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Der entscheidende Augenblick im Leben des Paulus war seine Bekehrung und Berufung, das Evangelium den Heiden zu bringen (Gal 1,15-19; Apg 9,1-18). Und seitdem war er hellwach und aktiv und hat alles getan, um dem Ruf gerecht zu werden. Und hier im 1. Korintherbrief braucht er wie oben das Bild vom Sport, um klar zu machen, dass es Übung, Training braucht, und zwar heftig, um entscheidenden Moment ganz da und wach zu sein und den Sieg zu erringen. Und Paulus ist ganz frei für alle und froh trotz oder besser gerade aus all der Anstrengung und Entschiedenheit. Allen wird er alles, weil Gott alles für ihn ist.

Mosaik des Paulus in der Sophienkathedrale in Kiew

1 Kor 9,16 - 27

1 Kor 9,16 Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! 17 Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. 18 Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. 19 Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen.

20Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe, einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen. 21 Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser - nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi -, um die Gesetzlosen zu gewinnen. 22 Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. 23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. 24 Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. 25 Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. 26 Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; 27 vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.

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© Foto: Thomas Gertler


Live

Ja, wie lange das ist schon wieder vorbei – das entscheidende Tor von Mario Götze? Gefühlt ein halbes Jahr, in Wirklichkeit gerade mal zweieinhalb Wochen. Haben Sie es auch gesehen am 13. Juli? Na, klar! Sonntagnacht in der 113. Minute des Endspiels. Welch eine Erlösung war das! Und es passierte so schnell. In Sekundenbruchteilen. Ball vor die Brust und runter auf den Fuß und abgeschossen. Tooooooooooor!!! Erst in der Wiederholung konnte man es richtig sehen.

Das ist schon großartig, wenn man live dabei sein kann. Wenn man mit fiebert mit so vielen Tausenden, nein, mit Millionen, die das Spiel verfolgen. Sogar der Papst und die Schweizer Garde sollen Schweiz gegen Argentinien geschaut haben – war aber leider nicht so, wie Ihnen ein Klick auf diese Zeile zeigt. Aber toll fand ich das Bild schon – und es ist auch ein echtes Bild, kein zusammengeschnittenes, nur eben eine andere Gelegenheit, bei der Franziskus und seine Garde zusammen saßen.

Live dabei sein. In Echtzeit. Wirklich dabei gewesen sein. Das ist eben toll. Ist noch anders als nur vor dem Fernseher. Das größte geschichtliche Ereignis, bei dem ich live dabei war, war der Besuch von Willi Brandt in Erfurt im Jahr 1970. Da stand ich trotz Ausgangssperre für Schüler, Studenten, Arbeiter und Angestellte als junger Theologiestudent eingekeilt zwischen vielen, vielen Hausfrauen und alten Damen mit Handtaschen und Schirmen und ab und zu Stasileuten mit Einkaufsbeuteln trugen, in denen das Walkie-Talkie war. Und eingekeilt zwischen großen Limousinen russischen Typs, abgestellt, um die Straße zu sperren. Über den leeren Bahnhofsvorplatz ging der Fernsehreporter Gerd Ruge, den alle vom Westfernsehen kannten und wir stießen uns an: „Da guck mal, Gerd Ruge.“ Live! Ganz live. Und plötzlich drückte die Masse los und die Absperrungen hielten nicht, die Autos wurden einfach weggeschoben, ein großes Straßenschild schwankte hin und her und dann waren wir durch und auf dem Platz und schrien: „Willi, Willi!“ (das konnte zuerst einmal beide meinen: Willi Brandt und Willi Stoph), dann nur noch „Willi Brandt ans Fenster“. Und dann kam er tatsächlich ans Fenster. Und heute heißt dieser Platz Willi-Brandt-Platz.

Live dabei sein. Aber eben nicht nur bei den Zuschauern, sondern mitspielen. Mit drücken, mit rufen, mit machen. Und am besten so präsent sein, so geistesgegenwärtig sein wie Mario Götze. Da sein. Total wach sein. Und so schnell den Ball annehmen und abschießen. Das braucht natürlich einiges. Das braucht jahrelanges Üben. Der Reporter hat auch gesagt, wo er diese Art von Ballannahme und Torschuss gelernt hat. Ich habe es schon wieder vergessen.

Und Achtung, liebe Leserinnen und Leser, jetzt kommt die spirituelle Anwendung des WM-Tores, also mein Schuss (hoffentlich geht er rein!): ganz da sein, ganz wach sein, geistesgegenwärtig sein, geübt sein, um im richtigen Moment genau das Richtige zu tun. Das ist eben nicht nur im Fußball wichtig, wichtiger noch ist es im richtigen Leben: live dabei sein, nicht nur zuschauen und jubeln, besser selber handeln und das Rechte treffen.

Geistesgegenwart kann geübt werden. Muss geübt werden. Wachheit für den richtigen Moment. Die Bibel nennt diesen Moment „Kairos“. Das ist die alles entscheidende Gelegenheit. Wie diese 113. Minute. Jesus spricht oft davon, von der erfüllten Zeit, von der einmaligen Gelegenheit (Mk 1,15f; Mt 13,44).

Gab es einen solchen Moment schon in ihrem Leben? Und haben sie ihn verpasst oder haben Sie getroffen? Wir feiern am 31. Juli den heiligen Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens. In seinem Leben gab es mehrere solche Momente. Einer der wichtigen war, als er auf seinem langen, langweiligen Krankenlager nach einer Kriegsverwundung gewissermaßen wach wurde und bemerkte, dass er von manchen Träumereien über seine Zukunft froh wurde und von anderen traurig. Und dann entschieden der Freude folgte. Sie ist der Kompass zu Gott. So wurde er einer der wichtigen Erneuerer der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert. Und mit den Exerzitien oder geistlichen Übungen hat er uns ein Mittel geschenkt, wie auch wir wach werden aus den Träumereien, das Leben live leben, der Freude folgen und so Gott und das Richtige treffen.

Das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Thomas Gertler SJ

30.Juli 2014

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