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Der Evangelist Markus schildert, wie Jesus die zwölf Apostel auf diese Weise zu zweit aussendet. Nach diesem Modell gehen auch heute Menschen im Vertrauen auf Gott los.

© Wikimedia Commons

Mk 6,6b Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.

7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben,

8 und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,

9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

10 Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst.

11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.

12 Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf.

13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

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© Foto: www.magdeburger-fusswallfahrt.de


Pilgern

Pilgern ist ja wieder sehr verbreitet. Und zwar nicht allein mit Flugzeug, Bus oder Bahn, sondern vor allem per pedes apostolorum, mit den Füßen der Apostel. Das Wallfahrtsziel will ergangen werden. Erst dann kann man auch sagen, wie es einem ergangen ist. Und erst die FußwallFAHRT macht erfahren. Geistliche Erfahrungen wollen auch mit dem Leibe gemacht werden. Sie betreffen nämlich den ganzen Menschen. Über diese Erfahrungen habe ich schon einmal geschrieben.

Heute will ich auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen. Pilgern oder Wallfahren ist auch insofern eine ursprüngliche geistliche Erfahrung, als sie uns lehrt, uns selbst zu verlassen. Wir gehen mit jedem Schritt auch aus uns selbst hinaus und auf Gott und den Nächsten zu. Wir verlassen und selbst und verlassen uns auf Gott hin. Wir lassen los und werden so allmählich – im Gehen – gelassen.

Darum soll die Pilgerfahrt mit möglichst wenig Gepäck gemacht werden. Nicht allein, weil ich nicht so viel schleppen will. Nicht nur weil ich merken soll, was ich alles nicht brauche, sondern vor allem, damit ich merke, dass ich nicht zuerst selbst sorgen muss und sorgen soll, sondern dass Gott sorgt, wenn ich in seinem Namen und auf Seinem Weg unterwegs bin. Und das ist ein großes Wagnis. Wir sind das gar nicht gewöhnt. Wir glauben und verhalten uns so, dass wir selbst für alles sorgen. Dass wir selbst alles sicher machen. Dass wir uns versichern. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. So lautet das Motto.

Pilgern geht los mit möglichst wenig und ohne zu viele eigene Detailplanung und Vorsorge, damit ich diese Sorge Gottes für mich und um mich und meine Mitpilger erfahre. Das ist eine Erfahrung, die mein Leben verändert. Nicht mehr um mich selbst kreist alles. Und mein Leben läuft nicht mehr im Kreis. Es bekommt ein neues Ziel und es lebt aus dem Vertrauen. Das soll die Erfahrung der Pilger sein. Das geht freilich nur, wenn ich das Pilgern wirklich als Pilgern anlege, nicht als eine Art Selbsterfahrungstrip oder Abenteuerurlaub. Also nicht nur „Ich bin dann mal weg“, sondern „Ich gehe zu Dir“ und so auch zu mir. Hier können sie diese Erfahrung bei uns in Deutschland machen.

Unser Ordensgründer Ignatius von Loyola (1491-1556) bezeichnete sich selbst als „Pilger“. Seine Autobiografie nennt sich „Bericht des Pilgers“. Er hat seit seiner Bekehrung im Jahr 1531 sein ganzes Leben als eine Pilgerschaft verstanden. Seine für ihn eindrücklichste Wallfahrt führte ihn ins Heilige Land. Und diese Pilgerreise nach Jerusalem hat er ganz und gar so gemacht, wie er es nach der Bibel verstanden hat: Ohne jede eigene Absicherung. Alles ganz und gar in die Hände Gottes legen. Es machte ihm sogar ein schlechtes Gewissen, den Schiffszwieback zu besorgen, ohne den ihn der Kapitän nicht mitnehmen wollte. Erst als ihm sein Beichtvater sagte, er solle ihn an Land erbetteln und dann mitnehmen, war er beruhigt. Das Gott sorgt und führt und geleitet, das hat er dann auch so erfahren. Freilich mit Überraschungen und Ungewissheiten und Ängsten und Herausforderung seines Glaubens, aber doch.

Schon Jesus sendet seine Jünger ohne alle Ausrüstung und Sicherung los, damit sie diese Erfahrung machen und lernen, sich auf Gott zu verlassen. Ihm zu glauben und das Leben in Gottes Hände zu legen. Und dazu sind Pilgerfahrten zuerst da. Im Abendmahlssaal fragt Jesus seine Jünger: „Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten?“ Sie antworteten: „Nein“ (Lk 22, 35). Das nannte unser Professor Schürmann damals die „providentia specialissima“, die ganz besondere Vorsorge Gottes für die Seinen.

Die bleibt nicht immer so. Das ist eine spezielle Erfahrung. Im Abendmahlssaal geht der Text so weiter (Lk 22,36): „Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.“ Die Pilgerreise ist auch einmal zu Ende. Und dann muss ich auch selbst wieder sorgen. Aber mit dem Hintergrund der Pilgererfahrung. Auch wenn ich jetzt selbst sorge und sorgen muss, so bleibt doch Gottes Sorge um mich bestehen. Sie trägt und hält im Letzten.

So hat dann auch Ignatius gelebt, dessen Fest wir am 31. Juli begehen. Ganz in Gottes Hand geborgen und ganz selbst engagiert, ganz gelassen und ganz präsent und wach und aktiv. Beides zusammen ist Zeichen des erfahrenen, des durch Pilgern erfahrenen Glaubens.

Gott sorgt und ist ganz da für uns, darum können auch wir sorgen und ganz da sein.

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

24. Juli 2013

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