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Das größte Liebesgedicht im Alten Testament ist das Hohelied. Es ist zunächst einfach ein Liebesgedicht. Es ist aber schon in den Zeiten des Alten Testamentes auf die Liebe Gottes zu seinem Volk und auf die Sehnsucht Israels nach seinem Gott hin verstanden und ausgelegt worden. Wir können es jetzt auch so lesen und da ist dann dieses Gespräch zwischen den Liebenden auch als eine Form des Gebets und der Antwort Gottes an die Betenden zu verstehen.

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Hohelied 2,10 - 14

2,10 Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!
11 Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen.
12 Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land.
13 Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!
14 Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht.

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Meditieren wie der Vogel singt

Wir setzen unsere Reihe über das Meditieren fort. Meditieren wie ein Berg, wie die Mohnblume, wie das Meer und jetzt wie ein Vogel. Der Starez Seraphim führt uns nun von den Wellen des Meeres fort in eine Zelle, über der ein Taubenpaar nistet. Die Tauben fliegen ein und aus. Vor allem sie gurren. Sie gurren den lieben langen Tag. Zum Glück meditiere ich nicht im Taubenschlag, denn da geht es ja zu wie im Taubenschlag, sondern in der Zelle darunter. Darin ist es still. Aber das Gurren ist doch, wenn auch nicht direkt am Ohr die ganze Zeit zu hören. Nervenaufreibend!

Was will mir denn der Starez jetzt beibringen? Dass ich trotz Gurren und trotz Geräuschen meditieren kann und in die Stille finde? Das kann ich ganz gut, wenn ich mir sage: „Ja da über mir da ist das Gurren, aber da in meinem Raum und in mir sind Ruhe und Frieden und Stille.“ Da fließt mein Atem wie die Wellen des Ozeans. Da bin ich ausgerichtet auf Gott wie die Mohnblume auf die Sonne. Da bin ich fest und ruhig wie ein Berg, der da in Stille steht, auch wenn die Affen auf ihm herumspringen. Ja, ich kann auch das Gurren, dieses Liebesgeflüster der beiden Tauben, aushalten und trotzdem meditieren, trotzdem in die Ruhe und in den Atem finden. Ja, das kann ich inzwischen.

Aber der Starez will mir etwas anders zeigen und beibringen. Das Wort Meditation oder meditieren ist die lateinische Übersetzung des griechischen Wortes meletan und das wieder die Übersetzung des hebräischen Wortes haga. Und haga bedeutet beim Menschen so viel wie leise vor sich hin sprechen oder murmeln. Bei den Tauben ist damit das Gurren (Jes 38,14), beim Bär das Brummen gemeint. Aha – daher also, lieber Starez die Tauben! Welch Glück, dass Du mich nicht im Bärenkäfig meditieren ließest!

Bis heute murmeln ja die jüdischen Frommen die Worte der Heiligen Schrift vor sich hin und wippen oft dabei vor und zurück. Oder die Mönche beten die Psalmen wenn nicht laut, dann doch gemurmelt. Das ist also der Ursprung des Meditierens in der Bibel. Das griechische Wort hat dazu noch die Bedeutung; hegen, pflegen, liebevoll im Herzen tragen. Die lateinische „meditatio“ kommt ursprünglich eher aus dem Militärischen und hat da auch das Exerzieren und das Üben im Hinterkopf. All das schwingt mit beim Wort Meditation.

Und das soll ich von den Tauben und ihrem Gurren lernen: nicht nur auf den Atem achten, sondern lernen beim Atmen auch das Jesus-Gebet zu sprechen. Das „Herr, erbarme Dich meiner!“, griechisch: „kyrie eleison“. Und zwar einen Teil beim Ausatmen, einen Teil beim Einatmen. Beim Pater Franz Jalics in seinem „Kontemplative Exerzitien“ habe ich gelernt und auch jahrelang geübt: beim Ausatmen beginnen mit dem Wort Jesus oder Jesus Christus oder Herr, je nachdem was besser geht. Beim Einatmen dann „erbarme dich“ oder „erbarme dich meiner“ oder „erbarme dich unser“. Inzwischen bin ich aber so frei jedem zu raten, die Weise herauszufinden, in der es ihm oder ihr am besten geht. Mit dem Ausatmen zu beginnen oder mit dem Einatmen…

Dieses Gurren des Namens Jesus oder des Kyrie eleison führt mit der Zeit zum Herzensgebet, also zum Beten ohne Unterlass. Es geht ins Unterbewusstsein über. Ich merke es gar nicht mehr, nur ab und zu tritt es mir ins Bewusstsein. Das führt zu einer intensiven Verbindung mit Jesus. Darüber habe ich nun auch schon oft geschrieben. Aber hier noch einige andere schöne Weisen zu meditieren, wie der Vogel singt.

Früher, als ich noch öfter lange Strecken allein mit dem Auto fuhr, habe ich dabei laut Kirchenlieder gesungen oder auch auf modernere rhythmische Melodien selbst gemachte Texte: „Herr, ich möchte glauben können, ganz so wie Du… hoffen können … lieben können ganz so wie du.“ Oder etwas Ahnliches. Jetzt bei meinen Exerzitien bin ich jeden Tag auch einmal in den Wald gegangen und da passt sich dann das Gebet dem Schrittrhythmus an und kann bei mir auch ganz unterschiedlich im Text sein. Zum Beispiel: „Du bist da, halleluja.“ „Du bist da, ha-le-lu-ja.“ Seien Sie kreativ! Es gibt so viele Singvögel und so viele Melodien. Finden Sie Ihre Weisen und Ihre guten Gelegenheiten und das können viele verschiedene sein. Singen ist so gut und heilsam! Oder singen und gurren Sie auch nur Ihre eine Weise und die immer und immer wieder.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

14. Januar 2015

 

Und hier als Zugabe noch ein Witz. Ein Benediktinermönch sitzt im Zug und betet leise vor sich hin sein Stundengebet. Mit im Abteil sitzt eine junge Mutter mit kleinem Kind. Höschen nass. Sie wechselt die Windel. Nach 15 Minuten wieder. Dann sogar zum dritten Mal Der fromme Mann sagt: „Ach das arme Kind, hat sicher eine Verkühlung!“ „Nein!“, sagt die Mutter, „aber wenn Sie immerzu psch, psch, psch machen, dann macht‘s mein Kleiner eben auch…“ Also Vorsicht!

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