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Zuflucht finden, festen Stand haben, zur Ruhe kommen, das sind tiefe Bedürfnisse des Menschen. Der Psalmist sang davon buchstäblich ein Lied. Das Kreuz Christi als Heilszeichen kannte er noch nicht, aber unsere Nöte schon:

© Foto: unsplash.com - CC0

Psalm 62,1-9

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe. Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken. Wie lange rennt ihr an gegen einen Einzigen, stürmt alle heran wie gegen eine fallende Wand, wie gegen eine Mauer, die einstürzt? Ja, sie planen, ihn von seiner Höhe zu stürzen; Lügen ist ihre Lust. Sie segnen mit ihrem Mund, doch in ihrem Herzen fluchen sie. Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung. Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht. Vertrau ihm, Volk (Gottes), zu jeder Zeit! Schüttet euer Herz vor ihm aus! Denn Gott ist unsere Zuflucht.

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Romanisches Kreuz (12. Jh.) St. Kolumba, Köln.
© Foto: Raimond Spekking - CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)


Kreuz-Zeichen

Nach fünfstündiger Autofahrt kamen wir etwas verfrüht vor Kursbeginn im Tagungshaus an. „Ich gehe auf mein Zimmer“, sagte mein Kollege, „… mich noch etwas unter’s Kreuz legen.“ - Sich unter’s Kreuz legen? Natürlich weiß ich, dass in kirchlichen Bildungshäusern in den Gästezimmern ein Kreuz hängt, oft über dem Bett. Aber diese Redewendung hatte ich noch nie gehört. Mein Kollege sagte das so, wie wenn jemand sagt: „Ich lasse mir noch etwas den Nacken massieren“ oder „Ich genieße noch etwas die Sonne“, jedenfalls: „Ich gönne mir noch etwas Gutes.“

Hängt in Ihrer Wohnung ein Kreuz? Schauen Sie manchmal in Schaufenstern oder Prospekten, welches Kreuz zu Ihnen „passen“ würde? Ich habe länger gebraucht, um „meine“ Kreuze für meine Wohnung zu finden. Da ist das geerbte Holzkreuz mit Bronzekorpus aus der Küche meiner Kindheit. Und es gibt ein modernes aus Keramik und Glas, das ich mir in einem Klosterladen gekauft habe.

Kreuze oder Kruzifixe können eine ganz individuelle Bedeutung für einen Menschen haben, etwa durch den Glaubensweg, den jemand gegangen ist. Oder durch eine bestimmte Bibelstelle oder Lebenserfahrung, in der er Jesus Christus begegnet ist. Der Gekreuzigte kann ihm z.B. nahe sein als der Zugewandte mit liebevollem Blick; als der Verwundete mit der Dornenkrone; als der Auffahrende, der das Menschenherz aus dem Dunkeln zieht; als der Sorgende, mit geöffneten Armen die Welt umfangend; ja, manchmal sogar als der Lächelnde, der zutiefst um den Sieg des Lebens weiß.

Manchem ist ein besonders farbenfrohes Glaskreuz wichtig geworden, weil es Licht, Transparenz und Energie ausstrahlt. Moderne Holz- und Metallkombinationen deuten Tod und Auferstehung Christi oft abstrahiert an. Einmal sah ich eine Jugendgruppe, die auf einem Pilgerweg ein schlichtes Birkenkreuz mittrug, bei dem einfach zwei Äste mit einem Strick zusammen gebunden waren.

Es lohnt sich, einmal die Kreuzesdarstellungen im persönlichen Umfeld näher anzusehen: Wand- oder Stehkreuze , Kreuzanhänger oder -anstecker, Festhalte-Kreuze (s. Update-Seele-Impuls vom 5.3.14), Kirchturm- oder Wegkreuze usw. Jedes Kreuz, ob alt oder modern, jedes Kreuz, das Menschen persönlich besitzen oder zum Innehalten und Beten aufsuchen, könnte wohl (s)eine Geschichte erzählen und ist auf seine Weise Glaubenszeichen.

Das Kreuz geht sogar bis in unsere „Leib“-Sprache hinein. „Ich hab’s im Kreuz“, sagte gestern mein Nachbar, nachdem er seinen Garten winterfest gemacht hatte und seinen Rücken nun schmerzlich spürte. Ja, am Ende unserer Wirbelsäule, mittig zwischen den Beckenhälften, befindet sich das Kreuzbein (lat.: os sacrum). Dieser „heilige Knochen“ ist unverzichtbar für unsere aufrechte Haltung; er ermöglicht uns vertikal und horizontal - wie ein Kreuz - körperlichen Halt und aufrechten Stand.

Ebenfalls leibhaftig ist das Ritual des Kreuzzeichens, bei dem wir mit den Fingerspitzen zuerst die Stirn und dann die Brust berühren und anschließend die Finger von der linken zur rechten Schulter führen. Wenn wir vor dem Zeichnen des Kreuzes unsere Fingerspitzen in Weihwasser tauchen, etwa beim Betreten einer katholischen Kirche, erinnert diese Geste an die Taufe, bei der wir „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ sozusagen eingetaucht werden in die Liebe Gottes.

„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“, so lautet ein alter Ruf der Kirche. Ist das nicht ermutigend? Heil(ung), Leben, Hoffnung! Schauen Sie doch einmal aufmerksam hin, welche Kreuze sich in Ihrem Haushalt befinden. Oder vielleicht bekommen Sie Lust, sich nach einem (neuen) Kreuz auf die Suche zu begeben? Und dann probieren Sie es einmal, sich bewusst unter „Ihr“ Kreuz zu stellen, zu setzen oder zu legen, so als würden Sie Ihre Seele in die Sonne halten.

Herzlich grüßt Sie
Marlies Fricke

22. Oktober 2014

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