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Dass man im Leben des Glaubens und der Kirche auch mal nichts tun und nicht zu schnell eingreifen soll, sondern darauf vertrauen darf, dass sich zeigt, ob etwas vom Geist Gottes oder vom Ungeist kommt, das sagt nicht nur das Gleichnis vom Unkraut im Weizen (Mt 13,24-30), sondern auch der berühmte Rat des Gamaliël, der der jungen Kirche erst einmal Ruhe vor Verfolgung verschafft hat.

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Apg 5,27 Man führte sie [die Apostel] herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie

28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen [Jesu] zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.

29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.

31 Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.

32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.

33 Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

34 Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen.

35 Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt.

36 Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.

37 Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.

38 Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden;

39 stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu,

40 riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.

41 Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.

42 Und Tag für Tag lehrten sie unermüdlich im Tempel und in den Häusern und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus.

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Nichts tun

„Wenn man lange genug wartet, wird das beste Wetter.“ Kennen Sie diesen Spruch? Er stimmt hundertprozentig. Ich wollte den Spruch mal als Thema über das Programm der Studentengemeinde von Leipzig schreiben. Das war so um 1985. Eine friedliche Revolution war zu dem Zeitpunkt schlechterdings nicht vorstellbar. Die Studenten haben den Spruch nicht zugelassen. Sie fanden ihn zu passiv. Dasitzen und warten und nichts tun. Kein sinnvoller Wahlspruch. Er könnte ja dann genauso gut lauten: Wenn man lange genug wartet, sind alle tot. Das stimmt auch hundertprozentig. Also lieber aktiv sein, was tun, sich wehren. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.

Ich hatte natürlich damals noch etwas anderes mit meinem Spruch im Sinn. So etwas, was Blaise Pascal gemeint hat mit seinem Wort: „Alles Unheil kommt von einer einzigen Ursache, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrer Kammer sitzen können.“ Eine der Nöte unserer deutschen Welt besteht jedenfalls darin, dass wir eher hyperaktiv sind. Dass wir was tun müssen. Dass wir immer gleich losrennen. So einfach nichts tun, das geht gar nicht. Und der Effekt ist dann oft bei diesen Hyperaktiven, dass sie eines Tages da sitzen und nichts mehr tun können. Weil sie der Schlag getroffen hat. Weil sie sich eine Depression eingefangen haben. Weil sie ausgebrannt sind. Da kann man dann nichts mehr tun.

Es ist also besser, immer mal wieder nichts zu tun, bevor man aus besinnungsloser Hyperaktivität dahin kommt, nichts mehr tun zu können. Und da möchte ich noch einmal zwei Formen des Nichtstuns zu unterscheiden. Einmal das Nichtstun, wie es so schön Loriot in seinem Sketch darstellt. „Ich will einfach nur hier sitzen…“ Das mache ich auch gern morgens früh zwischen meinen einzelnen fünf gymnastisch-meditativen Übungen. Aber das tut mir nicht so gut. Einfach nur faul dasitzen, dösen und warten bis der Zeitdruck so anwächst, dass ich die nächste Übung beginne.

Viel besser bekommt mir das aufmerksame und bewusste Nichtstun, das ich morgens nach dem Frühstück beginne, wenn ich es kann, zum Glück – oder besser „Gott sei Dank“ – kann ich es meistens. Ich meine das Nichtstun der Meditationszeit. Ich schaue auf mein geliebtes Jesusbild. Ich schaue in die Flamme meiner Kerze. Nehme einfach nur wahr. Lasse einfach nur sein. Ich lasse alles sein. Alles darf sein. Atme ein: erbarme dich. Atme aus: o Jesus. Nichtstun der besten Art. Zu mir kommen. Und so langsam wird in mir das beste Wetter. Frieden. Blauer Himmel. Sonnenschein. Und wenn so ein innerer Impuls kommt: Du musst jetzt schnell noch anrufen wegen…, da habe ich immer Bleistift und Papier liegen. Und dann warte ich, bis der Anfall vorüber ist und lasse noch die Sonne scheinen. Und dann nach dem Nichtstun fällt mir die Arbeit nicht nur leichter, sondern ich kann dann auch sicherer das Richtige und das Notwendige tun.

Kennen Sie die schöne Geschichte von Heinrich Böll zur Senkung der Arbeitsmoral? Hier können Sie sie lesen, wenn Sie auf diesen Satz klicken. Und wenn Sie hier klicken, sogar als Filmchen sehen. Diese Erfahrung des Fischers einfach da zu sitzen und das beste Wetter zu genießen, können auch Sie täglich machen. Versuchen Sie es doch mal. Freilich will Nichtstun gelernt sein. Das zeigen auch Bölls Geschichte oder Loriots Sketch. Wir können’s meistens nicht und Nichtstun ist schwer auszuhalten. Aber totsicher wird das beste Wetter (wenigstens in Ihnen drin).

Und damit mach ich für heute Schluss, denn ich will ja nicht zu viel tun – aber das ganze Thema ist später einmal fortzusetzen. Denn in der Spiritualität gibt es einen uralten und bis heute weiter geführten Streit um Aktivität und Passivität.

25. April 2012

Es grüßt Sie herzlich in österlicher Freude
Thomas Gertler SJ

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