Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheKein Bock - auf gar nichts
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Eine Quelle des Unglücks liegt darin, dass wir das angenehme Leben, mit dem glücklichen und sinnvollen Leben verwechseln. Wer nur ein angenehmes Leben will, wird meist sehr unzufrieden, weil es eben eher das Gegenteil eines glücklichen Lebens ist. Der reiche Kornbauer im Evangelium ist so ein Typ. Er verwendet all seinen Reichtum, der ihm geschenkt wurde, nur für sich selbst. Er hätte ihn weiterschenken und damit andere glücklich machen sollen, dann wäre er es auch selbst geworden. So blieb sein Leben sinnlos.

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13 Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.

14 Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?

15 Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.

16 Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.

17 Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.

18 Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.

19 Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!

20 Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?

21 So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

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Kein Bock – auf gar nichts 

Völlig lustlos bin ich oft in den Ferien oder wenn ich gerade nichts tun muss. Und je länger ich mich der Unlust überlasse, umso größer wird sie. Und sie greift dann auf mich selbst über. Ich kann mich in meiner Trägheit und Antriebslosigkeit selbst nicht leiden. Ich weiß aber auch nicht, wie ich da raus finde. Denn allmählich verwandelt sich die Trägheit in eine Grundeinstellung: „Es ist doch alles Schei…“ Es gibt nichts, wofür es sich lohnt, vom Sofa hoch zu kommen. Denn selbst wenn ich mich für irgendwas engagiere, am Ende geht doch alles zu Ende und landet im Nichts. Und darum tue ich jetzt auch nichts. Und sitze traurig da und werde immer trauriger wie die Saurier.  

Es muss nicht immer so ideologisch werden. Aber diese Anfälle von Trägheit und Unlust kennt jede/r. Und auch diese Phase des immer trauriger Werdens. Um vom Sofa hoch zu kommen, muss etwas da sein, das mich bewegt. Ein Motiv. Eine Idee. Eine Sehnsucht. Ein Traum. Lust auf etwas oder eben Bock. Es ist kein Wunder, dass für die Motivation in der Jugendsprache meist Worte aus dem weiten Feld des Sex genommen werden. „Bock“ und „geil“ sind da besonders beliebt. Das scheint immer noch das zu sein, was vordergründig am schnellsten motiviert. Oder doch Fußball? Oder stehe ich vom Sessel auf, weil kein Bier mehr da ist? Diese drei Motive sind nicht letztlich sinnerfüllend, höchstens Zeitvertreib. Warum?  

Es gibt eine ganze Industrie, die den Menschen dieses Gefühl der Langeweile zu vertreiben sucht. Die Freizeitindustrie, wozu dann auch Fußball, Alkohol und Erotik (um mal das feinere Wort zu nehmen) gehören, lebt von der Schwierigkeit der Menschen, sich selbst sinnvolle Ziele zu stecken, es gut mich sich selbst auszuhalten und seine freie Zeit gut gebrauchen zu können. Diese Industrie hilft dann, mich zu motivieren, mich zu bewegen, Lust zu haben. Aber Sie wissen, dass es nichts letztlich Sinnerfüllendes ist. Nachher stellt sich das Gefühl der Langeweile und Lustlosigkeit wieder ein. 

Heute werden ja auch Kirche und Religion zu diesem Freizeitbereich gerechnet. Und freilich kann es auch so ein bloßer Zeitvertreib sein, am Sonntag in den Gottesdienst zu gehen. Das haben wir immer so gemacht. Und die anderen machen es auch so. Und das gehört sich so. Und mit dieser Einstellung sind auch Kirche und Gottesdienst nicht sinnerfüllend und holen mich nicht heraus aus meiner Langeweile und Unlust. Denn sie bleiben mir selbst fern und fremd. 

