Sie sind hier: {$rootlineLinkWrap}updateseele.de{$rootlineLinkWrap}Impuls der WocheGottes Lohn - Gottes Strafe
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Im 18. Kapitel des Buches Ezechiel geht es darum, dass das Böse durch die Umkehr ein Ende finden und seine Tendenz zum Nichts und zum Tod unterbrochen werden kann. Ganz im Unterschied zu der damals weit verbreiteten Auffassung, dass das Böse gestraft wird auch noch an den Folgegenerationen. Eine Auffassung, die auch ihre Wahrheit hat, denn die Folgen von verbrecherischem Handeln gehen tatsächlich immer noch weiter. Man muss nur daran denken, welche Folgen für Deutschland die Nazizeit mit ihren Verbrechen gehabt hat und noch immer hat. Aber Ezechiel lehrt hier, dass Gott gerecht ist, dass es bei ihm keine Sippenhaft gibt, dass er tatsächlich Umkehr und Leben will und schenkt, nicht den Tod. Und dass nicht ganze Generationen weiter gestraft werden, sondern nur der Einzelne, der nicht umkehrt. Es lohnt sich, das Kapitel ganz zu lesen, nicht nur den Abschnitt, den ich hier zitiere.

Ez 18,1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Wie kommt ihr dazu, im Land Israel das Sprichwort zu gebrauchen: Die Väter essen saure Trauben und den Söhnen werden die Zähne stumpf? 3 So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn -, keiner von euch in Israel soll mehr dieses Sprichwort gebrauchen. 

19 Ihr fragt: Warum trägt der Sohn nicht mit an der Schuld seines Vaters? Weil der Sohn nach Recht und Gerechtigkeit gehandelt hat. Er hat auf alle meine Gesetze geachtet und sie befolgt. Er wird bestimmt am Leben bleiben. 

20 Nur wer sündigt, soll sterben. Ein Sohn soll nicht die Schuld seines Vaters tragen und ein Vater nicht die Schuld seines Sohnes. Die Gerechtigkeit kommt nur dem Gerechten zugute und die Schuld lastet nur auf dem Schuldigen. 

21 Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet, auf alle meine Gesetze achtet und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, dann wird er bestimmt am Leben bleiben und nicht sterben. 

22 Keines der Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, wird ihm angerechnet. Wegen seiner Gerechtigkeit wird er am Leben bleiben. 

23 Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen - Spruch Gottes, des Herrn - und nicht vielmehr daran, dass er seine bösen Wege verlässt und so am Leben bleibt? 

24 Wenn jedoch ein Gerechter sein rechtschaffenes Leben aufgibt, wenn er Unrecht tut und all die Gräueltaten begeht, die auch der Böse verübt, sollte er dann etwa am Leben bleiben? Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet. Wegen seiner Treulosigkeit und wegen der Sünde, die er begangen hat, ihretwegen muss er sterben. 

25 Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. 

26 Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. 

27 Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. 

28 Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben. 

29 Das Haus Israel aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Mein Verhalten soll nicht richtig sein, ihr vom Haus Israel? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. 

30 Darum will ich euch richten, jeden nach seinem Verhalten, ihr vom Haus Israel - Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, wendet euch ab von all euren Vergehen! Sie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Sünde zu fallen.

31 Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? 

32 Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss - Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt. 

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Gottes Lohn – Gottes Strafe 

Von beidem ist sogar noch in unserem Alltag die Rede. Aber häufig nicht sehr ernst. Wenn jemand um Gottes Lohn arbeitet, heißt das, er bekommt nichts. Von Gottes Strafe sprechen wir dann, wenn jemandem, der nicht sehr vernünftig gelebt hat oder immer wieder irgendwelche Verstöße begangen hat, ein Unglück widerfährt. „Das war Gottes Strafe“, sagen wir dann. 

Wie ist das wirklich damit? Was denken Sie? Gibt es Gottes Lohn und Gottes Strafe? 

Ich habe meine eigene Auffassung davon, die ich Ihnen gern einmal vortragen möchte. Ich weiß gar nicht, wie rechtgläubig sie ist. Aber in einigem hat sie sicher Recht. Meine These ist folgende: Gott lohnt oder straft nicht, wie das Eltern oft tun. „Weil Du Deine Hausaufgaben nicht erledigt hast, bekommst Du keinen Nachtisch!“ „Weil Du Dein Zimmer so schön aufgeräumt hast, bekommst Du Dein Lieblingseis!“ Strafe und Lohn kommen zusätzlich und nachher. So ist es nicht bei Gott. 

