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Dieses Erschrecken vor Gott, seine Unverfügbarkeit und unermessliche Macht werden wohl am deutlichsten im Buch Ijob geschildert. In diesem Buch klagt Ijob Gott an wegen seines Schicksals und seiner Leiden. Gott antwortet dem Ijob. Ich gebe hier nur einen Teil dieser Antwort Gottes wieder. Es ist hier vor allem der Verweis auf die Schöpfung der unbelebten Natur mit all ihrer Größe, Schrecklichkeit und Herrlichkeit. Gottes Werk ist sie und undurchschaubar und unbeherrschbar für uns. So verstummt Ijob vor Gott. Gott heilt ihn am Ende wieder und lässt ihm Gerechtigkeit widerfahren.

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1 Da antwortete der Herr dem Ijob aus dem Wettersturm und sprach:


2 Wer ist es, der den Ratschluss verdunkelt / mit Gerede ohne Einsicht?


3 Auf, gürte deine Lenden wie ein Mann: / Ich will dich fragen, du belehre mich!


4 Wo warst du, als ich die Erde gegründet? / Sag es denn, wenn du Bescheid weißt.


5 Wer setzte ihre Maße? Du weißt es ja. / Wer hat die Messschnur über ihr gespannt?


6 Wohin sind ihre Pfeiler eingesenkt? / Oder wer hat ihren Eckstein gelegt,


7 als alle Morgensterne jauchzten, / als jubelten alle Gottessöhne?


8 Wer verschloss das Meer mit Toren, / als schäumend es dem Mutterschoß entquoll,


9 als Wolken ich zum Kleid ihm machte, / ihm zur Windel dunklen Dunst,


10 als ich ihm ausbrach meine Grenze, / ihm Tor und Riegel setzte


11 und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, / hier muss sich legen deiner Wogen Stolz?


12 Hast du je in deinem Leben dem Morgen geboten, / dem Frührot seinen Ort bestimmt,


13 dass es der Erde Säume fasse / und dass die Frevler von ihr abgeschüttelt werden?


14 Sie wandelt sich wie Siegelton, / (die Dinge) stehen da wie ein Gewand.


15 Den Frevlern wird ihr Licht entzogen, / zerschmettert der erhobene Arm.


16 Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen, / hast du des Urgrunds Tiefe durchwandert?


17 Haben dir sich die Tore des Todes geöffnet, / hast du der Finsternis Tore geschaut?


18 Hast du der Erde Breiten überblickt? / Sag es, wenn du das alles weißt.


19 Wo ist der Weg zur Wohnstatt des Lichts? / Die Finsternis, wo hat sie ihren Ort,


20 dass du sie einführst in ihren Bereich, / die Pfade zu ihrem Haus sie führst?


21 Du weißt es ja; du wurdest damals ja geboren / und deiner Tage Zahl ist groß.


22 Bist du zu den Kammern des Schnees gekommen, / hast du die Kammern des Hagels gesehen,


23 den ich für Zeiten der Drangsal aufgespart, / für den Tag des Kampfes und der Schlacht?


24 Wo ist der Weg dorthin, wo das Licht sich verteilt, / der Ostwind sich über die Erde zerstreut?


25 Wer grub der Regenflut eine Rinne, / einen Weg für das Donnergewölk,


26 um Regen zu senden auf unbewohntes Land, / auf die Steppe, darin niemand wohnt,


27 um zu sättigen die Wildnis und Öde / und frisches Gras sprossen zu lassen?


28 Hat der Regen einen Vater / oder wer zeugte die Tropfen des Taus?


29 Aus wessen Schoß ging das Eis hervor, / des Himmels Reif, wer hat ihn geboren?


30 Wie Stein erstarren die Wasser / und wird fest die Fläche der Flut.


31 Knüpfst du die Bande des Siebengestirns / oder löst du des Orions Fesseln?


32 Führst du heraus des Tierkreises Sterne zur richtigen Zeit, / lenkst du die Löwin samt ihren Jungen?


33 Kennst du die Gesetze des Himmels, / legst du auf die Erde seine Urkunde nieder?


34 Erhebst du zu den Wolken deine Stimme, / dass dich die Woge des Wassers bedeckt?


35 Entsendest du die Blitze, dass sie eilen / und dir sagen: Wir sind da?


36 Wer verlieh dem Ibis Weisheit / oder wer gab Einsicht dem Hahn?


37 Wer zählt in Weisheit die Wolken, / und die Schläuche des Himmels, wer schüttet sie aus,


38 wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, / und Erdschollen zusammenkleben?


1 Da antwortete der Herr dem Ijob und sprach:


2 Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? / Der Gott anklagt, antworte drauf!


3 Da antwortete Ijob dem Herrn und sprach:


4 Siehe, ich bin zu gering. Was kann ich dir erwidern? / Ich lege meine Hand auf meinen Mund.


5 Einmal habe ich geredet, ich tu es nicht wieder; / ein zweites Mal, doch nun nicht mehr!


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Schrecken

Der Hausschlüssel ist weg. Ich finde meinen Ausweis nicht. Wo ist der Geldbeutel? Schreck. Was mach ich jetzt? O nein, bitte nicht wirklich! Heiliger Antonius, du Heiliger der verlorenen Dinge, bitte hilf mir! Du kriegst auch mindestens 20 Euro für die Armen!

