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Der Engel rührt den Finger eines der Drei Weisen an. Im Traum sagt er ihnen, welchen Weg sie gehen sollen. Sehnsucht und Traum sind wichtige Fingerzeige für das Wesentliche in unserem Leben. Das anrührende Bild stammt von einem Kapitell der der mittelalterlichen Kathedrale von Autun in Frankreich.

© Foto: Cancre - CC BY-SA 4.0

Matthäus 2, 1 - 2, 10

2,1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. […] 9 Da machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.

Seitwert
© Foto: Anna Mersch


Sehnsucht

Ein großes Wort. Geht es Ihnen auch so, dass Sie schon Sehnsucht verspüren, wenn Sie das Wort „Sehnsucht“ lesen oder aussprechen? Ein Wort, das wir im Alltag häufiger verwenden, und das einen wichtigen Aspekt der Sehnsucht ausdrückt, ist das Wort „Ziele“. Ziele sind der Motor, der uns zum Handeln antreibt. Das werden Sie sicher schnell merken, wenn Sie einzelne Aktivitäten und Termine in ihrem Alltag anschauen und überlegen, warum sie in ihrem Terminkalender stehen. Meistens ist jedes Tun ein kleiner Schritt zur Erreichung eines größeren Ziels, zum Beispiel das Besuchen einer Vorlesung um später einen guten Beruf ausüben zu können. Wenn wir einen etwas größeren Abschnitt auf dem Weg zur Erreichung eines Ziels gemeistert haben, zum Beispiel eine wichtige Prüfung geschafft – um im Beispiel des Studierens zu bleiben – dann erleben wir oft Freude, Erleichterung und ein bisschen Erfüllung.

Doch wie erging es Ihnen, als sie ein Ziel erreicht hatten? Waren Sie dann ausnahmslos glücklich und lebten weiter zufrieden im erreichten Zustand? Ich habe schon oft erlebt und gehört, dass sich diese Freude nicht so recht einstellen wollte – oder dass sie kurz nach dem Erreichen groß war, dann aber wieder abnahm und eine Leere entstand. Für mich wird aus solchen Erfahrungen deutlich, dass wir die Ziele und letztlich die Sehnsucht zum Leben brauchen. Wir sind nie fertig. Wir brauchen immer wieder neue Ziele, die uns antreiben weiterzuleben – auch wenn wir schon viel erreicht haben.

Für mich ist die Sehnsucht auch ein wichtiger Hinweis auf Gott. Er ist der Unendliche, der Vollkommene – wir sind unfertig und unvollkommen. Gott hat uns jedoch auf das Unendliche und die Vollkommenheit hin geschaffen, indem er uns die Sehnsucht nach ihm eingepflanzt hat. Sie ist der Antrieb zu Höherem – nicht nur zur höheren Zielen, die wir erreichen wollen, sondern auch zu dem, was über uns hinaus geht: zu Gott.

Vielleicht haben Sie auch schon diesen Unterschied gespürt: Es gibt einerseits Aktivitäten, an die sie sich gerne zurück erinnern, die ‚erfüllt‘ waren, die eine Freude hinterlassen haben. Und andererseits gibt es Erlebnisse, die einen faden Geschmack und eine Leere hinterlassen. Diesen Unterschied hat auch Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, schon festgestellt. Er sagt, die Ereignisse, die nachhaltig ein gutes Gefühl hinterlassen, sind Ereig-nisse, die uns entsprechen, die vom guten Geist kommen. In ihnen spüren wir uns selbst, wie wir von unserem Schöpfer her gedacht sind. In ihnen spüren wir unsere Lebendigkeit, weil in ihnen der Geist Gottes wirkt, der will, dass wir das Leben spüren, es auskosten und Freude an ihm haben. Jesus nennt das im Johannesevangelium „Leben in Fülle“. Gott hat uns diese Sehnsucht eingepflanzt, um durch sie nach ihm zu suchen und uns von ihr zu ihn leiten zu lassen.

Ein Vorbild dafür können die Heiligen Drei Weisen aus dem Morgenland sein. Sie verspüren eine Sehnsucht nach mehr in ihrem Leben und folgen ihr. Der Stern, von dem im Matthäusevangelium die Rede ist, kann ein Symbol für diese Sehnsucht sein und für die Freude, die sie auf ihrem Weg erfüllt und ihnen sagt, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Ohne große Um-schweife wird erzählt, wie sie bei dem Kind ankommen. Dass sie am richtigen Ort sind, zeigt ihnen die „große Freude“.

Bei uns ist der Weg oft nicht so geradlinig, wie er bei den Heiligen Drei Weisen geschildert wird, und doch kann uns die Erzählung ermutigen, unserem Stern zu folgen und wichtige Etappenziele an dem Gefühl zu erkennen, das sich bei uns einstellt. Dieser Weg bringt uns – wie die Heiligen Drei Könige – Gott näher, der uns letztlich diesen Weg zeigt, uns auf ihm begleitet und uns zu ihm führt.

Herzliche Grüße und eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Anna Mersch

9. Dezember 2015

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