Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der Woche„Madonna della Strada – Maria am Wege“
DeutschEnglishFrancais

NEU - der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!

Den Lobgesang des greisen Simeon beten wir jeden Abend im letzten Gebet des Tages, in der sogenannten Komplet. Und das soll ich jeden Tag im Blick auf die vergangenen Stunden und das bisherige Leben sagen und beten können: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Selbst dann, wenn meine Seele ein Schwert durchbohrt hat. Ohne diesen Schmerz der Liebe kein Heil.

 

25 In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.

26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. 

27 Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, 

28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: 

29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. 

30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, /

31 das du vor allen Völkern bereitet hast, 

32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel. 

33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. 

34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. 

35 Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. 

36 Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 

37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.

38 In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm.  

Seitwert Free counter and web stats
Quelle: Wikimedia Commons (Tetraktys)


„Madonna della Strada – Maria am Wege“ 

Der Tag, am dem ich vor ein paar Jahren in die katholische Kirche aufgenommen wurde, fiel mit dem Gedenktag des Jesuitenordens „Unsere liebe Frau vom Wege“, am 25. Mai, zusammen. Aus diesem Anlass schenkte mir ein Jesuitenpater das Bild der „Madonna della Strada“. 

Damals wusste ich noch nicht, was dieses Bild für den Orden bedeutet. Was mich aber erstaunte, war, dass mich dieses Bild der Mutter Maria vom ersten Augenblick an faszinierte. Ich hatte bis dahin schon unzählige berühmte und weniger berühmte Marienbilder gesehen, aber keines davon hatte mein Herz jemals berührt. Um so mehr überraschte mich, dass mich die Maria in „Madonna della Strada“ vom ersten Augenblick an anzog. Ich sah sie ganz, ganz lange an und konzentrierte mich auf ihr Gesicht. So lange, dass ich dabei einen kleinen Schmerz in meinem Inneren verspürte.

Ihre in die Ferne schweifenden, gedankenverlorenen Augen, ihre gerade feine Nase, ihr zierlicher Mund, ihr schmaler langer, ein wenig nach hinten geneigter Hals, ihre Jugendlichkeit, Frische, ihre scheu und verschämt anmutenden schönen Wangen. Diesen zurückhaltenden Gesichtsausdruck konnte ich nicht genug ansehen und auf mich wirken lassen. Sie drang in mein Inneres oder umgekehrt: Ich drang in ihr Inneres. 

Wer ist diese von einem hauchdünnen Schleier der Melancholie umgebene Frau? Auf ihrem Arm sitzt im Gegensatz zu ihrer nachdenklich stillen Haltung ganz majestätisch das Kind Jesus.  

Ich sehe hier eine junge Frau, die eines Tages auf eine den Ruf gefährdende Weise schwanger wurde (Mt 1,18f). Der Evangelist Lukas ließ sie dieses Wagnis und diese Gefahr tapfer und demütig mit den Worten annehmen, „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38). 

War sie von der Nachricht, dass sie ein Kind erwartet, nicht entsetzt, und war sie nicht mit Fragen konfrontiert, auf die sie keine Antwort erhielt? „Warum geschieht so etwas ausgerechnet mir?“ „Was bedeutet dies alles?“ Hatte die Nachricht sie nicht viele Tränen gekostet, vielleicht so viele, dass, wäre man ihr begegnet, sie den Eindruck gemacht hätte, als wäre sie von ihren Tränen ausgewaschen worden - ich kenne eine solche Frau - Ging sie nicht auch deshalb eilend zu Elisabeth (Lk 2,39), um vor den Gerüchten der Bewohner Nazareth zu fliehen und bei ihr Trost zu finden?  

Ich sehe hier eine junge Frau, in deren Mund der Evangelist Lukas jenes schöne Lied, „Magnifikat anima mea Dominum“ (Lk 2,46f.), legte, sodass die Nachwelt, wie auch sie, selbst diesen  Lobgesang lieb gewinnen konnte. Aber bis ihr Schmerz und ihr Leid in das Lob Gottes gewandelt wurden, wie viele Tage und Nächte musste diese junge Frau durchstehen?

