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Heute gebe ich Ihnen zwei Schriftstellen. Die erste von Paulus betont die Notwendigkeit des Übens und der Anstrengung im christlichen Lebenslauf. Die zweite aus dem Psalm 127 betont, dass wir uns das Wesentliche schenken lassen müssen. Dabei muss man bedenken, dass auch der Kindersegen als so eine freie Gabe Gottes gesehen wurde, während wir heute die Vorstellung haben, dass wir Kinder „machen“ können. Aber alle, die Eltern geworden sind aus Liebe zueinander und zu ihren Kindern, wissen dass jedes Kind so ein einmaliges wunderbares Geschenk ist.

© Bernd Jürgens - Fotolia.com


1 Kor 9,23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.

24 Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt.

25 Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen.

26 Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt;

27 vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.

Ps 127,1 Wenn nicht der Herr das Haus baut, /müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, / wacht der Wächter umsonst.

2 Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht /und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; / denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.

3 Kinder sind eine Gabe des Herrn, /die Frucht des Leibes ist sein Geschenk.

4 Wie Pfeile in der Hand des Kriegers, /so sind Söhne aus den Jahren der Jugend.

5 Wohl dem Mann, der mit ihnen den Köcher gefüllt hat! / Beim Rechtsstreit mit ihren Feinden scheitern sie nicht.

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© Thomas Gertler


Meisterschaft

Der mächtige Wang schickt dem berühmten Künstler Wu eine Nachricht: „Bitte male mir einen Hahn. Ich komme in einem halben Jahr, um mir das Bild zu holen.“

Nach sechs Monaten kommt der mächtige Wang mit großem Gefolge zum kleinen Haus des berühmten Malers Wu.

Er tritt in seine Stube. Auf der Staffelei steht ein Bild mit einem Kakadu. Der mächtige Wang fragt den Meister Wu: „Wo ist mein Hahn?“„Ach ja, der Hahn!“, antwortet dieser. Er nimmt das Bild von der Staffelei und stellt ein leeres Blatt darauf. Er nimmt Tusche und Pinsel und wirft einen Hahn auf das leere Blatt. Meisterlich steht der Hahn da. So lebendig, so typisch, so echt, so stolz und genau getroffen. Wang ist einen Augenblick still. Dann aber sagt er: „Der Hahn ist gut getroffen, aber dafür zahle ich Dir nur den Lohn für eine Stunde und das ist großzügig, denn Du hast ja nur gut 10 Minuten daran gearbeitet.“

Da bittet Meister Wu den mächtigen Wang heraus und führt ihn in eine große Scheune. Dort sieht der mächtige Wang Bilder über Bilder. Alle zeigen einen Hahn.

Diese Geschichte habe ich einmal irgendwo gelesen. Schön, nicht wahr? Also um kein Missverstehen aufkommen zu lassen: schön und wahr.

Meisterschaft sieht so leicht aus. Sie ist aber schwer. Sehr schwer. Der mächtige Wang versteht es erst mal nicht. Denn es sieht ja so leicht aus – fast wie Zufall – das Zeichnen des Hahns.

Meisterschaft braucht eines als erstes: üben, üben, üben. Täglich üben. Immer dabei bleiben. Bis es so leicht geht, wie bei Meister Wu. Im Nu.

Aber dann hatte Meister Wu den Hahn fast vergessen. Nachdem er ihn ganz innerlich verstanden und in sich aufgenommen hatte, konnte er ihn jederzeit zeichnen. Jetzt übt Wu den Kakadu. Wenn er weiter nur den Hahn gezeichnet hätte, wäre er zur bloßen Masche geworden. Immer nur Hähne, bis ich gähne. Er verliert das Einmalige. Das ganz Augenblickliche. Das Frische.

Aber Meisterschaft braucht noch einen Tick mehr. Das eine ist das Üben und das zweitens das Weitergehen im Üben, nicht nur beim Hahn bleiben. Und es braucht noch etwas mehr. Das ist das entscheidende Mehr. Das Mehr, das auch der Meister nicht durch Üben hinbekommt. Das Mehr, das seit dem Klassizismus und der Romantik „Genie“ heißt. Das man aber lieber „Gnade“ nennen sollte. Das, was auch der Meister Wu als Geschenk empfindet und erfährt. Das, was aus dem Hahn ein Meisterwerk macht. Und das kommt von Gott. Das ist nicht zu machen. Da kannst du machen, was du willst. Aber es wird nur der Anstrengung und Mühe des Übens gewährt. Aber es ist nicht durch Üben zu erzwingen. Und das merkt der Meister und der dankt dafür. Es ist geschenkt. Dieses meist gar nicht benennbare Mehr. Das blitzt im Meisterwerk auf.

Mehr schreibe ich jetzt nicht. Ich überlasse es Ihnen und Ihrer Meditationszeit, Ihrem Üben im Beten und im Leben des Glaubens, welche Konsequenzen Sie ziehen und wie Sie Ihre Erfahrungen mit Ihrem Üben und Ihrem Leben da mit hineinziehen. Sicher haben Sie das Mehr auch schon mal geschenkt bekommen!

Werden Sie Meister und Meisterin. Und lassen Sie sich das Mehr schenken!
Thomas Gertler SJ

8. Mai 2013

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