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So hören wir also bei Lukas das erste Weihnachtslied, das himmlisch und vom Chor der Engel gesungen wird, auch wenn da steht, dass das himmlische Heer „sprach“. Dieses Sprechen ist immer schon als himmlischer Klang und himmlisches Lied verstanden worden:

Lk 2,8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14 Ehre sei Gott in der Höhe /
und auf Erden ist Friede /
bei den Menschen seiner Gnade.

15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

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Kinderbild und Kinderklang

Vier Bilder für Kinder, die ich 1994 gemalt habe. Die Mutter, für deren vier Kinder die Bilder damals zu Weihnachten bestimmt waren, hat sie mir abfotografiert und geschickt. Damals so ganz naiv für die vier gemalt, dachte ich mir, kann ich damit jetzt, 17 Jahre später, vielen anderen damit eine Freude machen. Dank so vieler neuer technischer Möglichkeiten.

Viermal wird dem Kind in der Krippe Musik vorgespielt. Vom Hirten mit der Flöte und dem Jungen mit der Mundharmonika, vom Engel mit der Trompete und von einem der drei Könige mit der Harfe. Jeder mit seinem Instrument. Jeder ganz auf seine Weise. Und das Jesuskind lächelt. Meine Schwester, die Kinderärztin ist, singt immer mit den Kindern, die zu ihr kommen. Das tut so gut. Musik ist so etwas Wichtiges. Sie verwandelt uns. Sie versetzt uns in eine andere Stimmung. Sie versetzt uns oft in andere Zeiten. Ja, sie verändert uns körperlich.

Und kaum je im Jahr wird so viel Musik gemacht, so viel gesungen, werden so viele Konzerte gegeben und besucht, singen so viele Chöre wie zur Advents- und Weihnachtszeit. Und das hängt unmittelbar damit zusammen, dass damals der Chor der Engel auf dem Feld den Anfang gemacht hat mit seinem Gloria.  Und dieses Singen geht weiter. Es steckt an. Seitdem wird zu Weihnachten und davor viel gesungen.

Wir haben in meiner Kindheit jeden Adventsonntag in der Familie zusammen gesessen. Wir Kinder haben auf die Kerzen des Adventskranzes geschaut und Tannennadeln in die Flamme gehalten. Meine Mutter hat eine Geschichte vorgelesen und mein Vater hat seine Klampfe hervorgeholt und wir haben gesungen. „Leise rieselt der Schnee…“ Haben Sie früher auch gesungen? Und heute? Singen Sie noch? Vor vierzehn Tagen haben wir am zweiten Adventssonntag einmal wieder viel und lange Adventslieder gesungen. Schön. Richtig schön und lösend. Es fällt viel von einem ab, wenn man einmal länger singt. Singen, kräftig singen, verändert uns – wie gesagt körperlich.

Es gibt eine Theorie, dass der Grundbaustein der Welt nicht das Atom oder das noch kleinere Higgs-Boson, also das kleinste Teilchen sei,  sondern das Innerste der Welt der Klang sei, also eine Welle. Das hat Joachim-Ernst Berendt so geschrieben in seinem Buch: „Die Welt ist Klang“. Und dafür gibt er viele naturwissenschaftliche und geschichtliche Hinweise. Und es ist wirklich ein faszinierender Gedanke und er ist sehr, sehr alt. Schon Pythagoras war auf der Suche nach der Sphärenharmonie und Sphärenmelodie, da er als großer Mathematiker erkannt hatte, dass alle musikalischen Verhältnisse auch mathematische Verhältnisse seien und die auf ihren Bahnen kreisenden Fixsterne und Planeten eigentlich eine Symphonie erzeugen müssen, die wir Menschen nur deshalb nicht hören könnten, weil sie immer erklingt, so wie wir nach einer Weile das Ticken einer Uhr nicht mehr hören. Und der große Astronom Kepler war genauso wie Pythagoras eigentlich auf der Suche nach diesem Klang, als der die Kreisbahnen der Planeten um die Sonne entdeckte.

Und wenn wir das ganze einmal im Glauben anschauen, dann bekommt diese Frage nach der Musik zu Weihnachten noch einmal eine tiefere Bedeutung. Wonach wir suchen in unserem Leben ist unser Klang, unsere Melodie. Ist meine eigentliche Lebensmelodie. Aber das nicht für uns allein. Wir möchten ja diese Melodie jemandem vorspielen. So wie auf den vier Bildern. Es geht um Einklang. Es geht Symphonie. Es geht um Harmonie. Wir sind wie Pythagoras und Kepler und auf seine Weise Berendt auf der Suche nach dem Klang des Ganzen. Nicht nach dem Gottesteilchen, sondern nach der Gottesmelodie. Ist Gott womöglich derjenige, der den Ton vorgibt, so dass ich dann einstimmen kann in die Symphonie von allem mit meiner ganz einmaligen Melodie, meinem ganz einmaligen Instrument – im Einklang mit allem. Darf man singen und sagen: „Ich glaub an einen Gott, der singt“?

Kommt die Suche nach der Lebensmelodie letztlich von Gott selbst her, der ein Stück davon in uns eingegeben hat, so wie die Einmaligkeit meines Fingerabdrucks oder meiner Augen oder meiner DNA? Und ich soll diese von Gott begonnene Melodie fortsetzen?

Und ein letzter Gedanke. Sie dürfen sich auch einmal vorstellen, dass Sie dort in der Krippe liegen als Kind. Und dass Ihnen Musik gemacht wird. Dass Sie göttliche Musik hören so ganz für sich und glücklich lächeln. Denn wie heißt es so schön: „Stille Nacht – o wie lacht.“ 

Und ich höre mal wieder die Jazz-Version von Rudolph, dem rotnasigen Rentier und dann habe ich wieder richtig gute Laune. So leicht geht das bei mir. Denn bei mir muss damals so etwas Jazz-Artiges erklungen sein… Und ich habe festgestellt, dass meine Stimme und mein Singen im Laufe der Jahre immer besser geworden sind. Will mir das etwas sagen?

Und jetzt Ihnen allen von Herzen gesegnete und frohe Weihnachten! Und nicht vergessen, immer mal eine Lücke lassen – beim Essen und beim Feiern und beim Arbeiten.

21.12.2011

Ihr Thomas Gertler SJ

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