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Es gibt sogar in der Bibel ein Buch, das ganz durchzogen ist von diesem Gedanken der Nichtigkeit, der Vergänglichkeit und der Vergeblichkeit. Es ist das Buch des Königs Kohelet. Er wird traditionell mit dem König Salomo gleichgesetzt. Wir lesen hier die berühmten Worte vom Beginn seines Buches. Er nimmt zwar die Nichtigkeit wahr und ernst, aber er erfreut sich auch am Schönen und weiß die Gaben der Erde dankbar zu genießen als Gottes Gaben, auch wenn der Tod alles aus der Hand nehmen wird und zu Windhauch macht. Darum soll man jetzt den Tag und die Stunde ausschöpfen im Blick auf den ewigen Gott.

1,1 Worte Kohelets, des Davidsohnes, der König in Jerusalem war.

2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. 3 Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?

4 Eine Generation geht, eine andere kommt. /Die Erde steht in Ewigkeit.

5 Die Sonne, die aufging und wieder unterging, /atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.

6 Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. /Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind.

7 Alle Flüsse fließen ins Meer, /das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, /kehren sie zurück, um wieder zu entspringen.

8 Alle Dinge sind rastlos tätig, /kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, /nie wird ein Ohr vom Hören voll.

9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, /was man getan hat, wird man wieder tun: /Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: /Sieh dir das an, das ist etwas Neues - /aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.

11 Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren /und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben /bei denen, die noch später kommen werden.

12 Ich, Kohelet, war in Jerusalem König über Israel.

13 Ich hatte mir vorgenommen, das Wissen daraufhin zu untersuchen und zu erforschen, ob nicht alles, was unter dem Himmel getan wurde, ein schlechtes Geschäft war, für das die einzelnen Menschen durch Gottes Auftrag sich abgemüht haben.

14 Ich beobachtete alle Taten, die unter der Sonne getan wurden. Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.

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Ich bin nichts

„Ich bin nichts“, das sagten die Leute von sich selbst in der ehemaligen DDR, die weder Christen noch Marxisten waren. „Ich bin nichts.“ Ich bin weder das eine noch das andere. Mir ist der Ausdruck damals nie so aufgefallen. Es war allgemein üblich und selbstverständlich. Es war ja damals im Osten auch am besten, nichts zu sein. Denn man wollte nicht gern zur Partei gehören, die die anderen so bedrängte und für die die „Machtfrage“ die alles entscheidende war. Die immer mindestens 100% wollte, ob bei der Mitgliedschaft in den Organisationen, ob bei den Produktionsergebnissen oder der inneren Gefolgschaft. Auch wenn es in der „Internationale“ heißt: „Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger, alles zu werden strömt zu Hauf…“ zogen es doch die meisten vor, lieber Nichts zu bleiben.

Andererseits Christ zu sein, war ja auch nicht gerade toll. Also zu denen zu gehören, die nach offizieller Lehrmeinung nicht fortschrittlich waren, die ein falsches Weltbild hatten. Die Galilei verfolgt hatten, weil er glaubte, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Die Kreuzzüge angezettelt und Hexen verbrannt hatten. Nein, dazu auch lieber nicht gehören. Dann also lieber nichts sein.

Nichts sein hieß auch, so komme ich am besten durch. Als Nichts fällt man nicht auf, sticht man nicht heraus, ist man nichts Besonderes. Denn jeder, der irgendwie heraus sticht, auffällt, herausragt, wird dafür bestraft. Wenn ich positiv auffalle, bekomme ich unangenehme Leitungsaufgaben, mit denen ich selbst wieder Druck ausüben muss auf andere. Da werde ich kontrolliert, ob ich alles richtig mache. Und wenn ich es gut mache, werde ich belobigt von Leuten, von denen ich gar nicht gelobt werden will und die ich eigentlich verachte. Wenn ich dagegen negativ auffalle, gibt es Sanktionen irgendwelcher Art. Dann werde ich bestraft und das kann dann noch schlimmer sein. Lieber also die graue Maus sein, die in dem grauen Land von niemandem gesehen wird. Lieber nichts sein.

