Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheHimmel, Himmel, du lieber Himmel!
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Es war noch in der alten DDR, als befreundete Studierende aus Freiburg in die katholische Studentengemeinde Leipzig das folgende Lied mitbrachten. Es hat mich mit seiner starken Hoffnung auf Erlösung und Befreiung gleich so angerührt, dass mir die Tränen kamen. Und schon damals habe ich gedacht: Ja, dieses Lied wünsche ich mir bei meiner Beerdigung. Es wurde bekannt als Schlusslied im Film „Schindlers Liste“. Hier können Sie die Melodie hören.

Jerusalem vom Ölberg aus.
© Foto: James Emery - CC BY 2.0


Ihr Mächtigen, ich will nicht singen eurem tauben Ohr!
Zions Lied hab ich begraben in meinen Wunden groß.
Ich halte meine Augen offen, liegt die Stadt auch fern.
In die Hand hat Gott versprochen: er führt uns endlich heim!
In deinen Toren werd‘ ich stehen, du freie Stadt Jerusalem!
In deinen Toren kann ich atmen, erwacht mein Lied!

Die Mauern sind aus schweren Steinen, Kerker, die gesprengt,
von den Grenzen, von den Gräbern aus der Last der Welt.
Die Tore sind aus reinen Perlen, Tränen, die gezählt.
Gott wusch sie aus unsern Augen, dass wir fröhlich sind.
In deinen Toren werd‘ ich stehen…

Die Brunnen wie sie überfließen in den Straßen aus Gold!
Durst und Staub der langen Reise – wer denkt daran zurück?
Noch klarer als die Sonnenstrahlen ist Gottes Angesicht.
Seine Hütte bei den Menschen mitten unter uns.
In deinen Toren…

Text: Christine Heuser

Seitwert


© Foto: MdeVicente - CC0 1.0


Himmel, Himmel, du lieber Himmel!

O ich möchte so gern, dass alles gut wird. Dass alles, alles gut wird. Und es gibt nur wenige, ganz wütende und leidende Menschen, die das nicht wollen, sondern wollen, dass alle leiden sollen wie sie. Nein, die allermeisten wollen, dass alles gut wird. Auch wenn es jetzt nicht gut ist und schwierig und spannungsvoll und konfliktreich und mühselig. Das ist der Wunsch und das ist die Sehnsucht, dass doch alles gut wird. Ja, dass alles gut wird.

Und ich weiß noch wie ich das immer wieder und wieder gesagt habe zu einem leidenden und gequälten Menschen, dass es gut werden wird. So wie es die Mutter zu ihrem weinenden Kind sagt: Es wird gut, mein Liebling. Es wird alles gut. Die Mutter ist die Zeugin dafür. So wie ich es dem gequälten Menschen bezeugt habe, was ich selber hoffe und ersehne. Und dieses Zeugnis bringt tatsächlich ein wenig Frieden. Dieses Zeugnis und diese Hoffnung, dass es gut wird.

Ja, aber du lieber Himmel, es wird doch gar nicht alles gut! Es bleibt doch so vieles so furchtbar und so vieles wird nicht besser, sondern schlimmer, immer schlimmer. Das trifft sowohl auf die Weltlage nah und fern, wie auf so viele Situationen im Leben unserer Freunde und Bekannten zu. Wie oft gibt es auch bei den Gesprächen an meinem Besuchertisch keine wirkliche Aussicht auf Besserung, darauf, dass alles gut wird. Nein, es läuft so oft auf ganz kleine Verbesserungen hinaus, auf das Aushalten und das Ungewisse hinaus.

Und ich suche darüber hinaus nach Gründen für Hoffnung, dass es gut wird. Und es gibt diese Gründe. Zum Beispiel haben wir oft erlebt, dass es doch trotz allem noch gut gegangen ist. Ja, oder dass sich das Schlimme gewandelt hat und dass der Riss durch alles sich als Eingangstor für das Licht gezeigt hat. „There is a crack in everything, that's how the light gets in”, hat Leonard Cohen gesungen und ist nun hoffentlich auch im Himmel. Aber das sind eben Zeichen und Gründe für die Hoffnung. Aber sie sind nicht die Erfüllung, dass alles gut wird. Die steht oft noch aus bis zuletzt. Und ich kann nur glauben, dass ALLES gut wird, wenn es etwas gibt über alles hier hinaus. Und das ist, was wir den Himmel nennen.

Ja, aber ist das nicht Vertröstung? Auf den lieben Himmel? Es ist dann Vertröstung, wenn wir hier und heute nicht tun, was in unserer Macht steht, um Leid zu lindern, Böses zu bekämpfen, Krankheit zu heilen. Aber es ist Lüge, wenn wir sagen, dass hier und in diesem Leben alles gut werden wird. Das wird es eben oft und oft nicht. Nein, für mich ist diese Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde jenseits von dieser Erde und ihrem Himmel, die Hoffnung, die mich befreit zu einem engagierten und gelassenen Einsatz hier, ohne in Verzweiflung zu verfallen, weil wir es ja so oft nicht schaffen.

Der Himmel also nicht als Vertröstung, sondern als einziger Trost, der bleibt, und als einzige Hoffnung, die bleibt. Ohne diese Hoffnung und diese Aussicht ist unsere Geschichte nur die Geschichte der Sieger und die Geschichte eines immer weitergehenden Unrechts. Wir dürfen und können auf den Himmel als diesen Ort der Gerechtigkeit, des Friedens, der Versöhnung selbst hoffen. Und wir dürfen, können, ja müssen auf ihn verweisen, dass es ihn gibt und dass er wartet, aber auch schon immer wieder in so vielen Zeichen hier da ist. In der Liebe, in der Barmherzigkeit, in der Versöhnung, in der Hilfe und gütigen Zuwendung.

Darin ist er ja schon jetzt unter uns und wirkt, der Himmel, der liebe Himmel. Gott sei Dank!

Ich wünsche Ihnen eine frohe Hoffnung und ein gelassenes Engagement!
Thomas Gertler SJ

23. November 2016

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