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Jesus war den ganzen Tag am See unter den Menschen gewesen. Abends stieg er mit seinen Jüngern müde in ein Boot, um wegzufahren. Ein wenig Abstand brauchten sie jetzt, um sich auszuruhen und vielleicht ein Nickerchen zu machen, bevor sie am anderen Ufer wieder erwartet wurden. Und ausgerechnet während der Bootsfahrt, mitten in ihrer Rastzeit, zeigt Gott sich den Jüngern mit einem besonders starken Zeichen, um sie tiefer in den Glauben zu führen:

© Foto: Buonasera

Mk 4,35 - 41

4, 35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. 37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meis-ter, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

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© Foto: Rado Bladteth Rzeznicki


Mut zum Leerlauf

Neulich war mein Benzintank während einer Fahrt ziemlich leer geworden. Da ich gerade durchs hügelige Sauerland fuhr, ließ ich das Fahrzeug bergab über weite Strecken einfach im Leerlauf rollen. Komisch war das: kein Motorengeräusch, sondern allein durch die Schwer-kraft bewegten sich die Räder weiter. Zum Glück kam ich rechtzeitig bei der nächsten Tankstelle an.

In den Leerlauf schalten - so mutig möchte ich manchmal sein, wenn die Alltagsdinge sich drängeln und ich kaum Abstand finde: Papierkram auf dem Schreibpult (wie geht das jetzt noch Mal mit SEPA?); Milch kaufen nicht vergessen; Glaubensgruppe für Montagabend vorbereiten; der Vermieter auf der Mailbox; Sonntagsgottesdienst; der Neffe mailt: „Wann kommst Du mal wieder?“; früh morgens wenigstens kurz in die Psalmen schauen; Sprachkurs nach Feierabend; im Briefkasten der Heil- und Kostenplan vom Zahnarzt; Zeitung schon gelesen?; über mir wird bis drei Uhr morgens gefeiert; der Vollzeitberuf sowieso … Pausenlos greifen die Zähne in die Kette, wie bei meinem Fahrrad.

Natürlich ist das Fahrrad zum Fahren da und nicht zum Herumstehen. Und wer freut sich nicht an Lebendigkeit und Vielfalt im Alltag, an Kontakten und Freunden, an sinnvollen Auf-gaben und Zielen! Dennoch sind Zeiten des Leerlaufs, oder zumindest des kleineren Ganges, wichtig. Die Pferde müssen zwischendurch aus dem Geschirr! Unser Körper, unsere Psyche und unsere Seele brauchen einen Ausspann. Ausspann, so hießen sinnfällig an den alten Handelsstraßen die Gasthäuser, wo die Kutschpferde zum Rasten ausgespannt wurden.

Auch unsere Sinne - Augen, Ohren, Gaumen usw. – sind zwischendurch für einen Leerlauf dankbar, damit sie anschließend wieder neu aufmerksam sein können. Mir tut es immer ein wenig leid, wenn sich z.B. in diesen Wochen nach den Weihnachtssternen und dem Tannen-grün nahtlos die schönsten - künstlich getriebenen - Frühlingsblumen anschließen. Das finde ich zwar einerseits hübsch anzusehen, andererseits aber schade. Die Natur weiß es mit ihren noch kahlen Gärten und Feldern besser. Können wir überhaupt noch warten? Leere aushalten?

Aus der Psychologie wissen wir, wie wichtig (nicht nur) für Kinder die Langeweile ist, Leer-Zeit, weil sie die Kreativität fördert und Überraschungen zulässt. „Ein breiter Rand von Muße ist im Leben eines Menschen ebenso schön wie in einem Buche“, so formulierte es Henry David Thoreau (1817–1862). Lesen Sie weiter von dem amerikanischen Philosophen und Gesellschaftskritiker, heute würden wir Aussteiger sagen:

„Es gab Zeiten, in denen ich mich nicht entschließen konnte, die Blüte des Augenblicks irgendwelcher Arbeit des Kopfes oder der Hände zu opfern … An manchem Sommermorgen saß ich … von Sonnenaufgang bis Mittag in Träumerei versunken auf meiner Sonnen beschienenen Türschwelle … in ungestörter Einsamkeit und Stille, während die Vögel ringsum sangen … In solchen Stunden wuchs ich wie das Korn in der Nacht; sie waren viel besser, als irgendwelches Werk meiner Hände gewesen wäre. Es war keine meinem Leben abgezogene, sondern um soviel drein gegebene Zeit.“

‚In Träumerei versunken‘ - als Müßiggang oder Faulenzerei könnte man das bezeichnen, oder aber als gesegnetes Nichtstun. Als Gebet? Als Leerlauf vor Gott oder für Gott? Damit Er sich mitteilen kann. Wir tun das ja bewusst oder unbewusst jeden Abend, wenn wir schlafen gehen: den Tag loslassen, unsere Pferde ausspannen, vielleicht das Gewesene betend in Gottes Hand legen. „In dieser Nacht sei du mir Schirm und Wacht“, so steht es im alten Gotteslob (703); ich persönlich bete es fast jeden Abend. „… den Leib und alles Gut ich dir befehle.“ Überhaupt: der Schlaf. Gönne ich mir genug davon? Kann ich im Frieden loslassen, wenn die Nacht kommt, oder drängt sich mir vieles noch auf die Bettdecke, wenn ich einschlafen will? Möchte ich es Gott befehlen?

Im „Leerlauf“ der Nacht dürfen unsere bewussten Kräfte ausruhen. Die unbewussten haben jetzt Ausgang in die Träume. Und die gehören genauso zu uns, damit wir auch nachts wachsen wie das Korn, vertrauensvoll dem neuen Frühjahr oder jedem einzelnen neuen Tag entgegen.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Marlies Fricke

29. Januar 2014

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