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Paulus spricht am Beginn seines zweiten Briefes an die griechische Gemeinde in Korinth von seiner Erfahrung des Trostes im Gebet und davon, dass wir diesen Trost weitergeben dürfen und sollen. Oft wird diese Erfahrung der Nähe Gottes in äußerer Bedrängnis gemacht, wenn wir als Christen mit in das Schicksal des leidenden Christus hineingezogen werden. Wir wissen es von Alfred Delp oder Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis. Hier schreibt uns Paulus davon.

© Brian Jackson

2 Kor 1,1 Paulus, durch Gottes Willen Apostel Christi Jesu, und der Bruder Timotheus an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, und an alle Heiligen in ganz Achaia.

2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

3 Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes.

4 Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.

5 Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.

6 Sind wir aber in Not, so ist es zu eurem Trost und Heil, und werden wir getröstet, so geschieht auch das zu eurem Trost; er wird wirksam, wenn ihr geduldig die gleichen Leiden ertragt, die auch wir ertragen.

7 Unsere Hoffnung für euch ist unerschütterlich; wir sind sicher, dass ihr mit uns nicht nur an den Leiden teilhabt, sondern auch am Trost.

8 Wir wollen euch die Not nicht verschweigen, Brüder, die in der Provinz Asien über uns kam und uns über alles Maß bedrückte; unsere Kraft war erschöpft, so sehr, dass wir am Leben verzweifelten.

9 Aber wir haben unser Todesurteil hingenommen, weil wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen wollten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.

10 Er hat uns aus dieser großen Todesnot errettet und rettet uns noch; auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird.

11 Helft aber auch ihr, indem ihr für uns betet, damit viele Menschen in unserem Namen Dank sagen für die Gnade, die uns geschenkt wurde.

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Religiöses Gefühl aus dem Automaten

„Ich halte die – dem Denken Andy Warhols verwandte – Idee einer automatenhaft herstellbaren Erzeugung religiösen Gefühls für einen sehr zeitgenössischen Gedanken.“ So schreiben Sie, verehrter Herr Sturm zu Ihrem Gebetomaten. Ja, das halte ich auch für einen sehr zeitgenössischen Gedanken. Und Sie, Herr Sturm, bieten Ihren Automaten – wohl ein bisschen augenzwinkernd – dafür an und möchten ihn gern noch an vielen Stellen dafür aufstellen. Allerdings als Kunstobjekt und nicht als ein Gerät, das automatisch selbst beten oder für mich beten kann.

Und ich glaube auch, dass das tatsächlich möglich ist, automatenhaft religiöses Gefühl herzustellen. So wie sich auch andere Gefühle mit Hilfe von Automaten oder Geräten erzeugen lassen. Darum höre ich Musik auf dem iPod, dazu ziehe ich mir eine DVD rein, dazu gehe ich auf YouTube. Und je nachdem was für Musik oder welcher Film das war, bin ich danach gestimmt und es kann mich zu Tränen rühren, oder ich kann auch Tränen lachen bei Dick und Doof.

So ein religiöses Gefühl kommt zum Beispiel auf bei „Stille Nacht, heilige Nacht“. Oder früher bei den Katholiken bei „Ein Haus voll Glorie schauet“. Bei den Lutheranern war das „Ein feste Burg ist unser Gott“. Und gemeinsam bei „Großer Gott, wir loben dich.“ Und auch mir läuft bei manchen Liedern so ein Schauer über den Rücken. Und ich habe ein sehr intensives religiöses Gefühl. Das will ich weder schlecht, noch lächerlich machen.

Worauf es mir ankommt ist, dass dieses religiöse Gefühl noch nicht etwas ist, mit dem ich dann tatsächlich mit Gott in Kontakt komme. Es kann mir helfen, mich gewissermaßen in Schwung bringen, um einmal wieder zu beten, um diesen Kontakt zu suchen und wieder aufzunehmen. Es kann Gott mich auch tatsächlich in einem solchen Lied berühren, aber das Gefühl selbst ist noch keine Gottesbegegnung. Das automatenhaft hergestellte Gefühl ist meins. Das Gefühl habe ich. Damit bleibe ich bei mir selbst. Das Gefühl ist, wenn es so erzeugt wird, ein Produkt. Etwas Gemachtes, etwas Hergestelltes. Es ist nicht selbst schon Gebet oder ein wirklich von Gott Berührtsein.

