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Hier diese anschauliche Szene bei den Eichen von Mamre, wie sie uns das Buch Genesis im 18. Kapitel schildert. Das Lachen von Sara bezieht sich auch auf den Namen ihres künftigen Sohnes Isaak. Der Name bedeutet nämlich „Gott lacht“ oder „Gott lächelt“, was ja noch schöner ist.

Abrahamseiche von Mamre
© Foto: Copper Kettle - CC BY-SA 2.0

Gen 18,1 - 15

18,1Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. 2 Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder 3 und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! 4 Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen. 5 Ich will einen Bissen Brot holen und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast. 6 Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an und backe Brotfladen! 7 Er lief weiter zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete. 8 Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen. 9 Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. 10 Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter seinem Rücken zu. 11 Abraham und Sara waren schon alt; sie waren in die Jahre gekommen. Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt. 12 Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann! 13 Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? 14 Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben. 15 Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst. Er aber sagte: Doch, du hast gelacht.

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Andrej Rublëv - Heilige Dreifaltigkeit, um 1400.


Meditieren mit Abraham (2)

Mit Abraham haben wir gelernt, dass der tiefste Grund von allem das göttliche Du ist, das mich anschaut und ruft. Ich bete mit der ganzen Natur, mit dem Blau des Himmels, dem Blau des Meeres, dem Braun der Erde und den Farben der Blumen. Ich singe mit dem Vogel und springe mit dem Reh. In allem ausgerichtet auf das Du Gottes, das mich anruft in allen Dingen und mich lehrt, diesem Du zu folgen – ganz und gar. Abraham verlässt alles und verlässt sich auf Gott hin. Das ist das Erste, was wir von Abraham gelernt haben.

Wer von Gott angeschaut und angerufen wird, der lernt umgekehrt nicht nur mit dem eigenen Auge sondern mit Gottes liebendem Auge alles zu sehen und allem mit Freundlichkeit, Offenheit und Barmherzigkeit zu begegnen. Denn im Schauen auf sein Antlitz Gottes werden wir verwandelt in Sein Bild. Durch Sein Schauen lernen wir zu schauen. Das lehrt uns die wunderbare Geschichte von der Begegnung Abrahams mit seinen Gästen. Das lehrt uns die Gastfreundschaft Abrahams.

Gastfreundschaft ist ein Grundgesetz des Orients, ist ein Grundgesetz der Nomaden. Abraham ist Nomade und lebt mit Sara im Zelt. Nomaden sind immer wieder angewiesen auf Aufnahme und Gastfreundschaft. Und sie selbst freuen sich, wenn ein Gast zu ihnen kommt und sie ihn aufnehmen und verwöhnen können. In der Mittagshitze döst Abraham am Zelteingang, da kommen drei Gestalten auf ihn zu. Sofort ist er hellwach und läuft ihnen entgegen, begrüßt sie ehrfürchtig und läuft weiter, um für sie eine „kleine Stärkung“ bereiten zu lassen. Eine kleine Stärkung bedeutet in diesem Fall ungefähr vierzig Kilo Mehl für Brotfladen und ein ganzes Kalb, zart und prächtig. Orientalische Übertreibung und Freude am Gast. Es ist Abraham eine Freude, so großzügig zu sein. Er ist glücklich, so sehr dem Gesetz der Gastfreundschaft folgen zu können. Wie viel Freude habe ich an Gästen? Wie steht es um die Gastfreundschaft bei uns? Bei uns in Deutschland? Auch in unseren Gottesdiensten, auch in den Pfarrhäusern, auch in den Gemeinden? Werden Fremde wahrgenommen? Werden sie willkommen geheißen? Aufgenommen? Wir ihnen eine kleine Stärkung zuteil – und sei es nur eine seelische Stärkung?

Gastfreundschaft ist die Oberfläche, tiefer aber – und das ist die Kunst der Meditation Abrahams –, weiß er, dass im Gast auch Gott selbst zu ihm kommt. Der Gast ist heilig. Wer dem Hungrigen zu essen gibt, der tut es Jesus selbst. So sagt es uns Jesus im Matthäus-Evangelium: „Das habt ihr mir getan.“ Im Gast Gott selbst aufzunehmen und zu dienen, das ist die Weise des Meditierens, die wir als Zweites von Abraham lernen können. In allen Dingen und allen Geschöpfen dem Du Gottes begegnen, vor allem im Mitmenschen. Im bedürftigen Mitmenschen. Im heimatlosen Nomaden. Im vertriebenen Flüchtling. Im elternlosen Kind. Im Suchenden und auch im seelisch Obdachlosen.

Das berühmteste Bild dieser Szene der Gastfreundschaft unter den Eichen von Mamre ist die Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow, entstanden um 1411. Sie steht über unserem Text. Abraham ist gar nicht darauf zu sehen, nur die drei Gäste. In der christlichen Deutung des Geschehens ist es der dreieine Gott selbst, der zu Besuch kommt. Die drei Gäste sitzen um den Tisch in tiefer meditativer Ruhe, die auf uns übergeht, wenn wir es lange und betend anschauen. Und die drei Gäste selbst meditieren nicht allein die Botschaft, dass Abraham und Sara übers Jahr ein Kind bekommen werden, sondern viel weiter und umfassender dass unter Abrahams und Saras Nachkommenschaft ein ganz besonderes Kind sein wird, nämlich Jesus, der Sohn Abrahams und Sohn Gottes ist. Und der, derjenige sein wird, der sich für uns alle dahingibt. Und so zeichnet sich in dem Bild Rubljows auch schon das Gastmahl der Eucharistie ab, das diese Hingabe aus Liebe feiert.

Abraham und Sara sind auf dem Bild nicht zu sehen. Stellen wir uns vor, wir sehen wie Abraham und Sara diese drei Gäste vor uns sitzen. Meditieren wir mir Abraham und schauen wir auf diese drei Gäste, schauen wir lange, schauen wir tief. Lassen wir uns mit hineinziehen in den Frieden und in Gottes Ratschluss der Menschwerdung.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

29. April 2015

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