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Und hier die uralte Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus...“ aus dem 12. Jahrhundert, übertragen von Maria Luise Thurmair und Markus Jenny (1971) in der Fassung des “Gotteslobs"

© Foto: Dnalor_01 via Wikimedia Commons - CC-BY-SA 3.0


Komm herab, o Heil'ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.

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© Foto: Paul Lenz - CC BY-SA 2.5


Sei leise...

Zu Pfingsten möchte ich Ihnen ein Gedicht schenken. Es ist schon alt. Rainer Maria Rilke hat es 1898 gedichtet. Es hat für mich sehr viel mit der Gabe, dem Geschenk des Pfingstfestes zu tun, mit dem Heiligen Geist. Man könnte es auch ein Gedicht über das Empfangen des Heiligen Geistes nennen. Das geht nur in Stille und Gebet, wie bei den Jüngern im Abendmahlssaal (Apg 1,14). Sie machen empfänglich und sensibel für den Hauch des Geistes. Versuchen Sie an der Stelle, wo sie das jetzt lesen, hineinzugehen in die Stille, ins Hören des Leisen und dann lesen Sie langsam das Gedicht.

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weisst, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gieb dich, gieb nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Feierkleid
über die sinnenden Dinge.

Rainer Maria Rilke, 19.1.1898, Berlin-Grunewald

Stille, Lauschen und inneres sich Auftun lassen mich den Wind des Geistes spüren, noch ehe er das Laub der Birken erfasst und erbeben lässt. Stille, Lauschen und Beten lassen mich wissen, was der Wind des Geistes mir will. Was will er? Er will vor allem anderen mich lieben und wiegen. So wie ein Kind. Wie schön! Aber auch so wie der Tanz des Liebespaares. Lieben und Wiegen in der Melodie des Einklangs und in der Harmonie des Friedens und des Verstehens. Nachgiebigkeit, Beweglichkeit, Leichtigkeit wie beim Tanz, bei dem ich dem leichtesten Druck oder Hauch nachgebe und mich einfühle in den anderen. So ist die Sensibilität gegenüber Gottes Geist, wie sie aus der Stille und dem Schweigen hervorgehen. Madeleine Delbrêl hat darüber geschrieben.

Und dieser Geist Gottes macht mein Leben weit. Er lässt das Leben gelingen. Warum? Weil mich diese Stille und das Lauschen und das Empfangen des Geistes auch offen macht für alles andere. Für die Wirklichkeit und für die Wahrheit. Es lässt mich die Menschen und die Verhältnisse verstehen und auf die eingehen und erkennen, worauf es ankommt und was nötig ist. Und daraus kann ich dann handeln. Und siehe da, es fügt sich. Es passt.

Es kommt etwas Festlich-Frohes in mein Leben durch diesen Geist Gottes. Einklang, Harmonie, Verstehen setzen sich fort auch im Zusammenleben der Menschen. So schildert es uns die Apostelgeschichte. Aus dem babylonischen Stimmengewirr wird das Verstehen in der eigenen Sprache (Apg 2).

Wenn ich aus Stille und Gebet komme und darin Gottes Geist verspüre und ihn in mich einlasse, dann kann ich mich in diesem Geist, den Menschen und den Dingen nähern. Dann bringe ich eine Atmosphäre mit, die auch Menschen und Dinge mit nimmt hinein in diese Besinnlichkeit. Und das tut allen gut. Freilich bleibt es nicht immer nur so, sondern es gibt auch Konflikte und die Dinge können sich hart im Raume stoßen. Aber das Hineingehen in Stille und Schweigen hilft doch, sich dann sach- und personengerecht dem Konflikt zu nähern.

So wünsche ich Ihnen von Herzen frohe Pfingsten! Herr Claus Weselsky trägt ja das Seine dazu bei, dass nun jeder still in seiner Clause bleibt.
Thomas Gertler SJ

20. Mai 2015

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