Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheKnapp, sehr knapp
DeutschEnglishFrancais

Hier die Versuchungsgeschichte Jesu. Darin versucht der Böse, Jesus zu einer solchen ausdrücklichen Versuchung Gottes zu verleiten. Aber Jesus widersteht:

Mt 4,1-11

Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. 2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. 3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel 6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, / dich auf ihren Händen zu tragen, / damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen 11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.

Versuchung Christi / St. Alban Psalter, Hildesheim


Diese Versuchung wiederholt sich dann am Kreuz. „Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! Auch die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn“ (Mt 27,39ff).

Seitwert Free counter and web stats
© Foto: André Zehetbauer via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0


Knapp, sehr knapp

Wenn ich morgen mittags mit dem Aufsatz anfange, reicht es auch noch. Im Prinzip weiß ich ja, was ich schreiben will. Das geht schon noch, dass ich heute einen Ausflug nach München mache. Ich kann ja unterwegs im Zug schon ein bisschen überlegen und Notizen machen.

Eigentlich hätte ich mir vor einem Jahr den Termin zur der Krebsvorsorge holen sollen. Aber jetzt kommt es auf den Tag auch nicht mehr an. Ich ruf morgen an.

Die Ausstellung mit Paul Klee hier in Augsburg geht doch noch bis zum Ende des Monats? Dann kann ich auch noch am Mittwoch gehen. Am Mittwoch komme ich dann hin zum Glaspalast und erfahre, dass sie doch schon zu Ende ist. Schade, wirklich schade. Ich hätte doch vorher nachschauen sollen!

Jetzt muss ich aber endlich zum Zug, sonst fährt er mir noch vor der Nase weg. Und sobald ich aus dem Haus bin, fällt mir ein, dass ich die Fahrkarte auf dem Tisch hab liegen lassen. O Nein! Ich habe den Zug dann doch noch erwischt, aber brauchte erst mal zwanzig Minuten, bis ich wieder normal atmen konnte und der Schweiß nicht mehr aus allen Poren brach.

Immer knapp. Gefährlich knapp. Und manchmal geht es auch prompt schief. Verpasst. Schade. Schlimm! Aber meistens geht es doch gut. Und dann bin ich stolz und froh. So oft bringe ich mich unglaublich unter Druck durch dieses Zögern, Abwarten und, ja, was und? Baue ich da etwa bewusst solche Spannung auf? Brauche ich diesen Nervenkitzel? Ist es eine Art Spiel?

Zwar ist es eine Veranlagung von mir, dass ich immer meine, es ist noch Zeit. Und weil ich denke, es ist noch Zeit, komme ich oft in Schwierigkeiten. Aber ich kann es auch anders. Es muss nicht so knapp sein. Nein. Ich kann pünktlich sein. Und meist bin ich es auch. Aber warum dann immer wieder so knapp, äußerst knapp? Also, es stimmt schon. Da ist so ein spielerisches Element dabei. Ein bisschen Risiko! Liebe ich das Risiko? Bist du ein Hasardeur, Thomas, eine Spielernatur? Nein, so würde ich es nicht bezeichnen. Denn so überaus mutig und herausfordernd empfinde ich mich nicht.

Es ist etwas anderes. Es ist eine Versuchung. Man könnte sagen, ich fordere das Schicksal heraus. Aber mir ist einmal klar geworden, dass es damit nicht genau genug gesagt ist. „Schicksal“ ist ja nur verhüllende Rede für Gottes Weltregierung. Es ist also ehrlicherweise eine Versuchung Gottes. Ich versuche Gott, ob er es gut gehen lässt. Ob er es fügt. Ob er es gelingen lässt – trotzdem. Obwohl es eben auch schief gehen könnte. Noch deutlicher und unverschämter gesagt. Ob Gott mich noch liebt. Ob er mir dieses Minütchen noch schenkt. Ob er den Zug für mich anhält. Ob er die Welt für mich anhält. Das ist übertrieben. Oder im Grunde doch nicht? Ist da kindlicher – jugendlicher – ausgewachsener Größenwahn dahinter? Würde ich sonst so froh und stolz sein, dass es noch mal, wieder mal gut gegangen ist? Da spüre ich mich doch geliebt und getragen und da hat es doch Gott für mich getan. Macht Sie das jetzt wütend? Ja, es ist wirklich unverschämt.

Ich fürchte, diese Versuchung Gottes (nicht ganz so hart „des Schicksals“) ist viel häufiger, als wir uns gewöhnlich eingestehen oder als wir gewöhnlich wahrnehmen. Schauen Sie einmal auf Ihre eigenen „Grenzgänge“. Auf die Verhaltensweisen, die so etwas Ähnliches haben. Alles, was so in Süchte umkippen kann. Wo Sie sich fragen, warum mache ich das immer wieder. Zu schnell fahren. Zu wenig schlafen. Zu lange am Computer spielen. Meinen Mann ein bisschen aufziehen, nur ein bisschen, bis knapp vor die Knallgrenze? Nicht widerstehen können, meine Frau mit ihrem Schuhfimmel zu ärgern, bis es kurz vor dem Krach ist.

Ich habe auch manchmal den Eindruck, dass wir nicht nur als einzelne, sonder auch als Gesellschaft solche Versuchungen leben. Bis knapp an die Grenze und darüber hinausgehen - mit unseren Schulden, mit extremen Formen des Wirtschaftens und Konsumierens. Ihnen fällt sicher auch etwas ein. Sind das alles Versuchungen, wie lange es gut geht? Versuchungen, ob Gott uns noch liebt und den Zug und die Welt für uns anhält? Können wir, kann ich so weiter machen?

Die Fastenzeit ist dazu da, auch einmal über so etwas nachzudenken.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

9. April 2014

Werden Sie Fan von update-seele bei facebook - Diskutieren Sie und tauschen Sie sich aus!

Der Wochenimpuls als Newsletter. Jeden Mittwoch. Pünktlich. Kostenlos. In Ihr Email-Postfach. Gleich HIER abonnieren!