Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheMit einer Verheißung unterwegs
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Gemeinschaft bilden und Frucht bringen, das sind Attribute die Jesus praktiziert und seinen Nachfolgern ans Herz legt. Einer sage es dem andern. Auf Golgota hat Jesus schließlich im Vertrauen auf den Vater alles auf die eine Karte unserer Erlösung gesetzt:

Grablegung Christi
Michelangelo Caravaggio, ca. 1602-1603

Joh 12,20 - 25

12,20 Auch einige Griechen waren anwesend - sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten. 21 Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen. 22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. 24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. 25 Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

Seitwert


© Foto: Marlies Fricke

Mit einer Verheißung unterwegs

Höchste Zeit, die Zwiebeln und Knollen zu setzen, damit sie im Frühjahr zum Blühen kommen. Das ist jedenfalls meine Hoffnung bei den Tulpen-, Narzissen- und Krokuszwiebeln, die ich letzten Samstag in die Erde gesteckt habe. Man weiß ja nie, ob sie einwachsen, aber ohne Fleiß kein Preis beziehungsweise keine Frühblüher, über die ich mich selber, aber auch die Passanten und meine Nachbarn sich jedes Jahr wieder freuen. Auf die erste Blütenpracht, sobald die Tage wieder länger werden, freue ich mich schon jetzt, während ich in der kühlen Erde wühle. - „Das sieht ja verheißungsvoll aus!“ rief ein Nachbar mir zu.

Eigentlich ist es jedes Mal buchstäblich eine kleine „Be-Erdigung“, ich schaufele ein kleines „Grab“, stecke die Zwiebel hinein und werfe wieder Erde darauf. Irgendwie tun mir die Zwiebeln leid, wenn sie im kalten und feuchten Element verschwinden, aber anders haben sie keine Chance, ihre Kraft zu entwickeln. Sie müssen durch die Dunkelheit hindurchwachsen, um ans Licht zu kommen und schließlich ihre Schönheit zu zeigen. Ob sie es durch den Winter schaffen, weiß ich beim Pflanzen noch nicht. Manche Knolle wird von den Mäusen gefressen, andere sind bereits vertrocknet oder verfaulen in der Erde.

Blumenzwiebeln pflanzen erinnert mich an Situationen im Leben, wo jemand auf Risiko geht oder alles auf eine Karte setzt, in der Hoffnung, dass sich der Einsatz „lohnt“. Bewerbe ich mich auf diese Arbeitsstelle? Möchten wir ein (weiteres) Kind? Riskiere ich diese Therapie oder jene Geldanlage? Traue ich einer neuen Freundschaft oder Liebe? Manchmal braucht es andere Menschen, die zum Wagnis und zum entscheidenden Schritt ermutigen oder sogar dafür bürgen, dass Unvorstellbares möglich wird.

Ich halte ein Samenkorn in der Hand.
Mein einziges Korn.
Sie sagen, ich soll das Korn in die Erde legen.
Ich muss mein Korn schützen,
mein einziges Korn.
Ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, es wächst neues Leben aus dem Korn.
Ich verliere mein Korn, mein einziges Korn.
Ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, ich muss mein Korn riskieren,
mein einziges Korn.
Aber ich habe nie Frühling erlebt.
Mein Geliebter sagt: es gibt Frühling!
Ich lege mein Korn in die Erde.

Verfasser unbekannt

„Es gibt Frühling!“ – zugegeben, dieses Vertrauen kommt uns in den Tagen und Gedenktagen des Novembers und angesichts mancher Weltnachrichten schnell ein wenig abhanden. Zuweilen scheint es immer noch düsterer zu werden. Da tut es gut, wenn bald die erste Adventskerze brennt. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jesaja 9,1).

Das Bild vom Samenkorn, das zugunsten neuen Lebens stirbt, ist von jeher ein Bild für Jesus Christus. Nach der Kreuzigung wurde sein Leichnam begraben. Aus, Ende, alles umsonst, dachten die Jünger, die sich selbst resigniert im Dunkeln verschanzten. Doch mit der Auferstehung Jesu begann etwas ganz Neues; die Apostelgeschichte und die Christengeschichte setzen sich fort bis heute – Risiken, Krisen und Verluste eingeschlossen, aber: mit einer Verheißung unterwegs!

Bei Beerdigungen wird oft gebetet: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen.“ Das ist die tiefste und letztgültige Botschaft des christlichen Glaubens: Unser Leben wird gewandelt, von Gott, vom Tod ins Leben. Wir selber legen nur den vergänglichen Leib in die Erde. Aber Christus hat mit seiner Auferstehung auch uns Auferstehung und ewiges Leben verheißen.

Sich wandeln (lassen) - aber nicht erst im Tod. Tagtäglich dürfen wir in den „Miniaturen des Lebens“ (M. E. Kemper) Ausschau halten nach den kleinen, oft unscheinbaren Möglichkeiten zu Wandlung und Veränderung, noch besser: hin zum „Magis“, dem ignatianischen „Mehr an Liebe“.

Lauschen Sie doch heute einmal auf der Straße, im Büro oder im Gebet, ob Ihnen vielleicht jemand zuruft: „Das sieht ja verheißungsvoll aus!“

Herzlich grüßt Sie
Marlies Fricke (GCL)

16. November 2016

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