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Das Buch Hiob preist die Fähigkeiten des Menschen. Er findet Erz, Silber und Gold im Dunkel der Erde. Die Weisheit aber ist mehr und sie ist tiefer. Weisheit, Wissenschaft und Glaube sind in der Bibel keine Gegensätze. Und selber denken und selber glauben gehören hier zusammen. Gott, der alles geschaffen und wohl geordnet hat, er ist die Wahrheit, die in allem zu finden ist. Darum ist Erkenntnis und Anerkenntnis Gottes der Anfang der Weisheit und auch ihr Zielpunkt.

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Hiob 28 1 Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, / eine Stätte für das Gold, wo man es läutert.

2 Eisen holt man aus der Erde, / Gestein wird zu Kupfer geschmolzen.

3 Es setzt der Mensch dem Finstern eine Grenze; / er forscht hinein bis in das Letzte, ins düstere, dunkle Gestein.

4 Stollen gräbt ein fremdes Volk; / vergessen, ohne Halt für den Fuß, / hängt es, schwebt es, den Menschen fern.

5 Die Erde, daraus das Brotkorn kommt, / wird in den Tiefen wie mit Feuer zerstört.

6 Fundort des Saphirs ist ihr Gestein / und Goldstaub findet sich darin.

7 Kein Raubvogel kennt den Weg dahin; / kein Falkenauge hat ihn erspäht.

8 Das stolze Wild betritt ihn nicht, / kein Löwe schreitet über ihn.

9 An harte Kiesel legt er die Hand, / von Grund auf wühlt er Berge um.

10 In Felsen haut er Stollen ein / und lauter Kostbarkeiten erblickt sein Auge.

11 Sickerbäche dämmt er ein, / Verborgenes bringt er ans Licht.

12 Die Weisheit aber, wo ist sie zu finden / und wo ist der Ort der Einsicht?

13 Kein Mensch kennt die Schicht, in der sie liegt; / sie findet sich nicht in der Lebenden Land.

14 Die Urflut sagt: Bei mir ist sie nicht. / Der Ozean sagt: Bei mir weilt sie nicht.

15 Man kann nicht Feingold für sie geben, / nicht Silber als Preis für sie wägen.

16 Nicht wiegt sie Gold aus Ofir auf, / kein kostbarer Karneol, kein Saphir.

17 Gold und Glas stehen ihr nicht gleich, / kein Tausch für sie ist Goldgerät,

18 nicht zu reden von Korallen und Kristall; / weit über Perlen geht der Weisheit Besitz.

19 Der Topas von Kusch kommt ihr nicht gleich / und reinstes Gold wiegt sie nicht auf.

20 Die Weisheit aber, wo kommt sie her / und wo ist der Ort der Einsicht?

21 Verhüllt ist sie vor aller Lebenden Auge, / verborgen vor den Vögeln des Himmels.

22 Abgrund und Tod sagen: / Unser Ohr vernahm von ihr nur ein Raunen.

23 Gott ist es, der den Weg zu ihr weiß, / und nur er kennt ihren Ort.

24 Denn er blickt bis hin zu den Enden der Erde; / was unter dem All des Himmels ist, sieht er.

25 Als er dem Wind sein Gewicht schuf / und die Wasser nach Maß bestimmte,

26 als er dem Regen das Gesetz schuf / und einen Weg dem Donnergewölk,

27 damals hat er sie gesehen und gezählt, / sie festgestellt und erforscht.

28 Doch zum Menschen sprach er: / Seht, die Furcht vor dem Herrn, das ist Weisheit, / das Meiden des Bösen ist Einsicht.

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Selber, selber, selber

Der kleine Junge will nicht mehr gefüttert werden. Er schreit: „Selber, selber, selber!!!“ Und er haut auf den Tisch, weil er selber mit dem Löffel ans Essen will. Es klappt noch gar nicht gut. Riesenferkelei. Aber selber. Unbedingt selber. Beim Laufen ging es ähnlich. Er möchte selber laufen, obwohl er so oft hinfällt. Er will selber laufen. Haben Sie das auch schon so erlebt? Kinder wollen alles, was sie selber können auch selber tun, auch wenn es Ferkelei und Fehler und Schmerzen gibt.

