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Der geschichtlich wirksamste Text über die Verehrung Gottes sind die zehn Gebote, und zwar der erste Teil davon. Die sogenannte erste Tafel des Mose. Zwar sind die zehn Gebote heute vielfach als die Werte anerkannt, ohne die ein menschenwürdiges Zusammenleben nicht möglich ist. Dabei denkt man aber immer einzig und allein an die sogenannte zweite Tafel, die die Gebote dem Nächsten gegenüber enthält: das Verbot von Mord, Ehebruch, Diebstahl, Meineid usw. Dass auch die erste Tafel damit zu tun hat, das ist heute nicht im Bewusstsein. Hören wir einmal wieder die sogenannte erste Tafel.

Jekuthiel Sofer - Wikimedia Commons

Ex 20,1 Dann sprach Gott alle diese Worte:

2 Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

3 Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

4 Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

5 Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation;

6 bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

7 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

8 Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!

9 Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.

10 Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.

11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.

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Mal ganz was Anderes

Das schwebt mir schon lange vor. Mal ganz was Anderes. Sonst geht es in meinem Impuls immer um ein Problem oder eine Erfahrung aus unserem ganz normalen Alltag und dann komme ich auf den Glauben und was er dazu sagt. Mal ganz was Anderes heißt für mich ein Thema, das höchstens indirekt in unserem Leben noch vorkommt. Das ist die Ehre Gottes und damit verbunden die Verehrung Gottes. Mal ganz was Anderes, stimmt‘s?

Wenn mein Vater durch unsere fromme Heimatstadt Heiligenstadt ging und kam an einem Kreuz vorbei, dann zog er den Hut. Immer.

Eine Bekannte schrieb mir aus Irland, dass sie täglich mit dem Bus zur Arbeit fährt. Der Bus fährt immer an einem Friedhof vorüber. In dem Moment schlagen alle Leute im Bus das Kreuzzeichen, und das obwohl es gerade mit der Kirche seit vielen Skandalen in diesem Land steil bergab geht.

Ich erinnere mich an eine Kirche, die ich in Polen besucht habe. Der Gekreuzigte in dieser Kirche hatte blutrote Füße. Ich kam näher und sah, es war nicht aufgemalt, sondern es war Lippenstift von den vielen Frauen, die diese Füße geküsst haben. Grenzwertig. Bei uns unvorstellbar?

Zurzeit gibt es eine Debatte in Deutschland um die Beschneidung von kleinen jüdischen und moslemischen Jungen. Sie werden davon gelesen haben. Und damit verbunden um die Frage nach der Religionsfreiheit. Unversehrtheit des Körpers gegen den Anspruch der Religion. Für die Gläubigen auch eine Frage nach der Verehrung Gottes. Denn die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Mensch seit Abrahams Zeiten (Genesis 17). Oder zeigt gerade die Beschneidung, wie wenig die Religion noch in unsere Zeit passt? Etwas ganz Anderes. Etwas Fremdes. Etwas Archaisches. Zugleich sehe ich überall Tätowierungen und Piercings. Das hat nichts miteinander zu tun! Oder doch? Leibhaftig will der Mensch sich ausdrücken. Und tut es auch. Und wie sehr dürfen Eltern das auch ihren Kindern gegenüber tun?

Es soll hier nicht ausdrücklich um die Beschneidung gehen. Das ist ein zu komplexes Thema, um es an dieser Stelle gerecht behandeln zu können. Und es gibt viel Vernünftiges und viel hoch Emotionales, was dazu geschrieben wird. Aber dass es mit der Ehre Gottes und der Verehrung Gottes zu tun hätte, das habe ich noch nicht gelesen. Wer traut sich, so etwas zu sagen? Aber das steht im Hintergrund. Oder?

Ebenso – nicht ganz so breit – wird derzeit über Blasphemie (Gotteslästerung) diskutiert, weil der Dichter Martin Mosebach darüber einen Artikel verfasst hat. Auch auf diese Debatte will ich nicht eingehen. Aber ich möchte daraus einen Abschnitt zitieren, der mir in die Glieder gefahren ist.

„Von Jean Jacques Rousseau wird überliefert, er habe sich eines Tages in einer Runde blasphemisch spottender Libertins befunden und habe die Herren mit folgenden Worten zum Schweigen gebracht: ‚Wenn es schon niederträchtig ist, zu schweigen, wenn über abwesende Freunde schlecht gesprochen wird, um wie viel schäbiger ist es, zu schweigen, wenn das über Gott geschieht, der doch anwesend ist.‘“

Ist das der entscheidende Punkt bei allem? Ob Gott anwesend ist in unserem Leben oder nicht. Nicht nur sonntags, sondern JETZT. Ob Gott lebt oder tot ist? Ob es einen höchsten Maßstab gibt oder nicht? Ob es etwas oder einen gibt, der oder das größer und wichtiger ist als ich selbst? Und ob ich das anerkenne und bekenne, und zwar nicht nur völlig privat und für mich allein? Ob ich über alles lästern und spotten und höhnen darf oder nicht? Was ist mir heilig?

Mich bewegt diese Frage auch deshalb, weil unser Ordensgründer Ignatius von Loyola so sehr davon bewegt war. Ihm ging es immer und immer wieder um die Ehre und Verehrung Gottes. Das war der entscheidende Maßstab für sein Tun und Lassen. Das war erst seit seiner Bekehrung so, vorher – so schreibt er in seiner Autobiographie – war er erfüllt „mit einem großen und eitlem Verlangen, Ehre zu gewinnen.“ Ehre für sich selbst natürlich – ein echt stolzer Spanier eben. Aber er erlebt die Umwertung aller dieser Werte. Und nun heißt es für ihn „Alles zur größeren Ehre Gottes – omnia ad maiorem dei gloriam“. Das ist nun wirklich etwas ganz Anderes.

Bewegt Sie etwas an diesem Thema? Oder bleibt es fremd und seltsam – die Ehre und die Verehrung Gottes. Immerhin ist Ignatius am 31. Juli 1556 gestorben. Das ist lange her.

25. Juli 2012

Es grüßt Sie herzlich und feiert gern den hl. Ignatius
Thomas Gertler SJ

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