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Wie schön sind die Mauern Jerusalems. Wie freut sich der Pilger, wenn er sie sieht. Mauern, die bergen und schützen. Die aufnehmen und Gastfreundschaft bieten. Wie schön ist es heim zu kommen. Das besingt der Psalm 122.

Jerusalem während des Paschafestes

Ps 122,1 [Ein Wallfahrtslied Davids.] Ich freute mich, als man mir sagte: / «Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.»

2 Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: /

3 Jerusalem, du starke Stadt, / dicht gebaut und fest gefügt.

4 Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn, / wie es Israel geboten ist, / den Namen des Herrn zu preisen.

5 Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht, / die Throne des Hauses David.

6 Erbittet für Jerusalem Frieden! / Wer dich liebt, sei in dir geborgen.

7 Friede wohne in deinen Mauern, / in deinen Häusern Geborgenheit.

8 Wegen meiner Brüder und Freunde / will ich sagen: In dir sei Friede.

9 Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, / will ich dir Glück erflehen.

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© Rux


Grenzen sind gut

Nein, auf keinen Fall! Grenzen sind nicht gut! Alle Grenzen sollen fallen! Grenzenlose Freiheit in einem grenzenlosen Europa. „Mister Gorbachev, tear down this wall!“ „Reißen Sie diese Grenze nieder, Herr Gorbatschow!“, rief Ronald Reagan im am 12. Juni 1987. Gut zwei Jahre später geschah es. Welch ein Glück! Und ich habe es erleben dürfen. Alle Grenzen sind da, um zu fallen und niedergerissen zu werden!

Dieser letzte Satz ist sicher falsch und gefährlich, lebensgefährlich. Nur manche Grenzen müssen fallen und überwunden werden, nicht alle. Es gibt Grenzen, die geachtet und beachtet werden müssen, wenn wir nicht untergehen wollen. Und darum geht es mir heute.

Grenzen sind nämlich auch gut. Versuchen Sie einmal, diesen Gedanken zu denken. Grenzen sind auch gut. Ein englisches Sprichwort sagt: „Good fences make good neighbours – gute Zäune machen gute Nachbarn.“ Je enger man zusammen lebt, umso leichter sind Grenzverletzungen möglich, gewollt oder ungewollt. Das führt zu Grenzkonflikten und Kriegen. Sei es zwischen Staaten, sei es zwischen zwei Reihenhäusern, sei es zwischen zwei Schreibtischen. Kennen Sie das?

Wenn jemand meine Grenzen immer wieder verletzt, dann wird das sehr bedrohlich für mich. Ich verschließe mich und ich werde aggressiv. Niemand soll die schönen Rosen in meinem Vorgarten immer wieder zertrampeln. Wut hat es meist mit Grenzverletzungen zu tun. Wut will die Grenze wieder ziehen. Es ist wichtig, dass ich den anderen aufmerksam mache und dafür sorge, dass meine Grenze geachtet wird. Das gilt auch zwischen Eheleuten. Das gilt auch in einem Kloster. Das gilt auch in meinem Büro. Sonst gehen Beziehungen in die Brüche. Ich habe es schon oft erlebt. Und es ist dabei zu bedenken, dass die Fluchtdistanz ziemlich unterschiedlich sein kann. Für den einen ist es nur ein freundschaftliches Klopfen auf die Schulter. Für den anderen kann das schon viel zu nahe sein. Zum Beispiel hat man festgestellt, dass bei den Leuten im Osten die Schlange am Schalter oder in der Kaufhalle viel enger steht als im Westen. Ob das immer noch so ist oder ob sich das inzwischen auf „Westdistanz“ angeglichen hat, sollte mal wieder untersucht werden.

Aber wütend werde ich auch, wenn ich immer wieder gezwungen bin, meine eigenen Grenzen zu überschreiten. Wir haben unser Haus damals in Erfurt selber renoviert. Ich war bereit, jeden Tag eine Stunde mit zu streichen oder zu räumen, aber mehr ging wegen den anderen Arbeiten nicht. Ein Mitbruder hat es immer wieder geschafft, mich zu mehr zu überreden oder einfach den Sachzwang wirken zu lassen. Das habe ich zu oft geschehen lassen. Es hat unser Verhältnis kaputt gemacht. Ich war selbst schuld, weil ich nicht Nein gesagt und die Grenze nicht durchgesetzt habe. Wo lassen Sie sich so überreden oder zwingen, über Ihr Limit zu gehen und die eigene Lebensgestaltung oder Gesundheit zu gefährden? Lassen Sie es nicht immer wieder zu! Auch nicht, ja gerade nicht durch Menschen, die Sie lieben.

Wenn Sie einmal den Schöpfungsbericht im ersten Kapitel der Bibel (Gen 1) lesen, so ist Gott hauptsächlich damit beschäftigt, aus dem Chaos einen Kosmos zu machen. Aus dem Durcheinander eine schöne und harmonische Ordnung. Das geschieht, indem er Grenzen zieht und die Elemente voneinander scheidet. Diese Grenzen bilden dann Lebensräume für Fische, für Vögel, für Landtiere und den Menschen. Das Wasser ist eine Chaosmacht, die immer wieder alle Grenzen überschreitet und alles überschwemmt wie bei der Sintflut. Diesen Wassern setzt Gott eine Grenze, den Strand und das Firmament (= das Feste), die sie nicht überschreiten dürfen (Gen 1, 7-9; Ps 104,9; Spr 8,29). Wenn Sie leben wollen und wenn andere neben Ihnen leben sollen, dann beachten Sie die Grenzen. Grenzen sind etwas Gutes.

Das Gleiche gilt für die Leistungsgrenzen. Schieben Sie sie nicht immer wieder hinaus oder lassen Sie sich dahin bringen, sie zu überschreiten. Sie werden es auf Dauer nicht aushalten.

Grenzen sind gut. Sehen Sie es so, wie Gott es sieht und schafft. Grenzen sollen nicht eingrenzen, sondern Lebensräume schaffen. Grenzen ermöglichen unser Leben. Sie bergen und geben Schutz und Heimat. Überschreiten Sie die Ihren oder die der anderen nicht, sonst endet alles im Chaos und Krieg.

Es wünscht Ihnen und Ihren Grenzen den Frieden

Thomas Gertler SJ
10. April 2013

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