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Im längsten Gebet der Bibel, dem Psalm 119 steht gegen Ende der Hinweis: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob“. Daraus ist dann die Abfolge von sieben Gebetszeiten am Tage im sogenannten Stundengebet der Kirche geworden. Also siebenmal am Tag: „Moment mal!“ Und ich kann vor Gott alles hinbringen, auch dass mir nichts einfällt und ich verloren bin wie ein verlorenes Schaf. Alles gehört in die Momente mit IHM. Hier der Ausschnitt aus dem Psalm 119. Wenn Sie einen Moment Zeit haben, können Sie auch Ihre Bibel aufschlagen und ihn ganz beten.

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Ps 119,159 Sieh an, wie sehr ich deine Vorschriften liebe; / Herr, in deiner Huld belebe mich!

160 Das Wesen deines Wortes ist Wahrheit, / deine gerechten Urteile haben alle auf ewig Bestand.

161 Fürsten verfolgen mich ohne Grund, / doch mein Herz fürchtet nur dein Wort.

162 Ich freue mich über deine Verheißung / wie einer, der reiche Beute gemacht hat.

163 Ich hasse die Lüge, sie ist mir ein Gräuel, / doch deine Weisung habe ich lieb.

164 Siebenmal am Tag singe ich dein Lob / wegen deiner gerechten Entscheide.

165 Alle, die deine Weisung lieben, empfangen Heil in Fülle; / es trifft sie kein Unheil.

166 Herr, ich hoffe auf deine Hilfe / und befolge deine Gebote.

167 Meine Seele beachtet, was du gebietest, / und liebt es von Herzen.

168 Ich folge deinen Vorschriften und Befehlen; / denn alle meine Wege (liegen offen) vor dir.

169 Herr, zu dir dringe mein Rufen. / Gib mir Einsicht, getreu deinem Wort!

170 Mein Flehen komme vor dein Angesicht. / Reiß mich heraus getreu deiner Verheißung!

171 Meine Lippen sollen überströmen von Lobpreis; / denn du lehrst mich deine Gesetze.

172 Meine Zunge soll deine Verheißung besingen; / denn deine Gebote sind alle gerecht.

173 Deine Hand sei bereit, mir zu helfen; / denn ich habe mir deine Befehle erwählt.

174 Ich sehne mich, Herr, nach deiner Hilfe / und deine Weisung macht mich froh.

175 Lass meine Seele leben, damit sie dich preisen kann. / Deine Entscheidungen mögen mir helfen.

176 Ich bin verirrt wie ein verlorenes Schaf. / Suche deinen Knecht! / Denn deine Gebote habe ich nicht vergessen.

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(c) Lena Scholz - Fotolia.com


Moment mal! 

Manchmal bekomme ich Angst, dass mir nichts mehr für diesen Impuls einfällt. Ich habe ja nun schon mehr als hundertfünfzig Impulse geschrieben. Ich habe sie nicht gezählt. Wiederholt habe ich mich sowieso schon öfter mal. Das halte ich auch gar nicht für schlimm. Aber um schreiben zu können, muss es irgendetwas geben, was mich bewegt und das nicht so privat und persönlich ist, dass es nicht auch jemand anderen interessieren könnte. Aber manchmal fließt es nicht. Windstille. Flaute. Ebbe. Wie immer man es nennen will. 

Soll ich nun daraus – aus dem Nichts – meinen Honig saugen, um etwas für Sie daraus zu machen? Da kann ich ja lange saugen. Und soll ich damit – mit meiner Flaute – Sie, meine verehrten Leserinnen und Leser behelligen? Nein, das bitte nicht. Ich sage mir lieber: „Moment mal!“  

Moment mal. Kurze Unterbrechung. Kleine Pause. Nicht wieder verbeißen. Und wenn es das Nichts ist – das ist ja besonders unergiebig beim Verbeißen. Aus Nichts wird Nichts. Jetzt ergib dich nicht dem Nichts, mein lieber Thomas, sondern unterbrich mal. Und so setze ich mich auf meinen Gebetsstuhl vor mein geliebtes Jesusbild und unterbreche mein Wühlen im Nichts. Ich bete mein Einleitungsgebet. Darin bitte ich seit über vierzig Jahren immer um das Gleiche: dass ich ausgerichtet sein möge auf Gott, auf seinen Dienst, auf sein Lob. Und zwar mit allem, was ich bin. Mit meinen Gedanken, mit meinen Gefühlen, mit meinen Entscheidungen. Mit Leib und Seele, Haut und Haar, ganz und gar. 

