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Die biblischen Zeiten kannten das, dass ein Mensch als Gott verehrt wurde. Weder Juden noch Christen haben da mitgetan. Sie sind lieber in den Tod gegangen. Auch Ps 118 singt uns von dieser Versuchung und warnt uns davor. Gott ist der Erlöser und Retter, kein Mensch.

© Thomas Gertler

Ps 118,1 Danket dem Herrn, denn er ist gütig, / denn seine Huld währt ewig.

2 So soll Israel sagen: / Denn seine Huld währt ewig.

3 So soll das Haus Aaron sagen: / Denn seine Huld währt ewig.

4 So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren: / Denn seine Huld währt ewig.

5 In der Bedrängnis rief ich zum Herrn; / der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht.

6 Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. / Was können Menschen mir antun?

7 Der Herr ist bei mir, er ist mein Helfer; / ich aber schaue auf meine Hasser herab.

8 Besser, sich zu bergen beim Herrn, / als auf Menschen zu bauen.

9 Besser, sich zu bergen beim Herrn, / als auf Fürsten zu bauen.

10 Alle Völker umringen mich; / ich wehre sie ab im Namen des Herrn.

11 Sie umringen, ja, sie umringen mich; / ich wehre sie ab im Namen des Herrn.

12 Sie umschwirren mich wie Bienen, / wie ein Strohfeuer verlöschen sie; / ich wehre sie ab im Namen des Herrn.

13 Sie stießen mich hart, sie wollten mich stürzen; / der Herr aber hat mir geholfen.

14 Meine Stärke und mein Lied ist der Herr; / er ist für mich zum Retter geworden.

15 Frohlocken und Jubel erschallt in den Zelten der Gerechten: / «Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!

16 Die Rechte des Herrn ist erhoben, / die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!»

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, / um die Taten des Herrn zu verkünden.

18 Der Herr hat mich hart gezüchtigt, / doch er hat mich nicht dem Tod übergeben.

19 Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, / damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken.

20 Das ist das Tor zum Herrn, / nur Gerechte treten hier ein.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast; / du bist für mich zum Retter geworden.

22 Der Stein, den die Bauleute verwarfen, / er ist zum Eckstein geworden.

23 Das hat der Herr vollbracht, / vor unseren Augen geschah dieses Wunder.

24 Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; / wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.

25 Ach, Herr, bring doch Hilfe! / Ach, Herr, gib doch Gelingen!

26 Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. / Wir segnen euch vom Haus des Herrn her. /

27 Gott, der Herr, erleuchte uns. Mit Zweigen in den Händen / schließt euch zusammen zum Reigen / bis zu den Hörnern des Altars!

28 Du bist mein Gott, dir will ich danken; / mein Gott, dich will ich rühmen.

29 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, / denn seine Huld währt ewig.

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© Thomas Gertler


O die schönen Kirchenträume!

Es gibt eine eigene Literaturgattung, die vor einigen Jahren entstanden ist, die Kirchenträume. Vielleicht habe Sie das eine oder andere Buch damals gelesen. Anlässlich der Wahl von Papst Franziskus habe ich mich wieder daran erinnert, denn da wurden vorher und währenddessen und nun nach der Wahl so viele Erwartungen, unbedingte Notwendigkeiten, Sehnsüchte und Träume geäußert, dass es mir ganz erstaunlich war und ist.

Einerseits kann ich diese Träume und Sehnsüchte gut verstehen. Es ist so viel Hoffnung da, dass es einmal gut wird an einer Stelle der Welt, dass einer einmal hinkriegt, was sonst immer nur Erwartung bleibt, die Einheit von Glauben und Leben, von Predigt und Leben, ein wirklich guter und heiliger Vater, der gütig ist und barmherzig ist, aber auch stark und durchsetzungsfähig, der Verständnis hat für die moderne Welt und doch Richtung und Halt gibt. Der modernisiert und zugleich dem Evangelium und dem Wort Gottes Geltung verschafft. Der wirklich so voller Charme und so voller Radikalität ist, wie es der heilige Franz von Assisi oder der heilige Franz Xaver waren, und der doch mit beiden Beinen auf der Welt steht und allen gerecht wird und zugleich bereit, sich für Gottes Sache mit allen anzulegen.

