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Jakob sucht einen Weg der Versöhnung mit seinem Bruder, den er betrügerisch verletzt hat. Die beiden nähern sich geografisch einander an. Jakobs Familie und Habe ist bereits über den Fluss Jabbok gebracht; Jakob selber kämpft noch einen schmerzlich-heilsamen Ringkampf, aus dem er einen bleibenden Hüftschaden davon trägt, den er akzeptiert:

"Jakob ringt mit dem Engel" - Gustave Doréa, 1855
© Foto: via Wikimedia Commons

Gen 32,25 - 32

32,25 Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg. 26 Als der Mann sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang. 27 Der Mann sagte: Lass mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. 28 Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er. 29 Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen. 30 Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort. 31 Jakob gab dem Ort den Namen Penuël (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen. 32 Die Sonne schien bereits auf ihn, als er durch Penuël zog; er hinkte an seiner Hüfte.

Seitwert
© Foto: Marlies Fricke


Heilung oder Heil

Ein wenig vertrocknet ist es mittlerweile, mein Kräuterbund, das ich am 15. August im Gottesdienst geschenkt bekommen habe. In vielen Gemeinden werden traditionell am Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ Heilkräuter gesegnet, so dass nun auf meinem Balkon Schafgarbe und Rainfarn, Kamille, Johanniskraut und Thymian, ja sogar Getreideähren ihren Duft verbreiten.

„Ist da nicht ein wenig Nostalgie und Magie-Gläubigkeit im Spiel?“ fragt eine Freundin, in der Hand eine frischaufgegossene Tasse Salbeitee mit Blättern aus ebendiesem Kräuterbund. – Und ich erinnere mich, wie meine Großeltern am Himmelfahrtstag nach der Messe ein frisches Krautbund in den Stall hängten und dem Getreidesaatgut gesegnete Körner beigaben. Schon damals habe ich mich gefragt, ob davon etwa Durchfall oder Schweinepest, Schimmel und Hagel abgehalten würden. Aber dieser jährliche Brauch drückte die Bitte um Gottes Schutz für Haus, Hof und Feld aus, für die Gesundheit von Mensch und Tier. Die gesegneten Heilkräuter waren und sind bis heute ein Zeichen des Gottvertrauens und der Alltagsheiligung von der Küche bis in den Kuhstall.

Heute betont das Kräutersammeln zu „Mariä Himmelfahrt“ vor allem auch die Achtung vor Gottes Schöpfung; ist sie doch so schön und reich wie sie ebenso gefährdet ist. Somit kann die Kräutersegnung auch wie ein Erntedankfest verstanden werden, zumal dieses Ritual mit der Person Marias auf die letzte, große Ernte hinweist, bei der das menschliche Leben „in den Himmel aufgenommen“ und in Gott vollendet und verewig wird.

Heilkräuter und -pflanzen können dem ganzheitlichen Wohl (Leib-Geist-Seele) des Menschen dienen, sie lindern Schmerzen, senken Fieber, reinigen Wunden, sie stärken, entgiften, würzen, entwässern, beruhigen. Sie unterstützen wie die schulmedizinischen Mittel Heilungsprozesse. Aber: Sie bleiben im Vorläufigen. „Alle menschlichen Heilungsziele werden nur als vorletzte gesehen“, so der Jesuit und Arzt Eckhard Frick in seinem Buch Sich heilen lassen. „Denn das Heil des Menschen ist größer als die Heilung.“ Das Größte, das Beste steht dem Menschen also noch bevor. Auch darauf weist die Aufnahme Mariens in den Himmel hin. Mit ihrem Sohn Jesus Christus, den wir auch Heiland nennen, ist das Heil Person geworden. „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden“ (Apostelgeschichte 4,12b).

Und was ist mit unheilbaren Wunden und Krankheiten, mit unwiderruflichen Verletzungen und Schädigungen? Pater Frick spricht von der „Annahme der Unheilbarkeit“ als Heilungsmittel. „Der gläubige Mensch lebt diese Annahme der Unheilbarkeit in der Haltung des Gebetes, das Klage und Dank, Widerstand und Ergebung umfasst“. Im letzten „geht es um die Akzeptanz der unheilbaren, unser ganzes Leben lang offen bleibenden Wunde des Sterbenmüssens“.

Kein einfaches Thema für einen kurzen Update-Seele-Impuls. Aber unter dieser Vorläufigkeit sehe ich mein Kräuterbund mit neuen Augen, als Verweis auf Größeres, den Größten, der uns nicht heillos in dieser Welt und in dieser Kirche lässt, sondern der mit uns, in uns und durch uns lebt. „Und in keinem anderen ist das Heil zu finden“ (Apg 4,12a). Längst leuchtet es auf – vielleicht sogar in einer Tasse Salbeitee. Der gehört ab jetzt jedenfalls zu meiner „spirituellen Hausapotheke“ dazu.

Mit frohen Spätsommergrüßen
Marlies Fricke, GCL

26. August 2015

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