Ich sehe hier eine junge Frau, die gerade Mutter geworden ist und die wundersamen Worte von Hirten hörte, die vom Feld zu ihr eilten. Sie aber reagierte darauf nicht vorschnell. „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2,19). Wie lange aber dauerte es, bis sie all das Unverständliche verstand? Hat sie jemals zu Lebzeiten eine Antwort gefunden? Oder musste sie nicht, wie wir, geduldig in der Hoffnung ausharren, bis sie „von Angesicht zu Angesicht“ (1Kor 13,12) vor Gott stand und von Ihm auf alle unbeantworteten Fragen Antworten bekam und ihre Tränen endgültig von Ihm getrocknet wurden (Offb 21,4)? 

Ich sehe hier eine junge Mutter mit ihrem Baby im Tempel, die die Worte von Simeon hören musste: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Lk 2,35). Und ich sehe schließlich eine alternde Mutter, die ihren Sohn am Kreuz sterben sah (Jo 19, 25), sodass sich die Worte von Simeon bewahrheiteten.

Karl Rahner schrieb zu den Worten Simeons: vom „Glaubensschicksal dieser Mutter [sagen sie] ein doppelt Eines aus:  daß dieses letzte Ereignis der Glaubensgeschichte, das ihr Kind ist, ein Zeichen des Widerspruchs ist, das zum Fallen und zum Aufstehen bringen kann, und daß ein solches Geschehen unweigerlich wie ein zweischneidiges Schwert die Mitte ihrer Existenz, ihres Herzens und somit jedes Glaubenden durchdingt ... Der Glaube ist das Aushalten dieses Schwertes, die Weigerung also, vorschnell an Versöhntheit zu denken, die Bereitschaft, in der Tiefe mit dem Konflikt in Hoffnung zu leben, der in die Zerrissenheit und Unintegrierbarkeit unseres Daseins hinabreicht, bis zu dem Punkt also, in dem der Mensch nur noch eines kann, verzweifeln oder sich bedingungslos jener geheimnisvollen Einheit und Versöhnung anzuvertrauen, die wir Gott nennen. Der Glaube ist vieles: Friede, Freiheit, Vertrauen, Freude und vieles mehr.  Aber er ist auch dieses: das Aushalten des Schwertes inmitten unseres Daseins.  Dieses Schwert des Zwiespaltes im ganzen Leben trifft jeden.  Ob er will oder nicht. ... Glaube ist es, wenn wir den Stoß des Schwertes in unser Dasein annehmen: das Schwert der Frage, die keine Antwort mehr findet, das Schwert, daß alles Leben in seinem Schmerz im Tode endet, das Schwert, daß nicht einmal die Liebe in diesem Leben alle Widersprüche auflöst, ... das Schwert der Abschiede, der Enttäuschungen, des Altwerdens, der Torheiten, die wir selbst begehen ... All diese siebenfachen Schwerter durchdringen unser Dasein“ (aus dem Buch „Das große Kirchenjahr“). 

Maria in „Madonna della Strada“ ruft in mir all dies vorgenannten Worte und Szenen in der Schrift sowie die Worte Rahners wach. 

Als ich vor zwei Jahren in Rom war, hatte ich einen Wunsch: Das Bild im Original zu sehen. Ich habe es gefunden. Es hängt in der Kirche Il Gesù. Aber in einer ein wenig geänderten Darstellung. Auf dem Haupt von Maria ist nicht mehr die mit Edelsteinen besetzte Krone zu sehen. Sie ist nicht mehr mit dem vornehmen dunklen türkisblauen Gewand gekleidet. Das Bild wurde restauriert und in den Originalzustand gesetzt (siehe das Bild in der rechten Spalte oben). Ohne viele Ornamente ist Maria nun schlichter in Erscheinung getreten. Ihr Gewand und die Farbe des Gewandes sind einfach. Ihre Gestalt ist zierlicher geworden. Die Prächtigkeit verschwand. Ihr Wesen mit ihrem Leid und Schmerz, ja sie selbst, rückte in den Vordergrund. 

Sie ist noch mehr Bild der Frau am Wegesrand, Bild jeder glaubenden und liebenden Frau, Bild jedes gläubigen und liebenden Menschen geworden. 

Es grüßt Sie herzlich

Naoko Okumichi

25. Mai 2011

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!