Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheNothing personal
DeutschEnglishFrancais

Als so einen zwanghaften Ablauf eines Ereignisses schildert uns Markus die Enthauptung Johannes des Täufers. Herodes will es nicht, aber „er ist gezwungen“ durch die Umstände, die er selbst geschaffen und zugelassen hat. Nichts persönliches, aber er kann nicht anders.

© Foto: The weaver - CC BY-SA 3.0

Mk 6,17 - 29

6,17 Herodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte.18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. 19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, 20denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. 21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. 23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. 25 Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. 26 Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Seitwert Free counter and web stats


Nothing personal

„Es ist nichts Persönliches“, sagt der Mafia-Killer. Er muss den Mann erschießen, er möchte ihn mit dem Satz gewissermaßen trösten. „Ich habe nichts persönlich gegen Sie, aber es muss eben sein. Also nehmen Sie es nicht persönlich.“ Nothing personal. Und dann folgt der Schuss. Jeder, der schon mal einen Mafia-Film gesehen hat, hat auch schon mal diesen Satz gehört.

„Nichts Persönliches.“ Das zeigt etwas Typisches, woran ich das Böse erkennen kann. Es geht dann immer um eine Maschinerie, die zwangsläufig ist. Man kann nichts machen. Es muss getan werden. Es läuft von selbst. Es gibt da keine Freiheit und keinen Spielraum. Es muss eben sein. Tut mir leid. Ist eben so. Solche Unausweichlichkeiten innerhalb menschlicher Beziehungen sind ein Kennzeichen des Bösen. Keine Freiheit mehr. Nur noch Zwang und Notwendigkeit. Es will keiner, aber am Ende ist da eine Leiche. Oder es sind 100 000 Tote oder 7 Millionen.

Nichts Persönliches. Das ist ganz wichtig, wenn es mit dem Bösen gelingen soll, wenn das Böse erfolgreich sein will. Jede persönliche Beziehung zum Opfer macht es schwer bis unmöglich, ihm etwas anzutun. Ja nicht den Namen kennen. Ja keine persönliche Beziehung aufbauen. Das Opfer soll mich nur unter einer Maske kennen oder gar nicht. Oder das Opfer hat ein verhülltes Gesicht, muss einen Sack über dem Kopf tragen. Nicht nur, damit es mich nicht unter Umständen identifizieren kann, sondern auch zur Vermeidung jeder persönlichen Beziehung. Gefühle müssen ausgeschaltet werden. Am Besten, wenn dem Opfer das Menschsein überhaupt abgesprochen werden kann. „Frauen sind keine kompletten Menschen.“ „Juden sind Untermenschen.“

Gefangene tragen Nummern. Sie müssen sich als solche Nummer selbst bezeichnen. Keinen Namen mehr. Die Nummer ist ihnen eintätowiert. Sie sind jetzt eine Nummer, keine Person mehr. Das ist wesentlich – Entpersönlichung. Aber ähnlich ist es bei den Tätern. Sie sollen auch nicht gekannt, erkannt, benannt werden. Als Schutz. Aber natürlich das Schreckliche soll keinen Namen tragen. Und es nimmt auch den Tätern die Persönlichkeit.

Tendenzen zu dieser Entpersonalisierung gibt es auch schon vor dem Verbrechen und vor der Herrschaft der Diktatur. Es gibt sie schon immer, wenn es darum geht, Abläufe zu beschleunigen, zu automatisieren. Nummern sind da sehr hilfreich. Es lässt sich alles leichter erfassen und dient auch dem Schutz der Persönlichkeit. Von uns hat jeder und jede seit 2007 eine IdNr, eine Identifikationsnummer, eine Steuer-Identifikationsnummer. Ein schönes langes deutsches Wort, ein Beamtendeutschwort. Irgendwo in meinen persönlichen Papieren habe ich diese Nummer. Der Gebrauch ist streng gesetzlich geregelt. Warum wohl? Gerade weil es auch Gefahren gibt.

In der DDR gab es seit 1970 die Personenkennzahl (PKZ). Die war schon etwas gefährlicher. Nicht als bloße Zahl, aber in ihrem Gebrauch. Die Stasiakten über jemanden lassen sich leichter finden, wenn jemand diese Zahl kennt. Warum wohl? Weil die Akten darunter abgelegt waren. In meinem alten DDR-Ausweis steht sie geschrieben.

Nothing personal. Für das Böse gilt die Entpersönlichung und die Anonymisierung. Das Böse will entpersönlichen und es will anonym, unbenennbar bleiben. Für Gottes Geist gilt das ganze Gegenteil. Gott ruft den Menschen beim Namen. Das beginnt schon mit Adam und Eva. Und Gott kann bei seinem Namen gerufen werden. Gott offenbart seinen Namen JHWH im dritten Kapitel des Buches Genesis und am Beginn der Zehn Gebote stellt er sich mit Namen vor (Ex 20,2-3) Dieser heilige Name Gottes kommt in der Hebräischen Bibel 6828-mal vor.

Gott ruft uns beim Namen (Jes 43,1ff). Er wird ganz persönlich und er nimmt jeden ernst als Person.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

24. Sept. 2014

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!