Sie merken schon, was da herauskommt, ist etwas, das wirklich ein Traum ist, aber kein 76 Jahre alter Mann, der schon vom Leben, vom Leiden und vom Leiten gebeutelt und angekratzt ist, der Narben trägt und in riesigen Spannungen steht. Auf diesen Mann werden nun alle diese Träume und Sehnsüchte projiziert. Seitenlange Wunschlisten wie an den Weihnachtsmann werden geschrieben – nicht von Kindern sondern von Erwachsenen. Er soll sie alle erfüllen. Er soll der Jungbrunnen der Kirche und der alten verknöcherten Kurie sein. Ja, wie realistisch und wie erwachsen sind denn diese Träume? Von was für einer Menschen- und Wirklichkeitskenntnis künden sie denn?

Ja, es ist gut, Visionen und Träume zu haben. Ja, es ist gut Erwartungen zu haben und zu äußeren, aber immer dann wenn sie umkippen in eine Art Erwartung des Heils und der Errettung, wenn sie umkippen in eine übermenschliche Erwartung an ein quasi göttliches Wesen, dann werden sie wirklich gefährlich. Ehrlich! Denn dann kippen sie um in Vergötterung eines Menschen und die kann immer nur scheitern und enttäuscht werden. Ich erlebe das ja nicht nur beim Papst Franziskus. Ich erlebe das auch immer wieder bei der Liebe zwischen Menschen. Der andere, die andere soll alle meine Sehnsüchte und Träume erfüllen. Er/sie soll mir alles sein. Der Himmel auf Erden. Und freilich gibt es so etwas. Aber immer für Momente, für Augenblicke. So ein „magic moment“, so ein einmaliger Augenblick war für mich der Moment des Schweigens und Verneigens auf dem riesigen Petersplatz, als alle beteten.

Aber wenn ich vom anderen auf Dauer und für immer die Totalerfüllung erwarte oder gar einfordere, dann muss es scheitern. Dann kippt Liebe in Götzenverehrung um. Und alsbald die Erwartung in Enttäuschung. Und die wird sich bei allen einstellen, die das Heil vom Papst erwarten. Und dann wird das lange Regal der Kirchenkritik und der Kirchenenttäuschungen wieder einen Band hinzubekommen. Das sehe ich schon. Und genau das ist das Teuflische an der Vergötterung von Menschen. Wie viel Liebe und wie viel Verehrung hat sie schon zerstört!

Der andere Mensch kann mir in Liebe und in Verehrung ein Zeichen und Hinweis auf Gott hin sein. Ja, das soll er. Und gerade darin ist die Ehe ein Sakrament und gerade das ist die Aufgabe auch des Papstes, auf Gott zu verweisen, nicht aber quasi Gott zu sein. Es ist so tief wahr, was in dem Theaterstück „Der seidene Schuh“ die Frau zu ihrem Geliebten sagt: „Ich bin das Versprechen, das nicht gehalten werden kann, und gerade darin besteht meine Gnade.“ Die Gnade besteht darin, dass uns die Sehnsucht, die der/die Geliebte in uns erweckt, hinausweist auf Gott. Gott allein genügt. In der geliebten und verehrten Person begegnet schon Gott selbst aber als Versprechen, als Verheißung, als Sehnsucht, die unser Herz unruhig macht. Aber Heil und Frieden finde ich nur in Gott. Und Frieden kann ich dann auch mit der verehrten und geliebten Person haben, wenn ich sie so nehme und ihr dafür dankbar bin, dass sie mich auf das Letzte (nur) verweist. O die Kirchenträume, o die Liebesträume – wie wichtig, wie wahr, wie gefährlich, ehrlich!

Erwarten Sie nicht vom Papst das Heil, sondern von Gott! Damit würden Sie auch Papst Franziskus einen großen Gefallen tun! Das versichert Ihnen

Thomas Gertler SJ
20. März 2013

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