Ich kenne das manchmal, wenn ich eine Predigt halten muss, aber der Bibeltext ist mir auch so total langweilig und abgetreten und tausendmal schon bepredigt und nichtssagend. Sie kennen es vielleicht, wenn Sie über einen Bibeltext meditieren wollen? Schrecklich. Ich sitze vor dem Text und er ist grau und stumpf und kalt und öde. Er erreicht mein Herz nicht. Was dann? Es gibt etwas, das ich gern anwende. Ich lese verschiedene Übersetzungen. Die alte Lutherübersetzung ist immer noch ziemlich kraftvoll. Denn wenn Luther etwas nicht war, dann lustlos. Der brannte immer und war zornig und begeistert. Heftig auf jeden Fall. Und das spürt man aus der Übersetzung. Oder ich lese den Text in verschiedenen Sprachen: englisch, griechisch, lateinisch. Was ich so gelernt habe. Und dann kann es mir auch passieren. Da kommt ein Wort, eine Passage, die mich dann doch trifft, interessiert, berührt, ansteckt.  

Darauf kommt es an. Die Perle zu entdecken, den Schatz, den Duft, den Glanz. Das, was mich fasziniert, angeht, aufregt. Das, wofür ich dann gleich aufspringe und nachsehe. Wie heißt der Begriff, wie hängt das innerlich zusammen? Dann ist die Langweile wie weggeblasen. Aber dann muss ich wieder neu aufpassen. Ich darf nicht zu lange im Internet recherchieren oder in Lexika nachschlagen. Das macht mich dann wieder traurig. Der Duft und der Glanz verfliegen und die Faszination ist dahin. Warum? Weil ich nicht meiner Faszination nachgehe, sondern der Meinung anderer Leute. Weil ich wieder die Mühe des eigenen Arbeitens scheue, sondern mich bedienen lassen will. Das befriedigt nicht richtig. So sage ich mir: selber essen macht dick - selber denken macht schlau. Such nicht anderswo, denke nach, denke selbst, geh tief. Was ist es, das dich berührt? Frage so ehrlich und konkret wie möglich! So dicht an dir selbst, wie du es hinbekommst. Dann ist es auch für andere interessant. 

So das war jetzt ein Beispiel, wie ich selbst versuche, mit der Langeweile und Lustlosigkeit umzugehen. Ich hatte gesagt, die drei Motive Sex, Fußball oder Video gucken, Bier trinken sind nicht sinnerfüllend. Ich hatte aber nicht gesagt warum. Mit diesen drei Tätigkeiten bleibe ich bei mir selbst sitzen – auch beim bloßen Sex, denn er geht nur auf das eigene Vergnügen. Ich komme nicht wirklich aus meiner Selbstisolation, meinem Kreisen um mich selbst heraus. Sinnlosigkeit und Langeweile und Traurigkeit entstehen, wenn ich immer nur um mich selbst herum kreise. Sinn entsteht, wenn ich aus mir herausgehe, den Zusammenhang mit der Welt, mit Gott und dem Nächsten erkenne, bejahe und ihn verwirkliche. Ja, aber wie erkenne ich ihn, wie vollziehe und verwirkliche ich ihn?  

Gehe mal zurück dorthin, wo du noch glücklich warst, wo das Leben noch geschmeckt hat! Und da knüpfe wieder an. Entdecke deine erste Liebe und Begeisterung wieder. Folge deiner innersten Sehnsucht und deinem Traum! Verlass dich selbst. Verlass deine Traurigkeit. Fang wieder an zu lieben. Verlass dich auf Gott hin und dann wieder auf den Nächsten und die Welt. Darin besteht der Sinn und dann entdeckst Du auch dich selbst. 

So, meine Lieben, und jetzt trinke ich ein Bock und zieh mir einen Actionfilm rein – das habe ich mir doch verdient nach diesem schönen Impuls oder? Und dann bin ich nachher wieder richtig schön traurig... 

01.03.2011

Dass Sie es so nicht machen, wünsche ich Ihnen 

Thomas Gertler SJ     

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