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Jeden Abend betet die Kirche den Lobgesang des Simeon. „Meine Augen haben das Heil gesehen…“ Das soll ich am Abend jeden Tages sagen können. So soll ich auf den vergangen Tag blicken und eines Tages mit Simeon auf mein ganzes Leben: „Meine Augen haben das Heil gesehen…“ Der Schlaf ist nämlich des Todes Bruder. Das ist heute tabu. Aber das Loslassen einzuüben, ist auch schon einüben des letzten Loslassens und Scheidens.

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Lk 2,27 Als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, 28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.

30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, /

31 das du vor allen Völkern bereitet hast,

32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

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Schlaf, Kindchen, schlaf…

Die wichtigste spirituelle Ressource ist der Schlaf. So habe ich es bisher von allen meinen geistlichen Lehrern gehört. Ja, ist denn der Schlaf etwas, das mit meiner Seele so direkt zu tun hat? Im Bewusstsein ist mir das nicht gerade. Aber das ist wohl so und ist auch sehr zu beachten. Und ich merke es ja auch. Wie ist mir der ganze Tag verdorben, wenn ich zu wenig und zu schlecht geschlafen habe! Ich kann mich nicht richtig konzentrieren. Ich komme nicht voran mit der Arbeit. Immerzu bin ich müde und schlapp und möchte mich am liebsten hinlegen. Ich trinke einen Kaffee nach dem andern und werde nicht wacher sondern nur zitterig und fange an zu schwitzen. Ich bin gereizt und unleidlich. Kennen Sie das auch alles?

Bei Tolstoi habe ich den schönen Wunsch gelesen: Du sollst schlafen wie ein Feldstein und erwachen wie ein frisches Weißbrot. Wie anders sieht die Welt aus, wenn ich morgens erwache wie ein frisches Weißbrot! Knusprig und duftend und lebensfroh und stark. Alle freuen sich über so ein frisches Weißbrot. Wann sind Sie zum letzten Mal so erwacht? Geht das überhaupt noch, so wie früher in den Ferien nach einem vollen Tag im Freien beim Wandern oder im Wasser oder beides? Tief und ausführlich schlafen – wunderbar! So erwachen wie ein frisches Weißbrot.

Darum hat mir damals mein Novizenmeister gesagt: Die Aszese fängt nicht mit dem Aufstehen an – auch wenn einem das so vorkommt – sondern beim Schlafengehen. Pünktlich ins Bett gehen. Es gibt ja Leute, die können das gut. Die können den Tag gut loslassen und gehen gern ins Bett und stehen dann auch gern und früh auf. Es wurde immer erzählt von den Kollegen, dass der Prof. Ratzinger so jemand war, der immer pünktlich um zehn ins Bett ging. Also keine Fete dauerte länger… Jetzt bald kann er es wieder.

Ich gehöre leider nicht zu dieser Sorte. Mir fällt es schwer, ins Bett zu gehen, den Tag los zu lassen. Es soll immer noch was Schönes kommen. Das kann doch nicht alles gewesen sein! Das ist so eine Versuchung, durch die es dann immer später wird und dann ist wo möglich der ganze nächste Tag in Gefahr so zu werden, wie oben geschildert. Und dann kommt noch das schlechte Gewissen dazu.

Schlaf ist etwas sehr Empfindliches. Ein Konflikt oder Streit kann mich lange daran hindern einzuschlafen. Erfolgreich habe ich ihn tagsüber verdrängt. Jetzt, wo ich einschlafen will, taucht er wieder auf. Ich diskutiere im Inneren munter weiter. Meine Wut kommt wieder hoch und der Adrenalinstoß macht mich putzmunter. Komischerweise hindert mich aber auch Lustiges am Schlaf. Wenn ich noch etwas lese, über das ich lachen muss, schlafe ich auch schlecht ein. Bei mir soll es etwas Frommes oder was Langweiliges sein. Besser noch was Frommes.

Denn das Fromme bringt mich in innere Harmonie und Frieden. Die Bibel sagt nicht umsonst: „Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen!“ Von mehreren Ehepaaren weiß ich, dass  sie immer danach gestrebt haben, diesem Wort zu folgen und vor dem Schlafen Frieden zu machen. Und am Ende des Tages sollte man auch als Nichtverheirateter seinen Frieden machen. Darum ist der Tagesrückblick eine gute Übung. Seine kürzeste Fassung: Merci, pardon, wir zwei, morgen. Danke für alles Gute und Gelungene und Gefügte an diesem Tag. Pardon für alles, wo ich gefehlt habe. Wie sieht mein Tag morgen mit Dir aus? Wann meine Gebetszeit? Wo brauche ich besonders deine Hilfe?

Außer dem ruhigen und guten Gewissen gibt es noch andere gute Ruhekissen. Am besten wenn ich mich auch körperlich betätigt habe beim Spaziergang, bei Gymnastik oder ähnlichem. Und wenn ich nicht zu viel gegessen oder getrunken habe direkt vor dem Schlafen. Alkohol lässt zwar gut einschlafen, aber wenn es über das Maß ist, dann wache ich um drei oder vier auf und kann nicht gut wieder einschlafen. Genauso gefährlich sind zu lange Arbeit und Stress. Da muss ich lernen, mich zurück zu nehmen. Ich habe Grenzen. Die muss ich achten, sonst werde ich unweigerlich krank werden – an Leib und Seele.

Was mir immer hilft zu schlafen – sogar in der Bahn –, ist wenn ich mir vorsage: Loslassen, Thomas, loslassen. Das ist besser als Schafe zählen oder sogar das Jesusgebet. Loslassen, Thomas, loslassen. Bis ich es merke, ja, jetzt entspannen sich die Nackenmuskeln, jetzt lasse ich los und sinke in des Schlafes Schoß. Probieren Sie es ruhig aus – aber mit Ihrem Namen!

Sagen Sie bloß, Sie kennen alle diese Ratschläge? Ja, und warum richten Sie sich nicht danach? Das ist mal eine interessante Frage. Es soll doch noch was Schönes kommen! Ja, das soll es auch!

Ich wünsche es Ihnen
Thomas Gertler SJ                                                    

27. Februar 2013

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