Vielmehr hat Gott die Welt so geschaffen, dass sich das Gute lohnt und das Böse sich selbst straft. Ganz einfach am Beispiel von Wahrheit und Lüge. Da kann es jeder bei sich selbst überprüfen. Wer lügt (hier ist nicht so sehr die Verlegenheits- oder Höflichkeitslüge gemeint, sondern dauerndes und tief greifendes Lügen), der verbirgt nicht nur anderen die Wahrheit, sondern auf die Dauer auch sich selbst. Wer lügt wird auf die Dauer blind für die Wahrheit. Wer lügt, der verstrickt sich immer mehr in einem Netz der Lüge. Er muss immer mehr lügen, um die erste Lüge aufrecht erhalten zu können. Wer lügt, der zerstört das Vertrauen seiner Mitmenschen. Der zerstört Beziehungen. Zuerst in sich selbst. Ja, der Mensch lebt in einem Dauerkonflikt mit sich selbst und seinem Gewissen. Er kann daran krank werden. Er kann sein Gewissen töten und gewissenlos werden. Damit verliert er immer mehr die Möglichkeit zur Umkehr und zur Einsicht. Dann wenn das Lügen offenbar wird, zerstört er damit die Beziehung auch zu den Mitmenschen. Wer ständig lügt, hat selbst immer das Gefühl, belogen zu werden. Er misstraut den anderen. Er glaubt immer weniger, dass es Wahrheit überhaupt gibt.  

Das kann ein ganzes System werden. Die DDR war ein solches Lügensystem. So hat zum Beispiel – davon bin ich überzeugt – niemand die tatsächliche Zahl der Ausreiseanträge gekannt, auch die Stasi nicht. Denn die örtlichen Behörden bekamen Ärger, wenn es zu viele waren. Das warf ja ein schlechtes Licht auf den Ortsteil, wenn zu viele dort weg wollten. Man hat dann zum Teil den Leuten einfach gesagt: „Sie sind gar nicht berechtigt, einen Ausreiseantrag zu stellen.“ Oder hat ihn einfach unter den Tisch fallen lassen usw. Die realen Zahlen wurden nicht weitergegeben. Auf allen Gebieten, sei es die Wirtschaft, sei es die Produktion, seien es die Wahlen. Überall Lüge. Und damit scheitert die Lüge am Ende auch immer an der Wirklichkeit. 

So liegt die Strafe für das Böse in dem Bösen selbst. Wer unmenschlich handelt, der wird selbst zum Unmenschen. Der tut nicht nur anderen Schreckliches an, sondern auch sich selbst. Er tötet das Menschliche in sich selbst. Er wird zu einem seelenlosen Roboter. 

Genauso umgekehrt. Die Wahrheit lohnt sich. Wer sich bemüht, ein wahrhafter Mensch zu sein, der wird auch immer geübter darin, die Wahrheit zu erkennen. Der scheitert dann auch nicht an der Wirklichkeit. Der sagt auch anderen die Wahrheit. Dabei müsste hier nun ein eigenes Kapitel darüber geschrieben werden, wie man dem anderen die schwere Wahrheit so sagt, dass er/sie die Wahrheit annehmen kann, ohne daran zu zerbrechen, sondern im Gegenteil, dass er/sie daran wachsen kann. Wer die Wahrheit sagt, der wird auch nicht leicht umgestoßen. Der kann dazu stehen. Die Wahrheit hält und ist stark. Wer die Wahrheit sagt, gewinnt auch das Vertrauen der anderen. Der gilt als verlässlich und vertrauenswürdig. Wem Vertrauen begegnet, der kann auch selbst vertrauen. Das Gute lohnt sich. Freilich ist es nicht immer leicht. Es kostet Überwindung. Ich muss mich auch der Wahrheit über mich selbst stellen. Ich muss auch die Wahrheit anerkennen, die andere über mich äußern. Alles das ist nicht leicht. Aber es stellt mich mehr in die Wahrheit. Und das führt mich zugleich in die Freiheit. Und wie das Böse immer anderen schadet, so hilft das Gute auch immer anderen. Es lohnt sich und es breitet das Gute aus.  

Reicht das aber? Das Böse fügt ja so vielen Schlimmes und Schlimmstes zu. Ist es gerecht bestraft mit der Strafe, die das Böse in sich selbst trägt? Muss es nicht darüber hinaus eine Strafe geben? Oder wie soll dann alles wieder gut werden? Reicht dazu das Gute, das getan wird? Was ist Ihre Meinung? Welche Erfahrungen haben Sie mit gut und böse gemacht? Mit Lüge und Wahrheit? Sicherlich ist da noch mehr zu bedenken. Aber für heute soll es genügen. 

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie die Kraft und Ansteckung des Guten stärker und tiefer erfahren haben als Kraft und Ansteckung des Bösen.

06.04.2011 

Thomas Gertler SJ

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