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Paulus fürchtet sich nicht vor dem Großen Egal. Er sieht ihm ins Auge und kämpft. Er vertraut darauf, dass das Ziel der Welt nicht ihr Untergang ist, sondern eine neue Schöpfung, ein neues Leben, das mit der Auferstehung Jesu mitten in dieser Welt begonnen hat und deren Kraft er spürt. Darum ist sein Lebenssinn nicht, jetzt noch so viel zu essen und zu trinken und zu genießen, wie es geht, weil wir morgen tot sind, sondern viele mit der Hoffnung auf die Auferstehung anzustecken.

Allerseelentag in Krakau
© Foto: Luxetowiec - CC BY-SA 4.0

1 Kor 15,20 - 32

15,20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. 21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus wiederkommt, alle, die zu ihm gehören. 24 Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat. 26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. 27 Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft. 28 Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem. 30 Warum setzen dann auch wir uns stündlich der Gefahr aus? 31 Täglich sehe ich dem Tod ins Auge, so wahr ihr, Brüder, mein Ruhm seid, den ich in Christus Jesus, unserem Herrn, empfangen habe. 32 Was habe ich dann davon, dass ich in Ephesus, wie man so sagt, mit wilden Tieren gekämpft habe? Wenn Tote nicht auferweckt werden, dann lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot.

Seitwert


© Foto: Elvis untot - CC BY-SA 3.0


Is eh alles Wurscht!

Es gibt ein schönes kleines theologisches Buch, das gerade erschienen ist. Es stammt von Axel Hacke und heißt: „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“. Mit Bildern von Michael Sowa. Darin zeigt Gott dem staunenden Erzähler – es könnte wohl mehr oder weniger Axel Hacke selbst sein – eine große, große Halle. Es könnte eine Abstellhalle oder ein Depot für Züge oder Straßenbahnen sein, denn es führen viele Gleise hinein. Alle enden hinten an der Wand. Und dort befindet sich ein riesiges Gebilde, das aussieht wie ein Seestern. Und das, sagt Gott, ist das Große Egal. Egaaaaaaaaal! Darauf läuft alles hinaus. Darin verschwindet alles. Statt des großen Sterns könnte es also auch eine riesige Leberwurst sein, wie auf dem Bild oben.

Das, sagt Gott, ist das Zentrum der Welt. "Der Kern der Welt ist die Gleichgültigkeit. Egal, was du tust, egal, was irgendjemand tut, egal, ob du lebst, egal, ob du stirbst, egal, ob die Meeresspiegel steigen und ganze Länder unter Wasser setzen, egal, ob die ganze Menschheit ausgelöscht wird - die Welt dreht sich weiter. Es gibt nichts, das dem Großen Egal nicht vollkommen wurscht wäre."

Alles endet in dieser Leberwurst oder alles endet in dem völlig gleichgültigen Seestern. Früher gab es dafür den Totentanz. Mit allem und jedem tanzt der Tod einen letzten Tanz, mit Kaisern und Königen, den Schönen und Reichen, mit dem Bauern und dem Bettler, mit Frauen und Männern, mit Guten und Bösen, mit dem Kind und mit dem Greis. Er macht alle gleich. Und darum zuletzt die große Gleichgültigkeit.

Da packt den Axel, äh den Erzähler die große Wut und er holt sein Schweizer Taschenmesser raus, das ich im Kleinformat auch immer bei mir trage, und geht auf das Große Egal los und sticht zu und nochmal und tiefer und nochmal. Aber es tut ihm nichts. Das Messer taucht ein, aber es fließt kein Blut. Es entsteht keine Wunde. Gar nichts. Keine Wirkung. Messer rein, Messer raus. Es tut ihm nichts. Keine Reaktion. Egal. Selbst mit dem Hacke-Beil kein Spalt und kein Wunde. Alles egal. Gott kann die Wut verstehen. Es tut ihm leid, dass er die Welt so geschaffen hat, dass alles im Nichts, im Großen Egal, im großen Aschenbecher endet.

Aber das sollten wir Menschen bei aller Wut doch auch bedenken, meint Gott, das Große Egal gibt uns Raum zur eigenen Entscheidung. Es gibt uns Freiheit. Wir können etwas tun, bevor das Große Egal uns aufnimmt. Dass am Ende die große Leberwurscht steht, heißt nicht, dass mir alles Wurscht sein muss. Ich kann etwas tun mit meinem Leben. Und ganz viele tun das ja auch, wie die großen Künstler. Ich kann ihm einen Sinn geben. Ich kann kämpfen. Ich kann lieben. Ich kann anderen helfen. Ich kann dafür sorgen, dass das Große Egal nicht zu früh den Sieg davon trägt und dass ich vorher mein Apfelbäumchen gepflanzt habe. Dass etwas bleibt.

Und ich kann auch nochmal meinen Umgang mit dem Großen Egal ändern. Denn da bekommt Axel, äh unserem Erzähler eine Idee. Er denkt an seine kleine Tochter, die er heute Morgen beim Aufstehen wach gekitzelt hat. Und so geht er noch einmal zurück zum Großen Egal und fängt an, es wie wild zu kitzeln und zu kitzeln und findet auch die Stelle, wo es so furchtbar kitzlig ist. Und siehe da, das Große Egal beginnt zu lachen und zu lachen und zu lachen. Und es lacht noch als er mit dem Gott die Halle wieder verlassen hat.

Ich kann die große Wut bekommen oder ich kann selbst die große Wurschtigkeit zum Lachen bringen. Ein schöner Beruf, den sich Axel, äh der Erzähler da gesucht hat. Ob eine Runde intensives Kitzeln nicht nur bei den Kindern hilft, sondern auch bei den Erwachsenen, um sie aufzuwecken und aus der Gleichgültigkeit zu holen? Ist doch mal eine Idee!

Jetzt kommen die Tage, wo wir uns alle an das Große Egal erinnern, an die Leberwurscht oder die Vergänglichkeit erinnern. Mit dem Fallen der Blätter und der wachsenden Dunkelheit kommen auch uns die Gedanken an das Große Egal von selbst. Es kann uns egal sein. Es kann uns die Wut packen. Wir können auch die Freiheit ergreifen. Oder ins große Lachen fallen. Und als Christen haben wir einen Grund mehr zum Lachen. Denn wir hoffen, dem Großen Egal ein Schnippchen zu schlagen wie Jesus. Und wir glauben, dass das Große Egal nur ein Tor und Durchgang ist, den wir alle durchschreiten müssen. So lachen die Mexikaner über den Tod.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

26. Oktober 2016

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