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Als Bibeltext soll hier nicht die Geschichte vom Paradies (Gen 2) stehen, sondern die schöne Verheißung im Propheten Ezechiel, wie von Gottes Tempel das Wasser ausgeht und die ganze Welt wieder zu einem Garten macht.

© Lymantria, Wikimedia Commons

Ez 47,1-12

47,1 Dann führte er (der Mann Gottes) mich zum Eingang des Tempels zurück und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser hervorströmte und nach Osten floss; denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten. Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar. 2 Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen. Und ich sah das Wasser an der Südseite hervorrieseln. 3Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand, maß tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis an die Knöchel. 4 Dann maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis zu den Knien. Darauf maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich hindurchgehen; das Wasser ging mir bis an die Hüften. 5 Und er maß noch einmal tausend Ellen ab. Da war es ein Fluss, den ich nicht mehr durchschreiten konnte; denn das Wasser war tief, ein Wasser, durch das man schwimmen musste, ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte. 6 Dann fragte er mich: Hast du es gesehen, Menschensohn? Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang. 7 Als ich zurückging, sah ich an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume. 8 Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund. 9 Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden (die Fluten) gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben. 10 Von En-Gedi bis En-Eglajim werden Fischer am Ufer des Meeres stehen und ihre Netze zum Trocknen ausbreiten. Alle Arten von Fischen wird es geben, so zahlreich wie die Fische im großen Meer. 12 An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn das Wasser des Flusses kommt aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.

 

 

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© Foto: Thomas Gertler


Mein Garten - mein Leben

Haben Sie einen Garten? Wir hatten einen. Sogar einen recht großen rings um unser Haus. Mein Vater liebte es, darin zu graben und zu hacken und den Rasen zu mähen. Alles hilfreiche Tätigkeiten für seine sonst meist sitzende oder stehende Arbeit im Krankenhaus. Diese Arbeit im Garten war aber nicht nur Ausgleichssport, nein, es ist so tröstlich, wenn etwas wächst und man ernten kann. Erdbeeren, Johannesbeeren, Kirschen, Pfirsiche – die wurden allerdings meist nicht richtig was, weil es einfach zu kalt ist im Eichsfeld.

Später dann war es meine Mutter, die unseren Garten hegte, pflegte und liebte. Und das hängt innerlich zusammen: Hegen, pflegen, lieben. Liebe wurde schon in die Pflege hineingesteckt. Fruchtbarkeit kommt zurück. Dankbarkeit und Staunen und Liebe stellen sich beim Gärtner ein. Denn das, was nun durch mein Hegen und Pflegen wächst und gedeiht, schafft eine besondere innere Verbindung zu den Pflanzen, zum Gerten. Wie die Blumen sich entfalten, bedeutet dann eigentlich: wie meine Blumen aufblühen. Oder wie die meine Früchte reifen. Mein Werk und doch immer wieder ein Wunder. Ganz alltäglich und doch so erstaunlich. Und dieses Wunder verbindet mich auch mit Gott und Seinem Tun. Ich kann dann auf der Terrasse sitzen und genießen, betrachten, meditieren. Den Garten anschauen, die Vögel beobachten, den Himmel, vielleicht sogar ein Eichhörnchen oder mal eine Spitzmaus. Oder wie gestern einen abendlichen Igel.

Als Kind war für mich der Garten vor allem zum Spielen da. Ich zog mit meinen Spielsachen auf den Sandplatz, wo wir Federball spielten. Das war meine Wüste, in der ich mit den Indianern kämpfte. Oder ich ging in den Steingarten. Das waren meine Berge und Steilwände, die erstiegen wurden. Oder in den Sandkasten. Das war quasi das Zuhause. Die Pflanzen, das Wachsen und Gedeihen habe ich damals kaum wahrgenommen und bewundert.

Das ist eher etwas, wenn man älter ist. Wie bei mir die Freude an der Schönheit und Harmonie der Natur auch erst entstand, als ich langsam erwachsen wurde. Wachsen, Gedeihen und Frucht bringen sind die Wunderwerke für uns in dem Alter, im dem man selbst Vater oder Mutter wird. Das ist dann das Alter für den richtigen Gärtner und die Gärtnerin. (Ach, übrigens hängt mein Name Gertler nicht mit dem Garten zusammen, wie viele denken und manchmal auch schreiben, nämlich "Gärtler". Und er hat auch nichts zu tun mit der schlanken Gerte, nein, er kommt von Gürtler, also vom Gürtelmacher.)

Der Garten ist also ganz verschieden je nach Lebensalter. Und natürlich auch nach Jahreszeit. Immer ist anderes zu tun. Manchmal mühsam und anstrengend. Manchmal voll Freude und Lust. Pflanzen und säen voller Erwartung, Hoffnung und Spannung. Lust und Freude bei der Ernte. Aber zwischendurch Mühe und Sorge und harte Arbeit beim Hacken und Jäten, beim Umkraut zupfen und Schnecken sammeln. Und dann immer die Frage: Muss ich heute noch gießen oder wird es endlich mal wieder regnen? Oder umgekehrt: Wann hört der Regen endlich auf? Die armen Rosen können gar nicht richtig aufblühen oder alle die schönen Kirschen werden platzen.

Der Garten hat von Anfang an auch etwas mit Gott zu tun. In der Bibel legt Gott selbst den Garten des Paradieses an für den Menschen. Er ist der große Gärtner. Er möchte, dass der Mensch in diesem Garten wohnt, Nahrung findet und glücklich ist. Er soll wie Gott selbst Pflanzen und Tiere hegen und pflegen und lieben. Sie wissen selbst, dass diese erste Gartengeschichte gründlich schief gegangen ist (vgl. Gen 2 und 3).

Aber die Sehnsucht nach dem Paradiesgarten bleibt. Und sie wohnt in jedem von uns. Und wie sehr haben Malerei, Gartenkunst und auch Literatur
(Paradise Lost heißt eines der berühmtesten Werke der englischen Literatur) dem nachgeträumt und ihn nachgestaltet. Der Paradiesgarten bleibt das Bild für das versöhnte Dasein. Für den Frieden mit Gott, mit dem Nächsten, mit sich selbst, mit der Natur. Gottesliebe, Nächstenliebe und Annahme seiner selbst oder Selbstliebe reichen nicht. Es muss diese Liebe zur Welt, zur Natur, zur Erde mit dabei sein, sonst leben wir kein vollständig versöhntes Dasein.

 

Meditieren Sie einmal IHREN Garten; IHR Paradies. Das möge Ihnen Frieden und Versöhnung bringen.

 

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

13. Oktober 2013

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