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Matthäus schildert uns in mächtigen Bildern, wie die ersten Jüngerinnen und wie die Soldaten von der Auferweckung erfahren – gesehen worden ist sie selbst von niemandem. Der Engel bringt Kunde und öffnet das leere Grab. Aber für die Hohenpriester darf es die Auferstehung nicht geben. Sie versuchen die Kunde davon unglaubwürdig zu machen mit Gerüchten, die sich bis heute halten.

© Thomas Gertler

28,1 Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee.

4 Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.

6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.

7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

8 Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

9 Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße.

10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

11 Noch während die Frauen unterwegs waren, kamen einige von den Wächtern in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern alles, was geschehen war.

12 Diese fassten gemeinsam mit den Ältesten den Beschluss, die Soldaten zu bestechen. Sie gaben ihnen viel Geld

13 und sagten: Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen.

14 Falls der Statthalter davon hört, werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt.

15 Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte. So kommt es, dass dieses Gerücht bis heute verbreitet ist.

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© Karl Cleve


Schmetterling 1984

Seit alter Zeit ist der Schmetterling ein Zeichen für die Auferstehung von den Toten. Warum? Zuerst ist er eine hässliche gefräßige Raupe. Dann verpuppt sich diese in einen Kokon, der aussieht wie ein Sarg. Aus diesem ersteht dann der wunderschöne Schmetterling mit bunten Flügeln und leichtem Flug.

Leipzig im Jahr 1984. Wir feiern mit der Studentengemeinde die Osternacht in der Liebfrauenkirche in Leipzig-Lindenau. Die Studenten haben für alle Gottesdienstbesucher fröhliche Schmetterlinge aus Papier zum Anstecken gebastelt. Wir wollten sie als Zeichen unseres Glaubens an die Auferstehung am Revers durch die graue Stadt und durch das Leben tragen.

Auf dem Heimweg wurden wir von der nervösen Polizei und Stasi angehalten: „Was soll dieses Zeichen? Was bedeutet dieser bunte Schmetterling? Diese Schmetterlinge sind bei uns nicht angemeldet! Habt Ihr Christen Euch jetzt nach den Kerzen und ‚Schwertern zu Pflugscharen’ wieder was Neues als Protestsymbol ausgedacht?“

Die Polizei und die Stasi verhalten sich zu Ostern wie die Grabwächter zurzeit Jesu. Nur keine Unruhe. Nur kein Aufstand. Nur kein Protest. Nur nichts Neues. Nur kein neues, unkontrollierbares Leben. Die römischen Soldaten oder die Volkspolizei oder die Stasi verstehen Auferstehung nicht. Sie verstehen nur Aufstand. Und der wird niedergeschlagen. Auferstehung passt nicht in ein Kategoriensystem, in der allein die Machtfrage oder die Wirtschaft oder das Westgeld oder der Kaiser oder der Staatsratsvorsitzende entscheidend sind.

Ja, so ein Schmetterling der flattert einfach davon. Nicht zu fassen! Oder na ja, vielleicht doch mit einem Fangnetz zu fassen und aufzuspießen. Aber so Netz? Total lächerlich für einen Polizisten. Schmetterlinge, lächerlich. Und wie wär’s mit Verstehen? Verstehen, dass so ein Schmetterling ein Wunder ist? Das gibt’s nicht! Das passt nicht ins System. Es gibt keine Wunder. Bitte nicht stehenbleiben, weitergehen. Keinen Auflauf bilden!

Es ist ja tatsächlich unausdenkbar, wie aus einer solch hässlichen Raupe so ein schöner Schmetterling werden kann. Unausdenkbar, wie aus dem zertretenen und begrabenen Wurm Jesus wieder ein heiler und heller und strahlender Mensch werden kann. Unmöglich, dass von da drüben tatsächlich jemand zurückkommen kann. Der Tod lässt niemand aus seinen Klauen. Das ist Unsinn, barer Unsinn. Das gibt es nicht in dieser Welt.

Das ist es aber, was ich glaube. Es gibt hier in dieser Welt Auferweckung von den Toten. Nicht nur symbolisch, nicht nur im Bild des Schmetterlings, sondern tatsächlich. Mitten in dieser zugemauerten und todsicheren und angstbewohnten Welt gibt es ein solches Leben, das den Stein ins Rollen bringt, die Angst besiegt, Mauern überspringt und den Tod unsicher macht. Und dieser Lebendige kommt nicht mit der Gebärde des Siegers, sondern mit der augestreckten Hand, die die Wundmale trägt. Mit der Geste dessen, der versteht, der liebt, der Frieden bringt und Versöhnung und Freude. Und all das sind schon Zeichen und Wirkung dieses Auferstehungslebens in unserer Welt: Frieden und Versöhnung und Verstehen und Lieben und Freude und Lachen.

„Wir hatten mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten.“ So hat der blinde Mann Horst Sindermann gesagt. Rechnen Sie mit noch mehr! Rechnen Sie mit noch viel mehr!

Und wenn Sie einen Schmetterling sehen, denken Sie erstens an dieses Neue Leben, aber auch daran, dass er nichts mit Schmettern oder gar Zerschmettern zu tun hat, wie wir Preußen, Bayern und Sachsen leicht zu denken geneigt sind, sondern mit Schmetten und das ist dasselbe wie Schmant und Rahm. Und er heißt darum nach Schmetten und Schmant und Sahne, weil seine Flügel so samten sind und zart wie reine Sahne. So sanft und zart, so duftig und leicht wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, so berührt uns dieses Neue Leben. So möge es Sie berühren!

Und wissen Sie, warum es dies Jahr zu Ostern so ein Wetter gibt? Weil wir mal wissen sollten, wie es ist, wenn Ostern und Weihnachten zusammen fallen.

Frohe Ostern und bald den ersten Schmetterling wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

3. April 2013

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