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Paulus kennt bei sich selbst die Ohnmacht, die Zerrissenheit, das Gefühl, so unfertig und sehnsüchtig zu sein. Aber er weiß auch, dass Gott uns zu Hilfe kommt, sich unser annimmt und bei uns ist in all dem. Ja, das ist seine Hoffnung und seine Erfahrung. Ins Äußerste ist Gottes Liebe gegangen, damit wir glauben, dass er uns liebt. Er hat Christus an diese letzte Stelle gehen lassen. Er hat ihn hingegeben. Was soll uns dann noch hindern an seine Liebe zu uns zu glauben. Gott fürchtet sich nicht und er ekelt sich nicht vor mir und meinem Elend. Er geht mit hinein, damit ich hinaus finde und auch liebe wie Er. So schreibt Paulus im 8. Kapitel des Römerbriefes.

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Röm 8,24 Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?

25 Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.

26 So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.

27 Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

28 Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind;

29 denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

30 Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

31 Was ergibt sich nun, wenn wir das alles bedenken? Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?

32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33 Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht.

34 Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

35 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

36 In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.

37 Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten

39 der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

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Ich hasse mich  

Das treffe ich öfter an, dass sich Menschen selbst hassen. Ich kenne das auch von mir selbst. Vielleicht ist Hass ein wenig zu stark. Aber ganz und gar nicht leiden kann ich mich, wenn ich wieder in den gleichen Fehler gefallen bin. Wenn ich ohne Not jemandem weh getan habe, nur weil ich selber gerade wütend und verletzt war und dadurch alles immer noch schlimmer gemacht habe. Und dann kann es schon fast Selbsthass werden. Von anderen weiß ich, dass sie sich hassen, weil sie von bestimmten Dingen einfach nicht loskommen. Seien es Computerspiele. Oder seien es bestimmte Chats oder bestimmte Seiten im Internet. Sei es eine bestimmte Droge, Alkohol oder etwas anderes. Sei es eine Abhängigkeit von einem Menschen, den ich eigentlich gar nicht liebe und der mir ganz und gar nicht gut tut. Oft ist das ein Teufelskreis. Immer wieder begegnen mir Frauen, die ihr eigenes Geschlecht hassen. Oder Männer, die ihre Sexualität hassen. Jede/r hat Anflüge von Selbsthass oder Selbstverachtung. Jede/r kann sich da hinein versetzen.  

Wie komme ich da raus? Meistens komme ich da nicht allein und durch bloße Willensanstrengung heraus. Diese Einsicht, dass ich es nicht allein schaffe, braucht oft lange. Es ist so demütigend, dass ich ein Problem habe, mit dem ich allein nicht fertig werde. Und wem soll ich mich denn anvertrauen? Und ich schaff es doch allein. Ja, und dann schaff ich es auch irgendwie bis abends um zehn und dann werde ich wieder schwach und dann kommt es wieder dazu. Und dann hänge ich wieder durch und hasse mich. Und ganz nahe winkt die schwarze Verzweiflung. Also ich muss irgendwann zugeben: Ich allein schaff es nicht. Und damit tut sich dann wirklich eine Chance auf, heraus zu kommen. 

Für alle, die sich in einer Suchtproblematik befinden, gibt es vielfache und gute Hilfe. Nur Mut! Ich will aber auf diesem Gebiet jetzt nicht weitergehen. Ich verweise nur auf die zwölf Grundsätze der anonymen Alkoholiker. Die sind sehr spirituell. Und sie helfen auch Leuten ohne direkte Alkoholproblematik. Ich will meinen Impuls auch nicht schreiben für diejenigen, die wirklich Fachleute brauchen. Mir geht es um den Selbsthass und die Selbstverachtung, die jede/n einmal anfliegt und von denen jede/r bedroht ist.  

Jede/r weiß schon, dass Selbsthass und Selbstverachtung nicht sein sollten. Sie sind genauso schlimm wie Hass des Nebenmenschen oder wie der Gotteshass. Selbsthass und Selbstverachtung zerstören die Beziehung zum Nächsten und zu Gott. Ja, das weiß ich, aber wie komme ich heraus? Erster Punkt ist (wie immer), dass ich es überhaupt wahrnehme. Es ist so. Ich hasse mich. Ich kann mich nicht leiden. Aber nun bitte genauer: nicht immer, sondern wann besonders? Nicht immer, sondern weswegen genau? Und darauf schauen. Und das annehmen. Es ist so. Also ich schaue das bewusst an und ich akzeptiere es. Ich hasse mich, wenn und weil ich wieder den Fernseher, den Computer, den Kühlschrank, die Pralinenschachtel, das Computerspiel nicht schließen konnte. Wenn und weil ich wieder so aggressiv war, wenn ich wieder so ungeduldig und übergenau war. Oder was es eben bei Ihnen gerade ist.  

