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Heute einmal eine etwas ungewöhnliche Lesung aus dem Buch der Sprichwörter. Hier wird die arbeitsame Frau gepriesen. Der Text ist mehr als 2000 Jahre alt. Und es ist nicht nur das treue Heimchen am Herd, nein, das ist eine wirklich auch außerhalb des Hauses geschäftstüchtige Frau. Sie bewältigt das Leben. Wir sehen Alltag in der Bibel. Hören das Lob der Arbeit in der Bibel. Und das Lob der Frau, die gastfreundlich ist und dem Armen hilft. Es überwiegt das Grün über dem Grau, obwohl es in all der Mühewaltung auch da ist.

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Spr 31,10 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? / Sie übertrifft alle Perlen an Wert.

11 Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie / und es fehlt ihm nicht an Gewinn.

12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses / alle Tage ihres Lebens.

13 Sie sorgt für Wolle und Flachs / und schafft mit emsigen Händen.

14 Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: / Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung.

15 Noch bei Nacht steht sie auf, / um ihrem Haus Speise zu geben / [und den Mägden, was ihnen zusteht].

16 Sie überlegt es und kauft einen Acker, / vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg.

17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft / und macht ihre Arme stark.

18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, / auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht.

19 Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, / ihre Finger fassen die Spindel.

20 Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen / und reicht ihre Hände dem Armen.

21 Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; / denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider.

22 Sie hat sich Decken gefertigt, / Leinen und Purpur sind ihr Gewand.

23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, / wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes.

24 Sie webt Tücher und verkauft sie, / Gürtel liefert sie dem Händler.

25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, / sie spottet der drohenden Zukunft.

26 Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug / und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge.

27 Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, / und isst nicht träge ihr Brot.

28 Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, / auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie:

29 Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, / doch du übertriffst sie alle.

30 Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, / nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.

31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, / ihre Werke soll man am Stadttor loben.

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Graugrün des Alltags

Graugrün ist der Alltag. Grau, weil das heißt, Alltag hebt sich nicht besonders ab, fällt nicht weiter auf. Grau weil das heißt, Alltag hat so ein bisschen was Angestaubtes, von der Arbeit, vom Straßenstaub, von dem, was sich jede Woche so ansammelt. Grün weil der Alltag so das Normale ist wie in der Natur. Und das Normale ist auch das, was uns beheimatet, wo wir so vor uns hin wachsen wie das Gras auf dem Rasen. Grün, weil der Alltag auch immer so was Schönes birgt wie das Gänseblümchen und das Vergissmeinnicht. So das ist für mich die Farbe des Alltags. Und damit ist er schon in etwa beschrieben. Es gibt auch Worte, die das Graue und das Grüne zugleich beinhalten. Das Wort „erledigt“ oder das Wort „geschafft“. Beide haben es so mit der Alltagsarbeit zu tun, wo Dinge erledigt und geschafft werden sollen. Wie bin ich froh, wenn ich wieder etwas erledigt und geschafft habe, dann fühle ich mich im grünen Bereich. Aber wie erledigt, geschafft fühle ich mich nachher oft selbst – so richtig im grauen Bereich.

Alltag ist eben das, was alle Tage haben. Das Gewöhnliche. Das woran ich gewöhnt bin. Worin ich wohne und zu Hause bin. Das ist auch nicht immer so auf dem Höhepunkt weder intellektuell noch spirituell, weder leistungsmäßig noch gefühlsmäßig. Der Alltag hat nichts Faszinierendes. Er ist das, was wir kennen und wo wir gar nicht so genau hinblicken. Keine erhöhte Aufmerksamkeit ist nötig. Es ist aber auch kein Tiefpunkt, kein Schrecken und hoffentlich auch nicht depressiv. Also im Grau das ist auch immer etwas Grünes. Etwas von Wachstum, von Schönheit, von Erfreuendem. Das habe ich ja schon mal geschrieben, ich kann den Tag, den Alltag gar nicht los lassen, ohne dass da noch was Schönes war. Ein Betthupferl, ein Buch, ein kurzes Gespräch am Telefon, ein Gebet. Meist alles zusammen.

Alltag ist das Ordentliche. Im Lateinischen „ordo solitus“, die gewöhnliche, übliche Ordnung. Der Wochentag. So läuft es eben normalerweise. Nichts Außerordentliches, also kein Sonntag, kein Festtag. Man kann auch sagen das Ordinäre. Das heißt auch nichts weiter als ordentlich, gewöhnlich, allerdings mit der Abschattung ins Negative, was im deutschen Wort „gewöhnlich“ auch drin steckt. Ein sehr gewöhnlicher Mensch eben. Da überwiegt dann das Staubige und etwas Dreckige und Verschwitzte. Das ziemlich dicht am Boden ist. Beim Schmutz der Arbeit, der Straßen und der Gehsteige.

