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Ja, wir sind wie die Flaumfeder im Gras, wie Windhauch, vergänglich und klein. Und doch ist schon jede kleine Pflanze ein Wunder und staunenswert. Trotz ihrer Schwäche und Vergänglichkeit stärker als das Nichts. Und dazu mahnt uns Jesus: wir sind wie alle diese Geschöpfe in Gottes Blick und Sorge und darum dürfen wir frei und unbesorgt sein. Denn er sorgt für uns. Und weil er für uns sorgt, darum können wir uns um Ihn und um Sein Reich sorgen.

© Wikimedia Commons

Lk 12,22-31

22Und er sagte zu seinen Jüngern: Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. 23Das Leben ist wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung. 24Seht auf die Raben: Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keinen Speicher und keine Scheune; denn Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! 25Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? 26Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt, warum macht ihr euch dann Sorgen um all das übrige? 27Seht euch die Lilien an: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 28Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! 29Darum fragt nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und ängstigt euch nicht! 30Denn um all das geht es den Heiden in der Welt. Euer Vater weiß, dass ihr das braucht. 31Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben.

 

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© Foto: Thomas Gertler


Immer noch Gedanken am See

Heute bin ich nicht ganz so positiv gestimmt. Es ist der letzte Tag am See.
O Je. Der letzte Tag meines Urlaubs. Und der See macht mir den Abschied leicht. Es ist kühl bis kalt, richtig herbstlich. Keine Sonne. Bedeckter Himmel. Wind. Fast so was wie Wellen auf dem kleinen See, nicht nur so niedliche Rippelchen. Ich sitze hier in der Windjacke. Ja, alles geht zu Ende. Nicht nur der Urlaub. Das sind die Gedanken, die einem da kommen.

Es wird alles zu Ende gehen. Eines Tages wird sogar dieser See nicht mehr sein. Die Bäume nicht mehr. Andere Bäume vielleicht. Die Bank, die sowieso schon Altersschwäche zeigt, wird verrottet sein. Keine der Enten wird mehr leben und die Blässhühner werden verblassen und ihr Leben lassen. Ja und ich auch schon längst vergangen und zu Staub und Asche geworden – was sich noch einigermaßen ästhetisch anhört. Die Wirklichkeit wird ekliger sein.

Endlichkeit. Gar nicht richtig denkbar oder vorstellbar. Aber es gibt nichts auf dieser Welt, was gewisser ist als das Ende von allem. Alle Menschen sind sterblich. Thomas ist ein Mensch. Also ist Thomas sterblich. Das ist die Urform der logischen Schlussfolgerung. Sie geht auf Aristoteles zurück, der schon 322 vor Christus gestorben ist. Und der alte Aristoteles hat sie geübt mit Sokrates seinem entfernten Lehrer, der von den Athenern als Todesart den Schierlingsbecher gereicht bekam im Jahr 399 v. Chr.

Alles war einmal nicht und wird eines Tages nicht mehr sein. Kann man denn dann sagen, dass es überhaupt ist, wenn es unendlich länger nicht war und unendlich länger nicht sein wird, als es jetzt ist. Alles wird vom Nichts verschlungen. Ist das nicht die größte Macht von allem?

Aber Moment mal! Jetzt bin noch da. Zwar angekratzt und mit dem Todesstachel in mir und ein bisschen melancholisch. Aber noch bin ich da und sitze auf der Bank. Und auch der See ist noch da und die Enten. Und gerade mein Frösteln zeigt mir, dass es noch Lebenszeichen bei mir gibt.

Nein, jetzt mal ganz anders als vorher gedacht! Das geringste Ding, das da ist wie dieser zarte Entenflaum im Gras - heute da und in ein paar Stunden verweht - ist stärker als das Nichts. Besiegt das Nichts. Das kleinste und geringste und vergänglichste Etwas ist stärker als das Nichts! Ha!

Das ist doch ganz erstaunlich und ein Wunder. Und noch größer ist das Wunder, dass es diesen Entenflaum gibt, dieses so endliche und vergängliche und kunstvolle Etwas. Es kommt aus dem Nichts und geht ins Nichts und doch ist es jetzt da und ist stärker als das Nichts. Und alles, was wir hier kennen und wahrnehmen und sehen und lieben, gleicht mehr oder weniger dem Entenflaum. Heute da, wunderbar, ein Kunstwerk, unglaublich zart und fein und schön, einmalig und andererseits bald verweht, vergessen und nicht mehr da. Es ist eigentlich fast nichts, aber es ist doch da. Und wie ich diese Flaumfeder so hebe und anschaue, wird das Wunder noch größer. Wo kommst Du her? Wo gehst Du hin?

Wirklich aus dem Nichts? Nein, aus Nichts wird nichts. Das ist doch so gewiss wie die Endlichkeit und Sterblichkeit. Aus dem Nichts kommt die Flaumfester nicht. Ja, woher denn dann, wenn nicht aus dem Nichts? Natürlich von der Ente da. Klar, aber was erklärt das? Woher kommen denn die Enten? Und woher das Leben? Und woher die Welt? Das kann man nicht fragen? Doch das frage ich. Woher kommt das alles klein und zart und vergänglich? Sternenstaub und Entenfeder. Ja, woher denn dann?

Sie kommt von daher, wo es keine Endlichkeit und Vergänglichkeit gibt. Alles Endliche und Vergängliche braucht ein Unendliches und Unvergängliches, wo es her kommt. Es kann nicht aus dem Nichts kommen, also kommt es aus einem Etwas, das aber muss anders sein, eben unendlich und unvergänglich. Ja, das nennen wir Gott. Aus Gott, dem Unendlichen und Unvergänglichen, da kommen die Flaumfeder und der Sternstaub des Endlichen und Vergänglichen und sie wehen auch wieder zu Ihm zurück und mit ihm auch wir.

Denken Sie daran, wenn die Melancholie sie packt: Auch das kleinste, schwächste, zarteste und verletzlichste Ding ist unendlich stärker als das schwarze Nichts!!! Um wie viel mehr Sie! Ja, Sie!

 

Es grüßt Sie herzlich

Thomas Gertler SJ
30. Oktober

 

 

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