Wenn es mir gelingt, das nicht nur auswendig aufzusagen, sondern wenn es mir geschenkt wird, dass ich mich tatsächlich so ausrichten kann, dann geschieht etwas. Und so auch diesmal. Es wandelt sich die Welt. Ich kreise endlich nicht mehr um mich und das Nichts, sondern es geht nun um Jesus und um Alles. Mein Blick geht von mir weg. Und ich sehe mehr als das Nichts. Ich sehe mit einem Mal anders auf die Welt. Auch auf mich und mein Nichts schaue ich anders. Und schon fällt mir vieles ein. Zum Beispiel das „Moment mal“.  

„Moment mal“ heißt unterbrechen, kurze Pause machen. Aber eben nicht nur das. Es heißt vor allem, sich selbst neu ausrichten. Und dadurch dann zur Besinnung kommen. Richtiger gesagt, dadurch umzukehren, um zu steuern, um zu drehen. All das sind eigentlich Ausdrücke für das, was die Bibel Umkehr, Buße, Metanoia, Umdenken nennt. Also „Moment mal“ ist auch so etwas wie Bekehrung.  

Moment mal, heißt für mich auch etwas, das ich beim „Verbeißen“ immer aus dem Auge verliere, nämlich „sich erinnern“, inne werden, besinnen. Ich erinnere mich in diesem Moment an das, was ich ja längst schon weiß, worauf es immer wieder ankommt. Nämlich dass alles immer schon bereit liegt. Es ist alles da und wartet nur. ER ist da und wartet nur. Aber weil ich mich selbst und weil ich Gott und die Welt vergesse und mich so verbeiße, darum vergesse ich das und drehe mich um mich selbst. Wie unser Hund zu Hause und das sehe ich jetzt vor mir: Koko dreht sich wie verrückt im Kreis und beißt sich in seinen Schwanz. Er beißt sich immer mehr Haare davon ab. Er hat schon eine ganz kahle Stelle. Manche Hunde beißen sich gar blutig. So geht es mir, wenn ich nicht inne halte. Wenn ich mir nicht sage: Moment mal. Das „Moment mal“ erinnert mich. 

Es ist so seltsam, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache, immer wieder vergesse, was mir eigentlich gut tut. Das ist vielleicht das größte Rätsel der Menschheit. Tatsächlich das größte Rätsel der Menschheit, dass wir nicht das tun, wovon wir wissen, dass es gut für uns wäre und so notwendig und so rettend. Nein, wir suchen anderswo und machen anderes. Wir denken, es ginge auch einfacher oder es gäbe das Rezept, die Tinktur, die Zauberformel, den einen Trick, durch den dann wie beim HB-Männchen alles wie von selbst geht. Nein, diesen Trick gibt es nicht und „dass alles wie von selbst geht“, ist ein Traum und eine gute Reklame (so gut, dass sie verboten wurde!). Nur „Moment mal“ und „sich ausrichten auf IHN“, das ist so ein Rat und eine Gedächtnisstütze, der ich immer folgen kann. Jetzt haben sie mir geholfen, diesen Impuls zu schreiben und nicht im Nichts zu versacken. 

Und zum Schluss noch eine einmalige Gelegenheit für Sie, liebe Leserinnen und Leser: Sie können mir gern schreiben, wenn Sie ein Thema haben, das Sie schon lange schmerzlich hier vermissen. Allerdings werde ich nicht über die Doktorarbeit von Karl-Theodor schreiben. Nein, es sollte etwas Spirituelles sein. Ein Thema, mit dem Sie im Glauben täglich zu tun haben, mit dem Sie aber nicht so gut fertig werden und über das Sie etwas wissen möchten. Ich werde mich bemühen, alle die Themen Stück für Stück abzuarbeiten. Es kann aber einen Moment dauern. Wenn Sie oben rechts auf dieser Seite das Wort „Kontakt“ anklicken, öffnet sich ein Fenster, von wo Sie dann eine Mail schicken können. 

Ich freue mich auf eventuelle Tipps. Ansonsten viele gute und helle Momente!

23.02.2011 

Thomas Gertler SJ     

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