbst und setzen uns selbst herab. Wir verachten uns selbst. Das tut nicht gut. Warum? Nicht nur, weil es uns Kraft raubt und der Verzweiflung an uns selbst die Tür öffnet. Es verstößt auch gegen die Selbstliebe oder Selbstachtung.

Selbstachtung und Selbstliebe sind Teil des Hauptgebotes: Du sollst Gott lieben mit allen deinen Kräften und deinen Nächsten wie dich selbst. Es ist also nicht eigentlich nur ein Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, sondern es ist ein Dreifachgebot: Gottesliebe – Nächstenliebe – Selbstliebe. Damit meine ich, ich soll mich selbst als Geschöpf Gottes annehmen und mit all den Gaben und Kräften entgegennehmen, die er mir geschenkt hat. Ich soll mich daher auch nicht verachten, beschimpfen, herabsetzen oder gar hassen. Und auch versuchen, dieses Schimpfen mit mir selbst zu lassen.

Es gibt nicht nur diese sich selbst beschimpfenden Selbstgespräche. Es gibt auch den inneren Kommentator und Beobachter und Kontrolleur. Andauernd muss ich mich selbst oder andere kommentieren. „Also heute hat er ja wieder ein Hemd an! So ein Kanariengelb sollte er doch wirklich dem Vogel überlassen.“ Oder: „Pass auf, gleich muss sie ihrer Kollegin was ins Ohr flüstern und dann gickeln die beiden, als ob sie dreizehn wären und die dritte denkt jetzt wieder, dass sie über sie lachen.“ Oder im Telefongespräch mit Onkel Otto denke ich: „Oh, nun fass dich doch mal kürzer, gleich geht das Fußballspiel los.“ Ich bin gar nicht mehr beim Gespräch. Ich schaffe so durch den inneren Kommentar eine Distanz zu meinem Gegenüber, die nicht gut ist. Sie zieht da einen doppelten Boden ein, der mir die Echtheit nimmt. Meistens spüre ich das selbst, dass solche Kommentare nicht in Ordnung sind.

Es gibt auch solche Kommentare und Distanzierungen beim eigenen Tun. Ich schaffe so einen Abstand zum eigenen Erleben und sehe die Welt wie durch eine Glaswand: „Komm lass dich jetzt durch diesen Film nicht so mitreißen. Du heulst ja gleich. Das ist doch nur ein Film.“ Oder „Ach diese Freude beim Beten, das ist doch gar nicht wirklich von Gott. Das bildest du dir doch nur ein. Das hättest du gern, dass es Gott selbst ist, das ist aber gar nicht so.“ Ich verleugne meine eigene Erfahrung, schaffe mir selbst Zweifel. Aber es hilft nicht, ich muss auch dem eigenen Erleben vertrauen und mir selbst auch glauben, was ich erlebe und nicht ständig wieder zweifeln. Glaubenserfahrung gibt es nur im Glauben.

Es gibt aber auch Selbstgespräche, die gut und notwendig sind. Anselm Grün hat ein eigenes Büchlein darüber geschrieben, das heißt „Einreden“. Damit ist zweierlei gemeint. Nach der alten Tradition der Mönchsväter argumentiert das Böse in uns: „Das schaffst du nie. Das hältst du doch nicht aus, dieses fromme Leben. Das bringt dich um. Geh weg. Lass sein.“ Und dagegen soll ich selbst Argumente bereit haben und dagegen reden, also „einreden“ als dagegen reden: „Bisher habe ich es geschafft und bin froh dabei geworden. Übertreibe nicht mit diesen Worten wie nie und immer. Solche Totalaussagen sind überzogen.“ Oder abends im Bett dringen Ängste, Sorgen und Problem auf mich ein. Dann rede ich mir ein, also „Einreden“ im Sinne von sich selbst in etwas hineinreden: „Lass los, Thomas, lass los!“ Und das wiederhole ich immer wieder: „Lass los, Thomas, lass los!“ Und dann spüre ich nach einer Weile, wie die Muskeln langsam los lassen, der Nacken, die Schulter. Und dann schlafe ich ein.

6. Juni 2012

Dass Sie gute und ermunternde Selbstgespräche führen, das wünsche ich Ihnen

Thomas Gertler SJ     

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