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Der Galaterbrief des heiligen Paulus ist der wichtigste Brief über die christliche Freiheit. Die christliche Freiheit geht aus der Entschiedenheit für Gott hervor. Wenn ich Gott an die erste Stelle setze, steht alles andere an zweiter Stelle. Es wird nicht zweitrangig, aber ich gewinne demgegenüber an Abstand und Freiheit. Von meiner Bindung an Gott und sein Gebot der Gottes-, Nächsten-, und Selbstliebe her gewinne ich einen Maßstab zum freien Handeln. Das kann man sehr gut bei Paulus lesen.

© Foto: Jastrow - CC BY 2.5

Gal 5,13

5,13 Ihr seid zur Freiheit berufen, [Schwestern und] Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!

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© Bild: Benjamin Weiß


Schränkt Gott unsere Freiheit ein?

In der Religionskritik wird häufig behauptet, dass die Vorstellung von einer besseren Welt – das Reich Gottes – Gott selber – dass das alles nur eine Illusion sei, um unsere Freiheit einzuschränken. Der Glaube an Gott sei ein Gerücht, dass von der herrschenden Klasse gestreut wird, um die Menschen mit religiösem Opium einzulullen. Der französische Existenzialismus á la Sartre sieht in der Religion die Verhinderung der eigenen Persönlichkeitsentwicklung: Unter dem Bewusstsein der Existenz Gottes würden wir unsere Freiheit aufgeben, um vor dem Unsichtbaren zu Kreuze zu kriechen.

Zusammenfassend entsteht aus diesen Überlegungen ein Vorwurf, der sich durch die gesamte Theologiegeschichte zieht: Religion als Machtinstrument, entworfen, um Menschen zu kontrollieren und gefügig zu machen. Ehrlicherweise muss an dieser Stelle eingeräumt werden, dass diese Karte von der Kirche leider immer wieder gezogen und gespielt worden ist: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“, das war sicherlich ein Spruch, der in der Reformationszeit schwer auf den Schultern vieler Menschen gelastet haben muss.

Freiheit und Gottesglauben

Wenn religiöse Menschen also behaupten, dass Religion Freiheit ermöglicht, dann wirkt das auf diesem Hintergrund zunächst selbstwidersprüchlich. Was sollen Freiheit und Gottesglauben miteinander zu tun haben?

Freiheit – die Fähigkeit, sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten ohne Zwang entscheiden zu können, ist ein wesentliches Merkmal des Menschen. Freiheit kann verloren gehen, im Gefängnis, bei einer schweren Krankheit, in Diktaturen: Aber: auch in Zwangslagen gibt es vieles, was uns keiner nehmen kann: Alle schönen Erinnerungen an liebe Menschen, schöne Eindrücke. Wir sind also, egal wie erschreckend die Umstände sein mögen, immer dazu in der Lage, uns an diesen schönen Momenten festzuhalten. Das ist unsere ganz eigene freie Entscheidung.

Christen sehen in der Liebe das wesentliche Merkmal Gottes.

Zur Liebe gehört die Freiheit: Stellen Sie sich mal ein Liebespaar vor, bei dem der eine Partner den anderen überhaupt nicht mehr loslässt. Schrecklich. Liebe hat viel mit Vertrauen und Zutrauen zu tun: Ansonsten ist es Obsession, Kontrollwahn, Fanatismus. Eine solche Gottesvorstellung ist abschreckend und wird zu Recht kritisiert. Freiheit, als die Fähigkeit, selber Akzente setzen zu können, braucht einen Rahmen, einen Raum, wo sie erfahrbar wird: Dieser Rahmen ist unser Leben. Hier können wir uns bewusst für das Eine und gleichzeitig gegen etwas Anderes entscheiden. Nichts weniger ist Freiheit.

Wenn Gott uns als sein Abbild erschaffen hat (Gen 1,26) und wir dazu in der Lage sind, die Liebe in unserem eigenen Leben zu entdecken, bewusst an- oder abzulehnen, dann sind wir nicht nur frei, weil es zu unserem Leben quasi dazugehört, sondern gläubige Menschen haben Antworten auf Fragen, die ohne Gottesbezug wahrscheinlich gar nicht zu beantworten sind:

Wie ist die Welt entstanden? Was passiert nach unserem Tod? Was können wir hoffen? Die Fragen ließen sich fortsetzen. Aus einer gläubigen Perspektive kann ich ruhigen Gewissens auf die Existenz Gottes verweisen: Er ist Grund, Anfang und Ziel allen Seins. Falls ich meinen sollte, dass Gott nicht existieren würde, wären es diese Fragen, die mir nachts den Schlaf rauben würden. Meine Freiheit würde beschnitten werden, da sie stets im Schatten bohrender Fragen stehen würde.

Freiheit als wesentlicher Bestandteil des Glaubens

Wird unsere Freiheit eingeschränkt, durch beruflichen Druck, durch Krankheiten, durch unsere eigenen Unzulänglichkeiten, dann setzen sich gläubige Menschen mit diesen Beschränkungen auseinander. Ich bringe meine eigenen Unfreiheiten in einem Gebet vor den einen Gott: Da, wo ich selber nicht mehr weiter weiß, da gibt es Möglichkeiten, die mir vielleicht verschlossen sind, die aber Gott sicher zugänglich sind. Ist das jetzt naiv? Angenommen ich bin mit dem Auto im Wald unterwegs und bleibe in einem Graben stecken. Würde jetzt ein engagiertes Gebet helfen? Vielleicht: Denn: Beim Gebet wird es nicht bleiben. Gott motiviert uns zur Freiheit: Ich bin frei aus dem Wagen zu steigen, und nach Möglichkeiten zu suchen, aus der misslichen Lage herauszukommen. Und: Ich weiß, dass ich mich dieser Herausforderung nicht alleine stellen muss. Als Christ bin ich mir stets der liebenden Gegenwart Gottes bewusst.

Kirche und Freiheit

Aber wie sieht das mit den ganzen Geboten bzw. Verboten auf, die die Kirche aufstellt? Wird durch rigide Moralvorstellungen unsere Freiheit nicht doch eingeschränkt?

Zunächst: Eine Gesellschaft, die keine Regeln hat, ist dem Untergang geweiht: Das gilt für Staaten, aber auch Menschen, die zusammen ihren Glauben teilen und leben wollen. Pflicht eines jeden Christen ist es, in erster Linie nach der Liebe im eigenen Leben zu suchen und sie zu leben (Joh 15,12). Wenn Christus mit dem Liebesgebot quasi alle anderen Gebote und Vorschriften durchkreuzt, dann sollte das auch unser Anliegen sein, die Liebe als Zentrum unseres Glaubens zu zementieren. Die Kirche, als Gemeinschaft von Menschen die diesem Anspruch folgen will, versucht uns hierin zu bestärken. In der Praxis zeigt sich dies durch Anleitung, Begleitung und eben kirchliche Gebote. Zugegebener Maßen muss die Kirche sich in diesem Streben weiter bemühen: Schließlich neigen wir Menschen alle dazu, manchmal gar zu akribisch auf Vorschriften zu achten.

All jenen, denen diese Überlegungen als zu abstrakt oder weit hergeholt scheinen, sei zum Schluss eine Gegenfrage gestellt: Wodurch würde die Freiheit eingeschränkt, wenn man an Gott glaubt?

Ich meine: Im Glauben an Gott bin ich frei.

 

Ihr
Benjamin Weiß

6. August 2014

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