Auch ich als Christ in der DDR habe oft so gedacht und empfunden. Obwohl ich ja nicht nichts war. Trotzdem lieber nicht auffallen. Lieber den Mund halten. Lieber so einigermaßen durchkommen. Kardinal Bengsch von Berlin hat das mal sogar als Ratschlag an die Christen so gesagt: Wenn man wie Daniel in der Löwengrube sitzt, soll man die Löwen weder streicheln noch am Schwanze ziehen! Auch die katholische Kirche als Institution hat sich so verhalten. Sie hat sich vor allem um sich selbst und die eigenen Interessen gekümmert, nur wenn es zum Äußersten kam, dann auch öffentlich die Stimme erhoben. Schließlich waren wir ja auch nur höchstens 5%, also fast nichts.

Aber ist es nicht auch schrecklich „nichts“ zu sein? Werde ich so etwas wieder los? Es gibt den einfachen Weg und den habe ich dann nach 1989 bei vielen jungen Leuten gesehen, als ich noch Religionsunterricht gegeben habe. Die Gymnasiasten wählten oft den Weg ins Anarchistische, ganz Individualistische, radikal Grüne oder so. Die anderen, weniger intellektuellen sind sehr oft den Weg ins Nationalistische und Nationalsozialistische gegangen. Und beide bekämpften sich, aber wechselten auch immer mal wieder die Lager. Das waren bei den meisten keine wirklich tiefen Überzeugungen, die aus innerer Auseinandersetzung und eigenem Denken oder gar eigener Erfahrung gekommen sind. In der Jugend ist es ja leichter, sich irgendwo anzuschließen, denn ich möchte dazu gehören. Wozu ist da zweitrangig. Nur hilft das nicht auf die Dauer aus diesem inneren Gefühl heraus, nichts zu sein. Das wirkt weiter.

Es gibt heute auch bei vielen, die nicht diese DDR-Erfahrungen gemacht haben, so ein Gefühl, nichts zu sein. Nichts wert zu sein. Nichts zu gelten. Und niemand spricht darüber. Man trägt es mit sich selbst herum. Das geht bei vielen so weit, dass sie sich selbst gar nicht mehr spüren. Dass sie sich selbst verletzen  müssen, um sich zu spüren. Dass sie sich selbst verletzen müssen, um sich für ihr Dasein zu bestrafen. Ja, dass sie daran Lust finden, sich zu ritzen.

In jedem Menschen gibt es immer wieder den Gedanken, eigentlich nichtig zu sein. Denn es ist ja doch so, dass ich einmal nicht war und einmal nicht mehr sein werde. Dass wir irgendwie aus dem Nichts kommen und ins Nichts verschwinden. Was sind wir denn dann eigentlich? Und wie empfinden Sie? Kennen Sie das Gefühl, wie es ist, nichts zu sein?

Vieles gibt es dazu zu sagen und ich werde auch noch weiter darüber schreiben. Jetzt erst einmal nur ein kurzes Wort dazu. Es stammt wohl von Martin von Biberach aus dem 15. Jahrhundert. So alt und viel älter ist dieses Bewusstsein, dass wir irgendwie über dem Nichts gehalten sind.

Ich komm', weiss nit woher,
ich bin und weiss nit wer,
ich fahr', weiss nit wohin:
Mich wundert's, dass ich so fröhlich bin.


Ja, das sollte mich wirklich wundern, warum ich dennoch, wenigstens manchmal so fröhlich bin und mich meines Seins freuen kann. Ist mein Sein doch vielleicht mehr als die Nichtigkeit, mehr als das Nichts? Bin ich wirklich darüber gehalten und von wessen Hand? Weist mir das eine Richtung daraus, nichts zu sein?

Denken  Sie einmal darüber nach!

18.01.2011

Es grüßt Sie herzlich

Thomas Gertler SJ   

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