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Auch unter den Jüngern gibt es dieses Ringen darum, wer der Größte ist. Jesus schafft es nicht einfach ab. Aber er kehrt es um. Und das ist eine sehr große Herausforderung. Aber er geht dabei voran. Er macht es uns vor.

 

S. Hofschlaeger / pixelio.de

Mk 10,35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 

36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 

37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. 

38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? 

39 Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. 

40 Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. 

41 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. 

42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.  

43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, 

44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. 

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

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RainerSturm / pixelio.de


besser als andere sein…

Besser sein zu wollen als der/die andere ist eine der stärksten Triebfedern, die es gibt. Die Zeitungen und die bunten Blätter sind ständig voll davon. Und das Fernsehen sucht den Superstar oder macht aus dem Außenseiter den Spitzenreiter. Wie kann ich besser sein als andere? Da gibt es viele Tipps und Ratschläge. Nach welchen schauen Sie sich gern um? Wie Ihnen die Biskuit-Rolle besser gelingt? Wie ich schneller aus meinem Waschbärbauch einen Waschbrettbauch werden lasse. Wie ich mit meiner Zitronenhaut umgehe? Oder war es die Orangenhaut? Oder wie ich sofort erkenne was gotisch, was romanisch und was romantisch ist. Die angesagtesten 50 Frisuren des Frühjahrs… Sie können es beliebig fortsetzen und ich könnte mich noch mehr lustig machen. 

Besser sein als andere. Schöner sein. Schlauer sein. Stärker sein. Souveräner sein. Spitze sein. Den neusten Trend kennen. Das jetzt treffende und passende Wort benutzen. Es den anderen zeigen… Immer wieder vergleichen. Immer im Wettkampf. Die Konkurrenz schläft nicht… Immer unzufrieden sein mit sich selbst. Sich selbst stets als unvollkommen, mangelhaft und nicht beachtenswert empfinden. Was ist das Grundgefühl? Stolz sein? Oder sich als mangelhaft empfinden? Muskeln zeigen können? Oder nur so tun können, als ob man welche hätte. Was ist mein Grundgefühl?  

Muss ständiger Vergleich überhaupt sein? Ich habe das als noch junger Jesuit einmal sehr stark erlebt. Es kam einer neu zu uns, der mich total erstaunt und überrascht hat. Er war noch kein halbes Jahr im Haus, da nahm er Sachen in die Hand, die jahrzehntelang niemand gewagt hat. Im Keller gab es eine Werkstatt. Sie stand voller Gerümpel. Farbeimer mit festgetrockneten Pinseln. Büchsen voller rostiger Nägel und Schrauben. Kaputtes Werkzeug. Säge ohne Zähne, Besen mit gebrochenem Stil, Elektroschrott, Kisten und Kasten voller „wertvoller“ Aufhebsel, Spinnweben und Dreck. Er machte sich dran. Räumte aus und auf, ordnete und putzte. Und er musste dazu eine mächtige Institution überwinden – einen alten Jesuitenbruder mit drei Zentnern Lebendgewicht, dessen Reich diese Werkstatt war. An den hatte sich kein Hausoberer herangewagt. Er schaffte es. Ich war hoch erstaunt und voller Bewunderung. Und ich dachte, so wäre ich auch gern. Und das ging mit anderen Dingen ähnlich weiter. Eine unglaubliche Energie und Tatkraft, ein Organisationstalent und ein praktisches Geschick. Ach, wenn ich die doch auch hätte! Und alles bringt er pünktlich zu Ende. Alles das wünschte ich mir, all das fehlt mir. Soll ich neidisch sein? 

Es gab auch eine Art Wettstreit um die Ordnung unserer Bibliothek. Damals so wichtig, heute sind die Bücher in alle Winde zerstreut oder im Altpapier gelandet. Er hat sich durchgesetzt. Das habe ich aber noch ganz gut vertragen, denn dieser Kampf wurde sehr fair und mit Schiedsrichter ausgetragen. Nur habe ich leider verloren. Ja, ich war wohl neidisch. Ja, ich habe im Vergleich schlechter abgeschnitten. Das kann kränkend sein. Das kann auch zur Folge haben, dass man wütend auf Gott und die Welt wird, weil die eigene Ausstattung nicht so hervorragend ist. Weil ich zu kurz gekommen bin. Und hier sollte vielleicht auch einmal eine Frau weitererzählen, wie sie es erlebt mit Eifersucht und Konkurrenz und all den heftigen Gefühlen und Ängsten.  

Aber zurück zu unserer Geschichte damals. Je länger wir zusammen gelebt haben, umso mehr habe ich dann seine Probleme mitbekommen. Er hatte lange Phasen, in denen es ihm gar nicht gut ging und er traurig war. Er konnte sich sehr schwer mit Gegebenheiten einfach so abfinden. Um irgendwo zu Hause sein zu können, musste er irgendetwas verändern, anstreichen, umstellen, neu kaufen. Es musste irgendwie von ihm selbst geprägt werden. Hirsche müssen ja auch ihr Quartier durch Duftmarken kennzeichnen. Schwer war es ihm auch, dass andere über ihn bestimmten, dass er einfach gehorchen musste. Das ist in einer Ordensgemeinschaft jedoch eine Grundbedingung. Es gäbe noch mehr, aber ich beschreibe hier nicht weiter. Das genügt, um nachvollziehen, was ich mir dann gesagt habe: Lieber Thomas, sei mal ganz zufrieden mit dem, was du bist und hast. Du siehst ja, wie schwer er es mit sich selbst hat. Und das war wirklich so. Er hatte es viel schwerer mit sich selbst als ich, trotz all der großen Gaben, die er hatte. So habe ich mich mehr mit mir selbst ausgesöhnt. 

Je älter ich nun werde, umso weniger wichtig wird mir der Vergleich mit anderen. Ich muss nicht so viel und tiefschürfend schreiben können wie der berühmte Hans Urs von Balthasar. Ich muss nicht so ein scharfer und umfassender Denker sein wie mein Namenspatron Thomas von Aquin. Nein, es ist gut so, dass ich der bin, der ich bin und der ich geworden bin. Ich bin sehr dankbar, für alles. Es gibt einen Spruch von Erich Kästner, der mir das bestätigt:  

Ein Mensch, der Ideale hat,
der hüte sich, sie zu erreichen,
sonst würde er am Ende statt
sich selber andern Menschen gleichen. 


Und am meisten dabei geholfen, mich mit mir selbst auszusöhnen, nicht selbstzufrieden, aber doch zufrieden zu sein mit den Stärken und den Schwächen meines Lebens und nicht immer neidisch auf andere zu blicken, am meisten hat mir das Gebet geholfen. Denn darin erfahre ich die Liebe und Annahme, die unbedingte und freie Liebe und Annahme Gottes. Und sie hat mir dann auch geholfen, die Liebe und Annahme durch meine Freunde und lieben Mitmenschen anzunehmen. Sie nicht zu verdächtigen oder ihnen zu misstrauen oder Angst davor zu haben. Und nichts ist besser, sich vom Neid heilen zu lassen, als die Liebe und Annahme. Dann kann ich auch eines Tages mich selbst lieben, wenn ein anderer mich liebt. 

18. Mai 2011

Dass Sie das erfahren können und daraus auch die notwendigen täglichen Kämpfe bestehen können, wünscht Ihnen 

Thomas Gertler SJ

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