Dieses von Gott Berührtsein lässt sich nämlich nicht automatenhaft herstellen. Wir wünschen uns das oft, wir möchten das gern herstellen können, aber das ist nicht möglich. Das ist gerade die Erfahrung der Beterinnen und Beter durch die Jahrhunderte, ja Jahrtausende hin. Es lässt sich nicht machen. Es ist nicht herzustellen. Ich kann durch ein Lied, durch eine bestimmte Sitzhaltung, durch eine bestimmte Atemtechnik, ich kann durch Stille, durch eine Kerze und ein Bild einen Raum dafür schaffen und mich ausstrecken nach Gott, aber die Begegnung selbst und die Empfindung, die Begegnung bei mir hervorrufen kann, kann ich nicht „machen“. Viele, die beten, erfahren diese Gegenwart Gottes, fühlen sich von Gott berührt und das kann ein sehr, sehr tröstendes Gefühl sein. Unser Ordensgründer Ignatius von Loyola nennt es auch so, nämlich „Trost“. Aber dieser Trost ist kein automatenhaft herstellbares Gefühl.

Gerade diejenigen, die Gott und den Glauben und das Gebet neu entdecken, erfahren diesen Trost als tief beglückend und befreiend. Es ist eine Erfahrung, die sich mit anderen Gefühlen kaum vergleichen lässt, am ehesten mit der Verliebtheit und der Liebe. Da bin ich durch die Begegnung mit dem anderen Menschen auch tief angerührt und glücklich. Ich fühle mich angenommen und geliebt und dadurch wie in die Luft erhoben. Ich schwebe so ein bisschen. Ich lache und freue mich und bin dann auch zu allen anderen Leuten lieb und freundlich. Wunderbar! Und ganz ähnlich mit Gott, besonders in der ersten Zeit nach der Hinkehr zu ihm. Und das muss noch nicht einmal immer beim Beten kommen. Es kann passieren, während ich irgendwo zu Fuß unterwegs bin und da kommt mir ein glückliches Lächeln aus dem Herzen auf die Lippen. Das aber lässt sich nicht herstellen oder festhalten, obwohl ich es so gern möchte. Es berührt mich, verwandelt mich, aber verschwindet auch wieder. Und dann fühle ich mich wieder trocken, kalt und leer. Das Glück und der Trost sind weg. Trostlosigkeit ist da. Oder wie schreibt Kurt Marti so treffend:

NICHT BEI TROST

bei trost hätt ich frieden
bei trost hätt ichs gut
doch trost ist verreist:
anstatt bei ihm
bin ich wieder
bei mir


Gerade diese Erfahrung, dass sich Trost nicht machen oder herstellen lässt. Dass er schwindet und nicht festzuhalten ist und ich dann „wieder bei mir“ allein bin. Gerade diese so erschreckende Erfahrung ist wichtig. Gerade sie zeigt mir, dass es sich wirklich um eine Begegnung mit Gott und nicht um ein automatenhaft oder durch Meditationstechnik herstellbares Gefühl handelt. Es ist, wie ich es nenne, ein „negativer Gottesbeweis“. Gerade dass es mir dann entschwindet und ich es nicht machen oder halten kann, zeigt mir, dass es vorher nicht ich selbst war, von dem der Trost kam und dieses Glücksempfinden. Hans Carossa (1878-1956) hat es in einem kurzen Gedicht so gesagt:

Was einer ist, was einer war,
Beim Scheiden wird es offenbar.
Wir hören’s nicht, wenn Gottes Weise summt,
Wir schaudern erst, wenn sie verstummt.


Wir merken erst, wenn es vorbei ist, wie glücklich und froh wir waren. Und dann suchen wir leicht in unserer Trostlosigkeit den falschen Trost in einem automatenhaft herstellbaren Gefühl. Dann sind wir ja nicht mehr so abhängig von Gottes Gabe. Aber es ist nicht das Gleiche. Ja, so künstlich hergestellter Trost, macht mich oft noch trauriger.

Dass wir uns oft mit einem automatenhaft herstellbaren religiösen Gefühl begnügen, zeigt den Weg, den wir Zeitgenossen hinter uns haben, die Verzweiflung an einer tatsächlichen Möglichkeit einer Gottesbegegnung hin zum Vertrauen der Moderne, dass wir alles selbst machen können, und von da weiter zur Not, dass wir alles selbst machen müssen. Trostlos.

Aber ich möchte Ihnen Mut machen. Gott lässt sich erfahren. Sie können Ihm begegnen. Er lässt sich finden. Bleiben Sie nur beim Beten, beim Suchen und Anklopfen. Fliehen Sie nicht. Suchen Sie nicht Trost beim automatisch herstellbaren Gefühl! Sie können das reale Glück finden! Freilich braucht es noch mehr Kriterien als die Erfahrung, dass sich dieser Trost nicht machen und festhalten lässt. Aber das ist eines von den Kriterien. Über andere später mal.

Und Ihnen, Herr Sturm, danke, dass Ihr Kunstobjekt uns Gelegenheit gibt, über unsere Gebetserfahrungen nachzudenken!

8. Februar 2012

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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