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Die Bibel erzählt uns vom Gott der Fülle, der es dennoch nötig hat, dem Kleinen und Unscheinbaren nachzugehen. Wie ein Schäfer oder eine Hausfrau in ihrem jeweiligen Element, so müht sich Gott geduldig suchend um das Heil des Einzelnen; man möchte ein Schaf oder eine Drachme sein, um solche Freude zu bereiten:

Lk 15,4 - 10

Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Seitwert


© Foto: Marlies Fricke


Herausgefallen

Beim Aufbruch aus dem Freibad muss sie jemand verloren haben, eine Kreuz Dame. Sie liegt mitten auf dem Weg vor den Umkleidekabinen, und irgendjemand trägt nun in seinem Rucksack ein unvollständiges Kartenspiel nach Hause. - Wie traurig war ich damals als Kind über ein einziges fehlendes Puzzleteil, gesucht und abermals gesucht, aber es blieben nur die 999 anderen, die mit einer Lücke mitten im Wolkenhimmel zum Aufkleben einfach keinen Reiz mehr hatten. Erst nach Jahren fand ich das Stückchen Himmel in einer Sofaritze wieder, um es mit einem kurzen Schulterzucken in den Papierkorb zu werfen.

Ein Teil und das Ganze. - Als Menschen leben wir in einer Spannung zwischen dem singulären und dem pluralen Dasein. Jede und jeder ist ein einmaliges Individuum, unverwechselbar, angelegt auf Selbststand, Autonomie und individuelle Entfaltung. Zugleich ist der Mensch ein Gemeinschaftswesen, auf andere angewiesen und auf ein Du angelegt, das zum Wir führt. Solitär und kommunitär sein, Einsamkeit und Gemeinsamkeit – dieses Wechselspiel will immer wieder neu ausbalanciert sein. Angst und Sehnsucht sind dabei oft gleichzeitig Steuermann und können auch in extremes Fahrwasser führen. Es soll Leute geben, die den ganzen Tag im Sozialen Netzwerk aufgehen, aber „nie mit einem Mitmenschen von Wesen zu Wesen geredet haben“ (M. Buber).

Wie schnell gerät jemand aktiv oder passiv in die Isolation, etwa durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit oder aufgrund von Konflikten, Schuld oder Scham, oder einfach, weil die Technik den persönlichen Kontakt vermeintlich ersetzt? Wie schnell ist jemand durch das reale soziale Netz und aus dem vertrauten Ganzen gefallen aufgrund seines Lebensalters oder seiner Herkunft.

Fragen Sie sich hier doch einmal selbst:

  • Wo möchte ich auf keinen Fall herausfallen? - Denken Sie an Ihr Lebensumfeld, an persönliche Beziehungen und Freundschaften, an Partnerschaft, Familie, Nachbarschaft, an Ihre Arbeit und Aufgaben, an Ehrenämter, an den Chor oder die Sportmannschaft, an Whatsapp-Gruppen oder Teams, zu denen Sie gehören.
  • Was bedeutet mir das Eingebundensein und das Dazugehören?
  • Was sind meine Stärken und Charismen im Zusammenspiel mit den Anderen?
  • Wo bin ich schon einmal aus einer Einheit herausgefallen? Wie ging es mir dabei?
  • „Alle sollen eins sein“, so betet Jesus im Kreis der Jünger zu seinem Vater im Himmel (Joh 17,21). Aber wie kann das gehen bei so viel Menschlichkeit, bei so vielen Konflikten und Unzulänglichkeiten? Schön wäre das: alle eins. Aber wie? Jesus betet weiter: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein.“ Es geht also nur mit einer gemeinsamen tiefen, innersten Verankerung – als unvollkommene Menschen in der Fülle Gottes, eine Verankerung in die Liebe zwischen Christus und seinem Vater hinein. „In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet“ (Eph 3,17) kann der Mensch im aufmerksamen Wechselspiel zwischen Individualität und Pluralität freiheitlich seinen Weg gehen.

    Alle sollen eins sein. Ich kenne kein Bild, das dies treffender ausdrückt, als jenes moderne mit dem Titel „Christ en 1000 visages“ (Christus in 1000 Gesichtern), das Jesu Gesicht wie ein Mosaik aus Menschengesichtern zeigt. Tausend Gesichter, und doch geht keines in der Masse unter, weil jedes seinen eigenen Platz im Ganzen hat.

    Alle sollen eins sein. Wenn aber doch eines herausfällt? Im Unterschied zu unserer Kreuz Dame ist ein „herausgefallener“ Mensch, oft wider allen Anschein, niemals wertlos oder unnütz. Das Evangelium legt uns als Geber/in und als Empfänger/in die „Werke der Barmherzigkeit“ ans Herz, um deutlich zu machen, dass niemand aus der Liebe Gottes herausfallen kann. Gott geht jedem, der sich verlaufen hat, besorgt und sehnsüchtig nach, geduldiger als ein Kind, das nach einem Puzzleteil sucht und doch bald wieder abgelenkt ist. Lesen Sie die beiden Gleichnisse (rechts).

    Die Kreuz Dame habe ich übrigens auf eine Sitzbank in der Nähe des Ausgangs gelegt. Vielleicht wird sie ja von jemandem gesucht.

    Herzlich grüßt Sie
    Marlies Fricke (GCL)

    18. Mai 2016

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