Und dem dann nachgehen. Tiefer schauen. Warum brauche ich das? Was ist daran so, dass ich es quasi zwangsläufig tue? Dass es eingeschliffen ist. Also im Fernsehen hoffe ich, dass noch irgendwo was Schönes kommt. So traurig soll der Tag nicht enden. Ich brauche noch irgendeine Freude. Also zappe ich. Oder also esse ich. Also trinke ich. Weil noch was Schönes sein soll. Alles das ist aber nicht das Schöne, was ich letztlich ersehne. Alles das macht mich eher noch trauriger. Was ist das Schöne wirklich, wonach ich mich sehne? Danach soll ich suchen. Vielleicht sollte ich mich beispielsweise einfach darauf freuen, dass ich den Tag jetzt loslassen darf und nichts mehr sein muss als ein guter tiefer geruhsamer Schlaf. Also loslassen einüben. Also Freude suchen, die froh und nicht traurig macht. 

Als Nächstes: Die ganze Wirklichkeit anschauen. Sich nicht auf das Negative bei mir fixieren. Es gibt auch Gelungenes. Es gibt auch Dinge, die ich gut kann. Es gibt auch Schönes in meinem Leben. Und dieses Gute, dieses Schöne, diese Liebe auch bewusst wahrnehmen, auch wahr sein lassen. Genauso ernst nehmen, wie ich alles Negative nehme. Nicht gleich wieder abwerten und runterspielen! Ja, wahrnehmen, dass das Gute immer stärker, besser und bleibender ist als das Negative. Denn das ist so. Ja, es ist wirklich so. Ruhig dabei einmal verweilen und dafür bewusst danken.  

Nächster Punkt: Freiheit stärken. Das Negative erscheint mächtig, zwangsläufig, unausweichlich. Aber all das ist es nicht. Es macht sich nur mächtig. Es bläht sich auf. Es ist nicht wirklich mächtig. Ich bin frei. Ich kann auch NEIN sagen. Ich kann auch nein tun. Ich kann auch von meiner Freiheit Gebrauch machen. Nur mal jetzt. Nur für diesmal fange ich keine neue Runde mit dem Computerspiel an. Nur jetzt schalte ich aus. Es geht. Tatsächlich. Und sobald ich einmal dessen Herr geworden bin, sobald wächst auch Hoffnung in mir. Für alle diese Punkte hilft es sehr, wenn ich das nicht nur allein für mich versuche, sondern das jemandem erzähle, mit jemandem bespreche. Oder wenigstens zusammen mit meinem Tagebuch. Und was ich im Tagebuch geschrieben habe, das kann ich irgendwann auch jemandem sagen. 

Letzter und wichtigster Punkt: an Gottes Liebe glauben. Es ist mir schon oft gesagt worden, dass Gott uns liebt. Und für alle anderen glaube ich es vielleicht auch. Aber für mich nicht. Eben – wie sollte Gott mich lieben, wen ich mich nicht lieben kann? Und doch ist es so. Gott liebt mich, mich, mich, wirklich und wahrhaftig mich. Es ist nicht leicht, das zu glauben und wahr sein zu lassen. Und meist kann ich es nur glauben, wenn ich auch einmal einem Menschen begegnet bin, der mich geliebt hat, der mich geachtet hat und dem ich seine Liebe und Wertschätzung glauben konnte. Wer ist für mich dieser Mensch? 

Das ist das Evangelium und das ist das Wichtigste, dass Gott die Liebe ist. Und dass er auch mich liebt und mit all dem, was ich nicht lieben und annehmen kann. Dahinein kann ich mich flüchten mit all meiner Zerrissenheit. Dahinein kann ich mich bergen. Und darauf kann ich mich verlassen. Meinen Selbsthass lassen und mich auf diese Liebe hin verlassen. Und gerade wenn ich mich als letzten Dreck empfinde, dann darf ich glauben, dass Jesus selbst sich mit mir als letztem Dreck sogar gleich setzt. Denn das sagt er: „was ihr dem letzten der Menschen an Gutem getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40).“ Jesus ist bei mir, gerade wenn ich mich so als letztes Wesen fühle. Bitte, bitte, versuchen Sie das zu glauben und anzunehmen und den nächsten Schritt hinaus zu tun. 

7. März 2012

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

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