O, da kommt ja schon die Straßenbahn! Jetzt aber rennen! Keine Zeit mehr, die Fahrkarte zu kaufen, sonst ist der Zug weg. Wird schon gut gehen, sind ja nur drei Stationen! Geht aber nicht gut. Bei der nächsten Station steigen die Kontrolleure ein. Schrecklich und peinlich und 40 Euro. Mein Lieber, denk dran, es geht nicht immer gut!

Mitten beim Autofahren auf grader Straße plötzlich Panik. Der Schreck irgendwas falsch gemacht, übersehen zu haben. Automatisch Fuß auf die Bremse. Es ist aber gar nichts. Nur ein plötzlicher Schreck. Manche leiden immerzu darunter. Immer wieder solche Panikattacken. Haben Sie das auch schon mal gehabt? Oder gerade jetzt. Eine andere Panik. Die Wasserflasche in meinem Rucksack ist ausgelaufen. Nicht nur die Sachen sind nass, auch die Bücher! Und was ist jetzt mit meinem Laptop? Hoffentlich hat der nix abgekriegt! Großer Schrecken. Die Hülle ist ganz nass. Aber innen – Gott sei Dank! – trocken. Zur Not habe ich ja alles noch extra abgespeichert. Was, Sie nicht? Seien Sie mal vorsichtig. Mir ist auch mal die Festplatte abgestürzt und es war nichts mehr zu retten. Das ist ziemlich schrecklich. Arbeit von Jahren verschwunden.

Immer dieses Ziehen und Pochen in dem Zahn. Es hört nicht auf. Ich muss wohl zum Zahnarzt. Und er eröffnet mir, dass er raus muss. Schreck lass nach! So was Unangenehmes. Und bis jetzt hatte ich noch alle meine Zähne. Endgültiger Verlust der vollen körperlichen Integrität. Erinnerung daran, dass im Verlaufe meiner Jahre nicht nur meine Haare und nicht nur meine Zähn’ all verloren gehn’. Vielmehr werden sich so allmählich immer mehr an Organen und Körperteilen verabschieden. Schrecken.

Alles das passiert mehr oder weniger jeder/m. Wir kennen es. Und wenn ich es nicht verdränge und wenn ich mich dem stelle, dann kann ein metaphysischer Schrecken über mich kommen. Es wird mir meine Endlichkeit bewusst. Es wird mir klar, dass es Endgültigkeit gibt. Die Erkenntnis, dass doch alles wiederkehrt: der nächste Herbst, Winter, Frühling und Sommer ist ja wahr und so tröstlich – aber sie ist falsch. Dieser Frühling ist vorbei und er wird nie wieder kommen. Nie wieder, mein Lieber! Endgültig vorbei.

Und Gott wird uns alle umbringen! Ja, alle. Auch mich. Und er ist schon dabei. Und er hat schon die Hand angelegt. „Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen.“ Und dieser Tod, der uns alle schon im Griff hat, ist Gott. Ja, Sie haben ja Recht, es ist auch vieles andere. Es ist einfach das Alter und die Krankheit. Es ist meine ungesunde Lebensweise. Krebs und Ehec und Herzschlag. Und das Fallgesetz, denn: „Dem Gesetz des Falles gehorcht auf Erden alles“ (E. Kästner). Ja, aber wenn ich gläubig bin, dann ist eben auch Gott. Er macht Schluss. Es setzt den Punkt. Wie heißt es auf den frommen Totenzetteln: „Von Gott zu sich gerufen…“ Auch da weiß man, Gott steckt dahinter. Es ist nicht so, dass Gott keiner Fliege was zuleide täte. Gott ist nicht so harmlos und ungefährlich. Das nicht zu sagen, wäre nicht ehrlich. Wie heißt es so schön und wahr in einem der Kindergebetchen von Ringelnatz:

„Beschütze mich in aller Not,
mach meine Eltern noch nicht tot
und schenk der Oma Zähne.“


Und darum sprechen wir nicht nur vom Faszinosum Gott, sondern auch vom Tremendum Gott, also vom furchtbaren Gott, vom Gottesschrecken, von Furcht und Zittern. Und das bezieht sich nicht nur auf diese tödliche und endgütige Seite. Das bezieht sich auch darauf, dass Gott nicht verrechenbar und nicht berechenbar ist. Dass er nicht durchschaubar und nicht begreifbar ist. Dass er in seiner Größe und seiner Macht, in seiner Kraft und seiner Erhabenheit alles Geschöpfliche unendlich überragt. Den tiefsten Meeresgrund und den höchsten Gipfel, den wütendsten Vulkan und die alles versengende Sonne. Alles nur winzige Eintagsfliegen Gott gegenüber. Unser Glaube gewinnt Tiefe, wenn er auch das wahrnimmt und sieht.

22.06.2011

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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