Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheMeditieren wie ein Berg
DeutschEnglishFrancais

Hier nun drei verschiedene Bibelstellen zu Aussagen, die im Impuls vorkommen. Zuerst das Thema Beharrlichkeit. Dableiben wie ein Berg. Allezeit beten, nicht nur in der ausdrücklichen Gebetszeit. Und Jesus selbst, der lange auf dem Berg betet vor der wichtigen Entscheidung, wen er als Apostel wählen soll.

© Foto: Jacek Rogiewicz

Römer 12,12

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

1. Thessalonicher 5,16–18

Seid allezeit fröhlich,
betet ohne Unterlass,
seid dankbar in allen Dingen;
denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

Lukas 6,12 und 13

Es begab sich aber zu der Zeit, dass er [Jesus Christus] auf einen Berg stieg, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte…

Seitwert Free counter and web stats
© Foto: Tamerlan


Meditieren wie ein Berg

Kennen Sie das Herzensgebet oder das Jesusgebet? Es ist eine Form der Meditation. Ziel ist es, ganz mit Gott verbunden zu leben. Nicht nur während der ausdrücklichen Zeiten des Gebetes oder der Meditation sondern andauernd. Tag und Nacht, im Wachen und sogar im Schlafen.

Das ist doch nicht möglich! Doch es ist möglich. Und das geht genau mit diesem Gebet, dem Herzens- oder Jesusgebet. Das berühmteste Buch darüber sind die „Aufrichtigen Erzählungen eines russischen Pilgers“. Diese Form des Gebet geht letztlich auf die Gebetstradition des Berges Athos zurück, wo sie schon seit dem 12. Jahrhundert gepflegt wird. Ähnliche Weisen zu beten gibt es auch in anderen Religionen. Und das ist zu wenig bekannt, auch in der christlichen Tradition.

Mir ist nun ein Text in die Hände gefallen, in dem über einen jungen Mann erzählt wird, der auf den Berg Athos kommt und dort das Gebet lernen will. Er wird unterrichtet vom Starez (das ist ein Titel und heißt „der Alte“) Seraphim. Und dabei muss er zuerst von der Natur und dann von wesentlichen Gestalten der Bibel lernen. Und ich werde hier an dieser Stelle immer mal wieder mit meinen eigenen Worten diese Stufen oder Abschnitte auf dem Gebetsweg vorstellen. Heute ist der Berg dran. Meditieren wie ein Berg.

Ja, das ist das Erste. Meditieren wie ein Berg. Stellen Sie sich einen Berg vor. Es muss nicht der Mount Everest sein. Es kann schon einfach ein Berg in Ihrer Umgebung sein, den Sie kennen. Sie sollen nun nicht den Berg meditieren, sondern Sie sollen meditieren wie ein Berg. Was heißt das? Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie Ruhe haben und wo Sie selbst gut sitzen können. Stuhlfläche waagerecht und so, dass Oberschenkel und Unterschenkel einen 90°-Winkel bilden können. Womöglich brauchen Sie dafür eine Decke auf den Stuhl oder unter die Füße, je nach dem. Und den Rücken gerade halten, aber nicht stocksteif, sondern so dass Sie ohne anzulehnen, sitzen können und die Wirbel so aufeinander ruhen, dass sie das berühmte leichte S bilden. Kopf so, als ob Sie am Scheitel ein seidenes Haar nach oben zieht. Füße beckenbreit nebeneinander. Hände auf den Schenkeln oder ineinander gelegt im Schoß.

Und jetzt vor allem still sitzen. Wie ein Berg. Der wankt und wackelt nicht. Der bleibt da. Und bleibt und bleibt. Jedes Einatmen richtet mich in Richtung des Seidenfadens auf. Jedes Ausatmen senkt mich fester und tiefer in den Sitz. Es ist ja immer Bewegung da durch den Atem. Aber nicht Zusammensinken und nicht gewaltsam aufrecken. Sondern ruhig bleiben. Da bleiben wie ein Berg. Stille. Ruhe. Festigkeit. Verlässlichkeit.

Das ist das Erste. Das ruhig halten lernen. Nicht die Nase kratzen oder das Ohr oder den Kopf. Die Hände bleiben liegen. Unerträglich. Ich muss doch kratzen! Nein, das muss ich nicht. Das Jucken geht vorbei. Gleich ist es weg. Da – als sei gar nichts gewesen.

Und das Jucken der Gedanken. Alle die Impulse, die mich durchziehen. Wie eine Herde Rehe, die durch den Wald des Berges jagen. Oder gar wie eine Rotte Wildschweine. Das muss doch aber gleich noch gemacht werden. Dringend. Sofort. Ich will aufspringen. Nein, ich folge meinem Impuls nicht. Lass die Rehe fort springen und die Schweine durchs Unterholz brechen. Gleich sind sie weg. Lass sie ziehen. Sei wie der Berg. Und tatsächlich, es kehrt wieder Ruhe ein.

Ja, die Ruhe dringt langsam, ganz langsam in mich ein. Ruhe wird allmählich zum Frieden. Ich kann ihn berühren. Er berührt mich. Meditieren wie ein Berg.

Meditieren wie ein Berg heißt einfach da sein. Nichts tun oder leisten. Sein. Dasein. Präsent sein, aber ohne selber aktiv zu werden. Sein. Einfach sein. Es geht. Der Atem kommt und geht von selbst. Das Rückgrat trägt. Der Stuhl trägt. Die Erde trägt. Gott trägt alles. Ich muss nichts tun. Einfach sein. Wie ein Berg. Wunderbar. Und das lange. Über eine Woche jeden Tag eine Stunde. Berg sein.

Dass Sie sich getragen fühlen und da sein können wie ein Berg, wünsche ich Ihnen!

Thomas Gertler SJ

17. Sept. 2014

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!