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Es gibt einen berühmten Text von dem deutschen Dominikaner und Mystiker Johannes Tauler (um 1300 bis 1361), der uns einlädt, aus dem Mist unseres Lebens Weizen und Wein wachsen zu lassen.

© Thomas Gertler


Das Pferd macht den Mist im Stall, und obgleich der Mist einen Unflat und Stank an sich hat, so zieht dasselbe Pferd doch den Mist mit großer Mühe auf das Feld, und daraus wächst sodann schöner Weizen und der edle, süße Wein, der niemals wüchse, wäre der Mist nicht da. Also trage deinen Mist – das sind deine Gebrechen, die du nicht abtun, ablegen noch überwinden kannst – mit Mühe und mit Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Es wächst ohne allen Zweifel in einer demütigen Gelassenheit köstliche, wohlschmeckende Frucht daraus.

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© Klaus Kober


Musik aus dem Müll

Favio Chávez aus Paraguay arbeitete auf einer riesigen Müllkippe in der Nähe der Hauptstadt Asuncion und wollte den Jugendlichen, die dort lebten eine neue Perspektive für ihr Leben geben und sie von der Straße holen. Er ist selbst ein begeisterter Musiker und so kam er auf die Idee, sie in Musik zu unterrichten. Die Begeisterung war schnell so groß, dass seine eigenen Instrumente nicht ausreichten. Und so fanden sie heraus, wie sie aus Müll Musik machen konnten. Geigen aus alten Blechdosen. Ein Cello aus einem Ölfass. Eine Flöte aus einem Wasserrohr. Nicholas, ein Handwerker aus ihrem Viertel an der Deponie stellt sie her. Hier kann man das als Video sehen.

Die jungen Menschen, deren Leben sonst von Armut, von Müll, von Kriminalität und Drogen gefährdet war, fanden einen Sinn für ihr Leben. Es ist unglaublich. Inzwischen reist das Orchester „Los Reciclados“ um die Welt. Es war schon in den USA und in Deutschland. Sogar in der Jesuitenkirche St. Michael in München sind die recycelten Instrumente schon erklungen. Wenn man das Video sieht, ist man tief angerührt. Es macht Hoffnung. Auch die ARD hat schon im Auslandsmagazin darüber berichtet, wie Sie hier sehen können.

Diese Geschichte braucht nicht viel weitere Erläuterung. Und ich kann hier einfach schließen und Sie einladen, auf Ihr eigenes Leben schauen. Was mich bewegt, ist der Satz von Favio Chávez, dem Orchesterleiter: „Die Welt schickt uns Müll, wir geben ihr Musik zurück.“

Es ist tatsächlich möglich, die Welt zu verändern. Nein, besser und genauer gesagt: es ist tatsächlich möglich, in einer solchen Welt, die von hoffnungsloser Armut und von sinnloser Gewalt gezeichnet ist, von Müll, der alles erstickt und der das Symbol dieser Welt ist, dennoch Hoffnung und Sinn zu stiften und den Müll in Musik zu verwandeln. Das geschieht dort in Paraguay und geht um die Welt.

Und jetzt schauen wir auf unser eigenes Leben. Auch da ist das möglich. Ja, auch da ist das möglich. Aus dem Müll meines Lebens Musik zu machen. Und anderen zu helfen, wie aus dem Müll Musik werden kann. Der Anfang ist die Bereitschaft, sich nicht vom Müll selbst ersticken und in Müll verwandeln zu lassen, sondern ihn selbst zu verwandeln. Und die Schritte von Favio helfen uns. Und die Zeugnisse der jungen Leute spornen uns an und geben uns Hoffnung, selbst Schritte zur Verwandlung zu gehen.

Und dazu sollen wir bedenken, dass diese Instrumente alle schon da waren in diesem Müllhaufen. Es brauchte nur den Geist und die Augen, das Herz und die Geschicklichkeit, sie zu entdecken und daraus hervorzubringen. Und das gilt auch für den Müll meines Lebens. Gott sieht und hört schon die Musik und die Harmonien, die daraus entstehen können. Versuchen wir auf den Müll zu schauen mit Seinen Augen!

Bitten wir Gottes Geist um die Augen, das Herz und die Geschicklichkeit aus unserem Müll Musik zu machen!

 

Es grüßt Sie herzlich

Thomas Gertler SJ

2. Oktober 2013

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