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Jesus selbst identifiziert sich auch mit der Kleinheit und dem Vertrauen eines Kindes. Er liebt darum die Kinder und lässt sie nahe an sich heran. Er umarmt und segnet sie. Denn „Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich“, Mk 10,13-16. Und so etwas war auch Johannes XXIII. eigen.

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Mt 18,1 In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte?

2 Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte

3 und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.

4 Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.

5 Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

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Johannes, nimm dich nicht so wichtig!

Als der Bauernsohn und spätere Bischof Giuseppe Roncalli 1958 zum Papst Johannes XXIII. (1881-1963) gewählt wurde, lag die Bürde des Amtes schwer auf ihm und er konnte nicht mehr gut schlafen. Sehr verständlich. Wie er sich so schlaflos im päpstlichen Bett wälzte, flüsterte ihm sein Schutzengel zum Trost und als Entlastung ins große Ohr: „Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“ Jetzt konnte er wieder schlafen.

Ja, das hilft mir auch sehr, wenn ich wenigstens abends im Bett mal meine Verantwortung und meine Sorgen loslassen und Gott übergeben kann. Er hat sowieso alles in seinen guten Händen. Von Johannes XXIII. können wir noch mehr lernen. Er war zwar kein großer Theologe aber ein großer Glaubender. Er hatte den Mut und das Vertrauen, seiner Vision zu folgen und tatsächlich ein Konzil einzuberufen. Er ahnte in keiner Weise, was er da losgetreten hatte. Er hat auch bei den intensiven Vorbereitungen nicht viel Einfluss genommen. Aber dass es überhaupt stattfindet, davon hat er sich nicht abbringen lassen.

Seine Umgebung in der Kurie in Rom hielt ein Konzil eigentlich für völlig überflüssig. Denn erstens gab es ja in der damaligen neuscholastischen Theologie bis auf kleine Fragen um den heiligen Josef herum gar nichts mehr zu klären. Es war alles klar. Zweitens meinte die Kurie, dass ja seit dem Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes von 1871 kein Konzil mehr nötig sei, weil ja der Papst schließlich alles allein machen kann.

Johannes wollte auch gar nichts Neues. Er wollte aber, dass das Alte neu gesagt wird. Dass es für heute gesagt wird. Dass es zur heutigen Welt gesagt wird. Er nannte das „aggiornamento“. Und hier liegt ein ganz grundsätzlicher Punkt. Die Kurie in Rom hatte ein sehr negatives Bild von der heutigen Welt. Sie war der Meinung, dass seit der aufklärerischen Leugnung des Gottseins Jesu Christi und seit dem modernen Atheismus von Feuerbach, Marx und Nietzsche die Welt im wahrsten Sinne zum Teufel geht.

Johannes aber dachte anders als diese „Unheilspropheten“ in seiner Umgebung. Für ihn war die heutige Welt auch ein Ort, wo Gottes Geist weht. Wo es gilt, die Zeichen der Zeit, die Gott gibt, zu erkennen. Er hat darum auch mutig und vertrauensvoll seine berühmte Enzyklika „Pacem in terris“ (Frieden auf Erden) an alle Menschen guten Willens gerichtet, nicht nur an die Katholiken. Er war offen für alle Menschen, auch für Atheisten und Kommunisten. Das hielten manche für schrecklich naiv. Und naiv war er vielleicht auch wirklich. Naiv in seinem Vertrauen zu allen Menschen.

In dieser Enzyklika tut er noch etwas Weiteres. Er erkennt darin alle Menschenrechte an (die die Vereinten Nationen 1948 angenommen hatte) und benennt die „Zeichen der Zeit“. Bis dahin hatte die katholische Kirche nicht alle Menschenrechte anerkannt. Besonders hat sie die Religionsfreiheit abgelehnt. Nun übernimmt Johannes XXIII. diese Menschenrechte insgesamt, die vor allem Rechte sind, die der Staat den Bürgern zu gewähren hat und die der einzelne gegenüber den Mächtigen einklagen kann. Indem Johannes diese Rechte anerkennt, stellt er auch die Kirche an eine andere Stelle in der Gesellschaft an. Sie steht nicht mehr auf der Seite der Ordnungsmächte, sondern sie stellt sich damit auf die Seite derer, die gegenüber den Staaten diese Menschenrechte einfordern. Dort gehört sie auch hin. Und seitdem tut die Kirche das auch immer wieder.

Aber zurück zum Konzil. Johannes hat nicht die Theologie geändert, aber etwas viel Grundlegenderes getan, nämlich mutig und vertrauensvoll dem Konzil seine Freiheit und Eigendynamik gegeben. Damit geschah eine Veränderung der Atmosphäre in der Konzilsaula und in der ganzen Kirche hin zu Offenheit, Aufbruch und Vertrauen. Das erst ermöglichte dann eine neue Theologie und eine Erneuerung des kirchlichen Lebens. Denn erst eine solche Atmosphäre entbindet dann auch die kreativen Kräfte. Die Konzilsväter konnten offen sprechen und frei abstimmen und so ganz viele der vorbereiteten Dokumente abschmettern und einen Neuanfang einleiten. All das liegt in dieser Haltung Johannes XXIII., sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und den Heiligen Geist wirken zu lassen. Er hat am 11. Oktober vor 50 Jahren das II. Vatikanische Konzil eröffnet und ich finde es schön und passend, dass an diesem Tag auch sein Fest gefeiert wird.

Wie sehr wünschte ich mir heute so einen solchen vertrauensvollen Mut und einen solch einen mutigen Glauben an Gottes Geist in der Kirche und in der Welt. Einen vertrauensvollen Mut, der sich selbst nicht so wichtig nimmt, aber frei gibt und kreative Kräfte entbindet. Naiv, furchtbar naiv. Wie ein Kind ist. Wie Jesus war. Und zwar wünsche ich mir dieses mutige Vertrauen nicht nur bei den kirchlichen Oberen, nein, bei allen, die diese Zeilen lesen. Also bei Ihnen, verehrte Leserin und verehrter Leser, in Ihrem Leben und Handeln. An der Stelle, an der Sie stehen und Einfluss haben.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

17. Oktober 2012

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