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Jesus hat auch meditiert wie der Mohn, sonst hätte er nicht so viele treffende Gleichnisse aus der Natur gefunden und gebraucht. Und in diesem Evangelium, das uns Lukas berichtet, dürfen Sie statt der Lilien getrost den Mohn einsetzen.

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Lk 12,22 - 32

12,22 Und er sagte zu seinen Jüngern: Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. 23 Das Leben ist wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung. 24 Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keinen Speicher und keine Scheune; denn Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! 25 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 26 Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt, warum macht ihr euch dann Sorgen um all das übrige? 27 Seht euch die Lilien an: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 28 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! 29 Darum fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und ängstigt euch nicht! 30 Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß, dass ihr das braucht. 31 Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben. 32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.

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Meditieren wie eine Mohnblume

Erst haben wir meditiert wie ein Berg, jetzt wie eine Blume, eine Mohnblume. So eine Mohnblume ist ja etwas ganz Zartes und Zerbrechliches. Sie hat so ganz seidenpapierartige und empfindliche Blütenblätter. So einen dünnen Stängel. Und ist doch so leuchtend und kräftig in ihrem Rot. Wie soll ich von ihr das Meditieren lernen?

Das Erste ist: Der Mohn richtet sich wie fast jede Blume nach der Sonne aus. Und das ist das, was ich von den Blumen und vom Mohn für die Meditation lernen kann und lernen soll. Sich Ausrichten auf Gott. Der Mohn streckt sich nach der Sonne und ich soll mich auf Gott ausrichten. Der Mohn tut das automatisch und von selbst. Ich leider nicht. Darum soll ich mit zweierlei beginnen. Zum einen bevor ich mit dem Meditieren beginne, soll ich mir bewusst machen, was ich jetzt tun will, mich nämlich in Gottes Gegenwart begeben, und mich dann erst niedersetzen. Zum Anderen soll ich dann ausdrücklich darum bitten, dass Gott mich auf sich ausrichtet. Dass alle meine Gedanken, alles, was sich in mir nun in der Meditationszeit ereignet auf Gott hin gerichtet ist und ausgerichtet wird. Das kann ich gar nicht von allein. Dass muss mir Gott schenken.

Und ein Zweites lerne vom Mohn, dass ich mich nicht nur ausrichte, sondern dass ich mich zugleich aufrichte. Es ist ja erstaunlich wie dünn und doch fest und relativ gerade der Stängel ist. Und dasselbe soll ich auch beim Sitzen tun. Nicht stocksteif wie ein Lineal, sondern so wie mein Rückgrat und mein Nacken in ihrer natürlichen Haltung gebaut sind, und das ist so ein leichtes „S“. Der Hals auch nicht einfach steil nach oben gereckt, sondern ganz leicht nach vorn geneigt. So ein Mohnstängel ist gar kein schlechtes Bild dafür.

Und ein Drittes lerne ich von dieser zarten Pflanze. Das ist gerade diese Zartheit und Schwachheit. Ich lerne von ihr Sensibilität und Empfindsamkeit – nicht Empfindlichkeit. Denn empfindlich wie eine Mimose ist der Mohn nicht. Fast keine andere Pflanze hat so dünne Blütenblätter. Gerade sie haben ihr den Namen Klatschmohn eingetragen. Sie werden von Wind bewegt und klatschen aneinander. Aber dann kehren sie doch wieder in die Ausgangsposition zurück. Sie sind dünner und weicher als Seidenpapier und doch lebendig und kräftig und kehren immer wieder zurück.

Wer meditiert, der wird empfindsamer. Ich höre mehr. Ich fühle mehr. Ich empfinde stärker. Mit den Gefühlen geht es gerade am Anfang des Weges heftiger auf und ab, als ich es bisher kannte. Und ich werde mir mehr meiner eigenen Schwachheit bewusst. Wer meditiert, merkt, wie leicht er/sie ablenkbar ist, aber auch wie erstaunlich stark und widerstandsfähig ich sein kann und wie ich immer wieder zurückkehren kann in die Ausrichtung. So wie der Mohn trotz Wind immer wieder zurückkehrt in die ursprüngliche Stellung.

Und ein Viertes lehrt mich der Mohn. Das hat mit dem Dritten zu tun und ist nur eine Folgerung daraus. Das ist die Endlichkeit und Zerbrechlichkeit. Unser Leben überhaupt und auch unser Leben mit Gott ist zerbrechlich und gefährdet. So eine Mohnblume lebt nicht sehr lange. Und wie sehr sie ihren Ort und ihren Boden braucht, merkt man, wenn man sie pflückt. In kürzester Zeit verliert sie ihre Blütenblätter und stirbt. Sie gehört zu den Blumen des Feldes, von denen die Psalmen, aber auch Jesus sagen, dass sie heute blühen und morgen vergehen und dann ins Feuer geworfen werden. Und auch wir sind so. Der Mensch ist wie Gras, so vergänglich. Und das spüren wir oft und schmerzlich, bei uns selbst und bei uns so lieben Menschen. Und dessen werden wir uns auch bewusster durch die Meditation. Meditieren wie der Mohn heißt bewahrt werden vom Größenwahn. Heißt sich seiner Größe und seiner Schwäche bewusster werden. Heißt dann auch unsere menschliche Eigenart, unserer „condition humaine“ bewusster werden und sie auch akzeptieren. Ja, dankbar sein.

Mit seiner leuchtend roten Farbe ist der Mohn auch Symbol der Liebe. Auch sie wächst und vertieft sich durch das Meditieren.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

15. Oktober 2014

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