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Gott steigt herab und sieht das Elend seines Volkes an. Er bleibt nicht der erhaben Ferne, sondern begibt sich hinein in die Not und er führt in die Freiheit. Und er ist mitten in der Welt, in dieser unserer Wirklichkeit zu finden. Nicht nur die Umgebung des brennenden Dornbuschs ist heiliger Boden. In allem ist Er zu finden und zu entdecken, seit er in Christus Mensch geworden ist. „Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit.“

Gebhard Fugel: Mose vor dem brennenden Dornbusch - via Wikimedia Commons

Exodus 3,1 - 10

3,1 Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. 2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. 3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? 4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. 6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. 8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken. 10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!

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© Foto: Thomas Gertler


… im Detail

Der Teufel steckt im Detail. Sagt man. Und oft kann man es erleben. Die Tour durch das Tal und den Berg hoch sah auf der Karte so einfach aus. Aber dann stellt sich heraus, dass der Weg nicht so einfach, nicht so gut markiert, die Karte nicht so genau war. Es war anstrengend und mit einigen Umwegen verbunden. Der Teufel steckte im Detail.

Und sicher haben Sie schon einmal ein Regal zusammengebaut. Es sieht erstmal so einfach aus und dann ist man ganz durcheinander. Welche Schraube muss dahin? Aber die ist doch viel zu groß! Und dann muss ich alles noch einmal von vorn anfangen, weil ich es nicht in der richtigen Reihenfolge gemacht habe. Also wieder auseinander, wieder neu ordnen und dann erst „den Nippel durch die Lasche ziehn…“. Der Teufel steckt im Detail.

Jetzt stieß ich auf einen Buchtitel, der etwas ganz anderes sagt: „Der liebe Gott wohnt im Detail.“. Großartig, dachte ich, also nicht der Teufel, sondern der liebe Gott. So kann ich es auch sehen. Und hat das nicht viel mehr Gründe für sich als das Sprichwort, der Teufel stecke im Detail? Darf man nicht vermuten, dass der liebe Gott das Detail liebt? Er ist doch der Schöpfer von allem und das bis in Kleinste und Allerkleinste, bis ins Detail vom Detail. Gott kennt alles bis ins Kleinste, ja, aber wohnt er da auch? Ist Gott da gegenwärtig? Es gibt ja so unvorstellbar kleine Teilchen und Partikel – Nano-Partikel. Und da soll Gott gegenwärtig sein. Da soll er reinpassen? Ja, genau so. Denn wie er größer als das Größte ist, so ist er auch kleiner als das Kleinste. Ja, das ist sogar Gottes Weg, Sein Weg geht weg vom Größten hin zum Kleinsten, von ganz oben bis ganz hinunter, Vom ersten auf den letzten Platz. Das ist Gottes Weg und Karriere.

Und das gerade darum, weil wir als Karriere immer nur den Weg nach oben verstehen und gehen wollen. Wir wollen die Größten sein. Der Weg zum Heil geht aber nach unten. Das sehen wir am Weg Jesu. Das sehen wir daran, worauf er schaut und achtet. Das sind die Blumen auf dem Feld, das sind die kleinen Samenkörner, das sind die Spatzen. Das ist auch der kleine Menschen, der sich im Laub versteckt, wie der Zöllner Zachäus im Maulbeerfeigenbaum (Lk 19,5). Und Jesus weiß, dass der Vater auch auf das Kleinste achtet: Auch die Haare auf unserem Kopf sind alle gezählt (Mt 10,29f). Und wer im Kleinen getreu ist, dem wird das Große verheißen und gegeben (Mt 25,22).

Für uns heute: Sieh darauf, dass auch Dein Weg zum Heil ins Kleine und Konkrete geht, das heißt nicht ins Kleinliche und Enge, aber auch nicht ins Allgemeine und Abstrakte, nicht in die Ferne und in die Fremde, nicht nach Indien oder Japan, sondern im Hier und Jetzt ist Gott zu finden. An dem Ort, wo Du stehst und nur Du stehst und stehen kannst. Die Mutter Deines Kindes bist Du und nur Du und da bist Du einmalig und unvertretbar. Der Vater deines Kindes bist nur Du und niemand sonst. Einen anderen Vater hat es nicht und was Du als Vater nicht gibst, das kann niemand anders geben. So ist es jedenfalls normalerweise. Es gibt für jeden Menschen so eine Unvertretbarkeit. Welche ist die Ihre? Schauen Sie darauf und fragen Sie sich: wo ist mein Hier und Jetzt und wo sind meine Fluchten und Ausfluchten? „Der Ort, wo Du stehst, ist heiliger Boden!“ So sagt Gott zu Mose und Mose zieht seine Schuhe aus.

Und wenn ich über mich selbst etwas wissen und verstehen will, dann schaue ich auf das Konkrete, verallgemeinere nicht, abstrahiere nicht, sondern schaue auf das, was wirklich passiert. Das ist schon wieder zu allgemein gesagt: ich schaue also auf meine Unpünktlichkeit. Immer wieder bin ich unpünktlich. Das ist die Verallgemeinerung, aus der ich nichts lerne. Wenn ich genau hinschaue, wenn ich ins Detail gehe, dann sehe ich: Ich bin unpünktlich, weil ich nie fertig werde, weil mir vor dem Losgehen immer noch was einfällt, was ich noch schnell machen kann. Oder ich bin unpünktlich, weil ich nicht warten will und warten kann. Es soll losgehen, wenn ich komme. Darum lasse ich lieber andere warten als selbst zu warten. Oder ich zeige: seht Ihr, wie viel ich zu tun habe? Ich schaffe es nicht rechtzeitig, weil ich so überbeschäftigt bin. Oder ich bin unpünktlich, weil ich nicht gern dort bin, wo ich sein muss. Ich will es verkürzen. Es ist interessant, ins Detail zu gehen. Da entdecke ich Heilsames über mich selbst und auch Schritte, wie ich heiler werde. Der Teufel steckt im Detail, aber tiefer noch wohnt Gott schon und wartet auf uns.

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

24. Juni 2015


PS. Liebe Leserinnen und Leser, heute habe ich eine traurige Nachricht. Sr. Margita Kahler CJ, die seit 2010 auf update-seele.de Menschen im Glauben begleitet hat, ist verstorben und wir haben sie am 19. Juni zu Grabe getragen. Sie war 30 Jahre Direktorin des Maria-Ward-Gymnasiums in Augsburg. Sie schrieb in ihrer Selbstvorstellung: Mir war es in der Schule immer wichtig, den christlichen Glauben als Weg zur Freiheit und Menschlichkeit zu vermitteln. So habe auch ich sie erlebt und sicher die vielen, die sie begleitet hat. Möge Gott ihr alles Gute vergelten, das sie getan hat!

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