Alltag ist das Normale. Da ist wie im Ordentlichen auch die Ordnung oder die Norm drin. Nicht nur die Arbeitsnorm als das tägliche Pensum, das zu leisten ist, sondern auch der Maßstab und die Grundwerte unseres Lebens werden da gelebt und verwirklicht. Beim Alltag macht’s die Masse. Die Menge an Zeit, die da in das Gewöhnliche und seine Werte investiert wird. Das wird einem gar nicht bewusst. Dass die Bahn gewöhnlich kommt. Dass es beim Bäcker normalerweise frische Brötchen gibt. Dass der Gemüsestand gewöhnlich frisches und ehecfreies Gemüse anbietet. Dass Politiker die Wahrheit sagen. Dass Apotheker einem helfende Arzneien verkaufen. Jedem kamen jetzt schon andere Gedanken. Aber gewöhnlich und alltäglich sollte es so sein und ist es wohl so mit Abweichungen dann und wann. Aber normalerweise ist es eben doch das Gute, das einem widerfährt, jedenfalls in unseren Breiten. Gott sei Dank!

Genauso gewöhnlich und alltäglich ist auch das Leben mit Gott. Es hat nicht nur Höhepunkte und etwas Faszinierendes. Es hat zum Glück auch nicht immer den Schrecken und die Angst parat. Nein, auch da ist das Meiste durchschnittlich. Auch da ist die Farbe das Graugrün. Und die haben wir jetzt in der Liturgie: Zeit im Jahreskreis, Farbe Grün (kein Grau, weil Liturgie immer Fest ist, auch im Alltag). Aber auch in der Beziehung mit Gott gibt es diese Zeit des Alltags. Ich bin nicht gerade auf dem Gipfel meiner geistlichen Möglichkeiten, aber auch nicht in der schwarzen Tiefe von Trauer und Gottesferne. Nein, es plätschert so im Gewohnten dahin. Das hat etwas an sich von Beheimatung und dem Stallgeruch von Bethlehem oder der Tischlerwerkstatt von Nazareth, in der nach Überzeugung meiner Kölner Großtante der heilige Joseph Beichtstühle gezimmert haben soll. Aber unser Glaubensalltag hat auch zuweilen so was, was quasi von selbst läuft, und manchmal auch etwas Gottvergessenes wie so ein tägliches Tischgebet, das gar nicht mehr weiß, dass es Gebet ist. Es kippt ab in die reine Gewohnheit, ins Plappern und Klappern.

Worüber ich immer mal wieder staune ist, dass Gott sich genau darauf einlässt. Dass der faszinierende und furchtbare Gott auch einer des Alltags und der Arbeit ist. Jesus sagt es an einer Stelle: „Mein Vater müht sich bis zur Stunde und auch ich mühe mich“ (Joh 5,17). Unser Ordensgründer hat das so gesehen, dass Gott sich verhält, wie jemand der arbeitet, und zwar für uns (Geistliche Übungen Nr. 236: „Erwägen, wie Gott sich in allen geschaffenen Dingen auf dem Angesicht der Erde für mich müht und arbeitet, das heißt ‚sich in der Weise eines Arbeitenden verhält’…“). Also ein Gott des Alltags, der Mühe, des Sorgens und des Gewöhnlichen. Mitten zwischen den Kochtöpfen finden wir Gott, wie Teresa von Avila sagt.

Das entdecken wir auch in den Gleichnissen Jesu. Sie haben so oft das Alltägliche im Blick. Die Hausfrau, die Brot backt und Sauerteig zu Hilfe nimmt. Der Bauer, der das Feld bestellt und Samen aussät. Der Verwalter, der leider seinen Arbeitgeber über das Ohr haut. Der Hirt, der auf seine Schafe aufpasst. Die Blumen des Feldes und die Vögel am Himmel werden für Jesus zum Bild für Vertrauen und Sorge Gottes. Das gewöhnliche Graugrün des Alltags kommt immerzu bei Jesus zur Sprache und wird ihm durchsichtig auf Gott seinen Vater hin.

Wir sehen dieses Wirken Gottes in allem Alltäglichen nicht so leicht wie Jesus. Wir müssen das üben und es geht mühsam. Wir müssen aufmerksam sein und ihm Raum geben in unserem Leben. Täglich mindestens einmal aussteigen aus dem sich immer schneller drehenden Rad der Arbeit und Abstand nehmen. Und dieses Abstandnehmen, dieses Stillwerden, dieses Schweigen und Hören, das lässt Ihn uns wahrnehmen mitten in unserm alltäglichen Leben. Er ist da. Er kommt vor. Er müht sich ja in allem. Aber wir müssen ihn hervorkommen lassen… Dann sehen wir, wie er sich müht in allen Dingen und um uns.

29.06.2011

Dass Sie das sehen können, wünscht Ihnen
Thomas Gertler SJ

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