Obwohl ich nicht bei den Pionieren war und auch keine Jugendweihe mitgemacht habe, durfte ich doch auf die sozialistische Erweiterte Oberschule gehen. Wie oft habe ich mit unserer marxistischen Klassenlehrerin diskutiert. Das konnte man. Sie war ehrlich und anständig. Und sie hat auch versucht, uns den Marxismus so gut wie möglich beizubringen. Aber die Christen waren eben fest definiert als „objektive Idealisten“, die zwar zum Glück nicht die Erkennbarkeit der Welt leugnen, aber eben leider und dummerweise die Meinung vertreten, dass es Gott gibt und daher den Primat der Materie leugnen. Das Denken war eben damals nicht frei, es galt letztlich nur die Lehre der Partei (ein unfreiwilliges Gedicht – haben Sie es gemerkt?). Als ich ihr einmal meine eigenen Überlegungen vorbrachte, sagte sie mir: Wenn Du mir irgendeinen bekannten christlichen Denker vorlegst, da bin ich ja bereit, drauf einzugehen, aber auf Deine persönlichen Hirngespinste nicht. Das fand ich nicht nur verletzend, sondern auch entlarvend. Selber Denken – Nein.

Wie war es für mich eine Befreiung, als es dann beim Theologiestudium in Erfurt endlich Anleitung und Einübung für das eigene Denken gab. Nicht nur Auswendiglernen, nicht nur Pauken, nein, selber Denken. Am beeindruckendsten war unser Philosophieprofessor Erich Kleineidam, der es mit uns übte und uns vormachte. Wie erinnere ich mich noch an seinen Spruch: „Na, da werden wir uns nicht fürchten…“ Nämlich vor der großen Autorität der Philosophen in Geschichte und Gegenwart. Wir können selber denken. Wir brauchen nicht nur Gedachtes nach zu denken. Und Vorgesagtes nachzusagen. Und Vorgeschriebenes abzuschreiben. Selber denken macht klug. Natürlich muss man lernen und lesen und verstehen. Wie mühsam, aber auch wie schön, wenn der Groschen fällt. Wenn man etwas verstanden hat. Das regt dann an zum eigenen Weiterdenken. Es wird licht. Das ist das große Anliegen der Aufklärung, wie es Immanuel Kant geschrieben hat. „Sapere aude. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ Selber denken macht klug.

Mir sagte jetzt ein guter Freund, der vor nicht langer Zeit zum Glauben und zur Kirche gefunden hat: „Seit ich glaube, bin ich viel vernünftiger geworden.“ Nicht nur, dass nun die Lebensführung insgesamt nüchterner und besonnener ist. Er rennt auch nicht mehr den vielen Heilsversprechen aus der New-Age- und Esoterik-Ecke nach. Er ist durch den Glauben viel kritischer geworden und will nun auch im Glauben vieles wissen. Ja, das kann man. Denn Theologie ist eine Wissenschaft. Da gibt es viel zu erfahren. Vieles können wir von Jesus wissen – nicht nur glauben – und mit den Mitteln der kritischen Bibelwissenschaft auch herausfinden. Auch da kann man selber denken. Und das ist gut und wichtig. Glauben macht vernünftiger. Selber denken auch im Glauben!

Ja, aber natürlich auch selber glauben. Und dafür ganz wichtig: selber beten. Selber beten führt erst wirklich zum selber glauben. Glauben ist nämlich nicht zuerst eine Weltanschauung oder Welterklärung, wie es meine Klassenlehrerin meinte. Glauben ist zuerst eine Beziehung. Ist die Beziehung zu Gott. Und Beziehungen müssen gepflegt werden. Und die wichtigsten müssen täglich gepflegt werden. Eine Beziehung, die nicht mehr gepflegt wird, geht nach und nach ein. Es muss miteinander gesprochen, nicht nur geredet werden. Nicht nur Infos dürfen ausgetauscht werden. Viele Ehepaare sprechen oft nur noch wenige Minuten am Tag. Und das ist dann vor allem Information. Aber wichtig wäre, tiefer voneinander zu wissen. Am Anfang will man alles vom anderen wissen. Später kennt man sich… Kennt man sich? Der größte Trost und das größte Geschenk ist, wenn man nicht nur etwas, sondern sich selbst mitteilen kann. Das gilt für das Gespräch mit dem liebsten Nebenmenschen und für das Gespräch mit Gott. Selber beten, mit eigenen Worten, mit dem eigenen Schweigen, mit dem eigenen Lauschen führt zu Ihm und führt zum Heil.

Selber essen macht dick. Selber denken macht klug. Selber beten macht heil.

16.05.2012

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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