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Der Begegnung des auferstandenen Christus mit seinen Jüngern im Johannesevangelium beschreibt am kürzesten und prägnantesten diesen österlichen Umschwung von einer unversöhnten und unheilen zu einer geheilten Welt. Die Jünger sind verschlossen, voller Angst, Unfrieden und schlechtem Gewissen, denn sie haben Jesus verlassen, verraten, verleugnet und verkauft. Versagt auf der ganzen Linie. Sie empfangen von Jesus Frieden, Vergebung, Freude, Mut, neue Gemeinschaft, den Heiligen Geist, Sendung oder Mission und die Gabe der Vergebung.

Mit dem Wort: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben!“, ist zuerst das Sakrament der Sündenvergebung gemeint, nämlich die Taufe. Dazu dürfen sie zulassen. Aber selbstverständlich empfangen sie, denen vergeben wurde, auch die Gabe, denen zu vergeben, die an ihnen schuldig geworden sind.

Joh 20,19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

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Gerd Altmann / pixelio.de


Heile Welt 

Es war der Abschlussgottesdienst einer begeisternden Veranstaltung. Alle waren froh und glücklich. So ungefähr 200 hauptsächlich junge Leute waren zusammen. Nach der Predigt waren wir eingeladen, frei Fürbitten zu formulieren. Obwohl es lange Jahre her ist, klingt mir eine Bitte noch im Ohr: „Dass Du meinen Eltern all das vergelten mögest, was sie mir Schlimmes angetan haben!“ Einerseits so unerwartet, dass alle antworteten: „Wir bitten dich erhöre uns!“ Und dass es komisch und zum Lachen war. Andererseits ein Schock, ein Schreck und ein Tabubruch. Das kann man nicht öffentlich sagen, auch wenn man sich ganz nah und vertraut fühlt und meint, alles sagen zu können. 

Und doch hatte der junge Mann ja Recht. Wie sehr mag ihm die Bitte von Herzen gekommen sein? Wie viele, die das jetzt lesen, mögen dieser Bitte innerlich zustimmen? Auch wenn er wohl gemeint hatte, dass Gott seinen Eltern alles vergeben, nicht vergelten möge, was sie ihm Schlimmes angetan haben. Die Fürbitte hat auch etwas gesagt, was oft gar nicht bewusst ist. Die tiefsten Verletzungen empfangen wir von denen, die uns am nächsten sind. Und das sind Eltern, Geschwister und eigene Kinder. Das sind gute Freunde und Freundinnen. Das sind gerade die Liebsten, ob verheiratet oder nicht. Das können auch die Lehrer und Lehrerinnen, auch die Klassenkameraden sein. Überall da, wo große Nähe ist, da kann es auch tiefe Wunden geben. 

Für Kinder sind solche Verletzungen besonders schlimm, weil sie innerlich ganz und gar mit den Eltern verbunden und von ihnen abhängig sind, weil sie sie lieben wollen. Denn ihnen verdanken sie ihr Leben. Sie sind der Ort in der Welt sind, wo sie hin gehören. Darum können sie das Furchtbare oft gar nicht wahrnehmen und vielleicht erst richtig als längst Erwachsene erkennen, was die Eltern ihnen (gar nicht immer mit Absicht und bösem Willen) angetan haben. Oft sogar erst nach dem Tod der Eltern, wird das zu Tränen, was man sich als etwas Komisches oder Seltsames, aber gar nicht als Schreckliches und Verletzendes eingestehen konnte. Jeder möchte und sollte eine gute und heile Kindheit haben.  

Dass du meinen Eltern all das vergeben mögest… Ist das möglich – die Vergebung? Vergebung ist nur möglich, wenn das Böse erkannt ist und auch benannt, also ausgesprochen ist. Es muss also schon heraus kommen. Es muss ein gewisses Maß an Öffentlichkeit haben. Mindestens zwischen den unmittelbar Beteiligten. Zwischen dem Vater und dem Sohn, der vom Vater schwerstens verprügelt wurde. Es kann sein, der Vater erkennt es nicht als Unrecht an. Er will darum gar keine Vergebung. Dann bleibt diese Last auf ihm. Der Sohn kann ihm aber dennoch vergeben. Weil er sieht, dass der alte Vater zur Einsicht nicht fähig ist. Der Sohn tut den Schritt. Er bleibt einseitig. Es bleibt gewissermaßen in der Schwebe. Aber der Sohn muss sich nun nicht mehr als Opfer fühlen. Er muss sich nicht mehr von diesem Unrecht her definieren. Er kann anders leben. Er wird frei. Der Vater lebt in der Lüge. 

Wenn es beiderseitig möglich ist, wenn Schuld erkannt, ausgesprochen anerkannt, ausgesprochen ist, wenn Vergebung erbeten, Vergebung gewährt, ja besser geschenkt wird, dann kann wirklich Neues entstehen. Eine neue Beziehung. Ein Neubeginn. Und es wird dann die Beziehung tiefer als sie vorher war. Das ist wirklich etwas von Ostern. Da geschieht Auferstehung. Neue Welt. Heilung der Welt. Wie sehr freut es mich, davon auch nur zu schreiben. So wie es mir vorher schwer war, dieses Zerwürfnis zu beschreiben und innerlich zu spüren. Welch ein Trost ist ein solcher Neubeginn! Welch eine Hoffnung! Wenn das zwischen Liebenden geschieht. O welch ein Fest! Denken Sie an die Reidersche Tafel: Vater und Sohn reichen einander die Hand. Gott und Mensch versöhnen sich. 

Ostern kann ganz von daher beschrieben und verstanden werden als Versöhnung, als Neubeginn, als Vergebung. Und darum gehört zu Ostern auch das Sakrament der Versöhnung, bekannter als die Beichte, die Osterbeichte. Manche denken, wenn ich vergebe, dann vergebe ich mir etwas, dann wird mein Stolz verletzt. Dann erniedrige ich mich. Ich kenne Menschen, die nicht vergeben können und niemals eigene Schuld zugeben können. Sie auch? Sie bleiben bestimmt von der Unversöhntheit. Da wächst nichts mehr Neues. Da bleibt alles bei dieser schlimmen Tat stehen. Es geht nicht weiter. Immer bleibe ich Opfer. Immer weigere ich mich, Täter gewesen zu sein. Vergebung schafft Raum zum neuen Leben. Es ist eigentlich unmöglich, aber es geschieht. Und da wird dann wirklich die Welt heil. Wenigstens an dieser Stelle. 

Wie sehr möchte Gott das Fest der Versöhnung feiern. Feiern Sie mit!

11.05.2011

Thomas Gertler SJ     

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