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Zwanghafte Nähe und Bewachung machen eng und misstrauisch. Kann Gottes Anwesenheit einengen? Der Psalmist formuliert seine Erfahrungen als Gebet, voll von Staunen, Vertrauen und Dankbarkeit:

© Wikimedia Commons

Ps 139, 1-18;23-24

139,1 Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. /
2 Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. / Von fern erkennst du meine Gedanken.
3 Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; /du bist vertraut mit all meinen Wegen.
4 Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - / du, Herr, kennst es bereits.
5 Du umschließt mich von allen Seiten / und legst deine Hand auf mich.
6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, / zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
7 Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, / wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?
8 Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; / bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.
9 Nehme ich die Flügel des Morgenrots / und lasse mich nieder am äußersten Meer,
10 auch dort wird deine Hand mich ergreifen / und deine Rechte mich fassen.
11 Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, / statt Licht soll Nacht mich umgeben», /
12 auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag, / die Finsternis wäre wie Licht.
13 Denn du hast mein Inneres geschaffen, / mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
14 Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. / Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.
15 Als ich geformt wurde im Dunkeln, / kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, / waren meine Glieder dir nicht verborgen.
16 Deine Augen sahen, wie ich entstand, / in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, / als noch keiner von ihnen da war.
17 Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken, / wie gewaltig ist ihre Zahl!
18 Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand. / Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.
23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, / prüfe mich und erkenne mein Denken!
24 Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, / und leite mich auf dem altbewährten Weg!

Die letzte Betrachtung im Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola ist die zur Erlangung der Liebe. Hier in der Übersetzung von Hans Urs von Balthasar. Anders gesagt: Wir dürfen nie vergessen, dass wir geliebt und reich beschenkt sind, sonst werden wir elend und bitter. Auch in den schweren Zeiten sollen wir das erinnern. Ignatius hilft uns dabei und auch der Dreiecksteich. Welche Glückserfahrung bei Ihnen?

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© Foto: Harke, www.wikipedia.org


Gottes liebende Ausspähung

Haben Sie auch so einen kleinen „Spion“ in Ihrer Eingangstür? Wenn meine kleine Nichte zu Besuch kommt, möchte sie jedes Mal hochgehoben werden, damit sie durch das kleine Guckloch mit der Vergrößerungslinse nach draußen sehen kann.

Was ist so anziehend daran, etwas oder jemanden zu beobachten, möglichst ohne selbst gesehen zu werden? An alten Häusern sehen wir heute noch die Ausluchten oder auf niederdeutsch Utluchten, befensterte Vorsprünge aus der Hausfront, die den Bewohnern Einblick in die Straße nach allen Seiten geben. Diese Erker waren das „Fernsehen“ früherer Generationen und sind gleichzeitig die Vorläufer unserer Türspione und Überwachungskameras. Einen Über- und Vorausblick zu haben, das bedeutet schließlich von je her sicherer und informierter zu sein.

Auf der anderen Seite tun sich Viele schwer damit, beobachtet zu werden. Gerade jetzt in der Sommer- und Grillzeit sollen dichte Zweimeterhecken oder phantasievoll gestaltete Sichtschutzwände vor den Blicken der Nachbarn schützen. Mir persönlich ist es immer ein wenig mulmig, wenn ich mich von einer Kamera beobachtet weiß, etwa am Geldautomaten oder wenn ich den Knopf einer Klingelanlage mit Überwachungskamera drücke. Manchen wiederum macht das gar nichts aus. Ich bewundere die Urlauber auf den Campingplätzen oder die Jakobspilger in den Refugien, die sich so selbstverständlich mauer- und zaunlos zusammenfinden und ein Stück Leben oder Weg miteinander teilen. Vielleicht sollte ich das auch einmal ausprobieren!

Wir Menschen sind unterschiedlich in unseren Gewohnheiten und Bedürfnissen. Es bleibt wohl für jeden eine immer wieder individuell zu findende Balance zwischen Nähe und Distanz, zwischen Sichtbarkeit und Rückzug. Jeder von uns kennt das Verlangen, gesehen, angesehen und nicht übersehen zu werden. Und jeder von uns kennt das Verlangen nach schützender Verborgenheit, auf die niemand anderes ohne weiteres Zugriff hat. Kleine Kinder bauen sich zwar gerne „Höhlen“ oder „Buden“, in die sie sich verkriechen, aber wehe, wenn sie in ihrer Aktivität zu lange von den Erwachsenen nicht wahrgenommen werden!

Die Weltgesellschaft diskutiert den „gläsernen Menschen“, empört sich über die NSA-Ausspähaffäre und spekuliert über Löcher in den Geheimdiensten. Aber wie selbstverständlich werden anderseits persönliche Dinge - meist unwiderruflich - im weltweiten Netz preisgegeben!

Unsere Mobiltelefone mit Mikro und Kamera geben, selbst im ausgeschalteten Zustand, über unsere intimsten Eigenschaften Auskunft, sogar über „unseren Zustand, unsere Stimmung, den Takt unseres Nervensystems“, so die FAZ. „So wird das Gerät, von dem wir glauben, es trüge die digitale Freiheit in sich, zur digitalen Fußfessel“. Und dieses Gerät beten wir dafür auch noch an, so die Tageszeitung.

In welche Nebenspuren kann ich ungewünscht und unwiderruflich geraten, wenn ich eine harmlose Internetadresse anklicke! Wie pervers geben sich oftmals junge Menschen in TV-Castingshows preis, wo ihnen Ansehen und Gewinn vorgegaukelt wird. Am Ende steht oft Enttäuschung und Bloßstellung.

Zum persönlichen Nachsinnen:

  • Wer oder was gibt mir Ansehen und Selbst-Wert, ohne mich zu vereinnahmen?
  • Wer darf mir in die Karten gucken, ohne dass ich das Gefühl habe, ausspioniert zu werden?
  • Wovon würde ich mich gerne befreien?
  • Vielleicht möchten Sie diesen Fragen in der noch verbleibenden Sommer- bzw. Ferienzeit einmal nachgehen?

    Ein Beter im Alten Testament nennt es ein „wunderbares Wissen“, dass er sich Jahwe nirgends und niemals entziehen kann (Psalm 139). Gott, der sich ja „der Ich-bin-da“ nennt, umschließe ihn, den Beter, von allen Seiten und erkenne von fern seine Gedanken. – Ist Gott ein Ausspäher? Ja, er späht - Gott sei Dank! - nach mir aus. Gott späht nach mir aus, wie der barmherzige Vater, der sehnsüchtig auf sein zurückkehrendes Kind wartet (Lukas-Evangelium, 15,20). Während er wartet, schaut er aus, läuft er seinem Sohn sogar entgegen und fällt ihm um den Hals. Kein Ausfragen, kein Vorwurf, kein Bloßstellen. Stattdessen ein Kuss, ein Ring, ein Fest!

    Lesen, nein, beten Sie selbst aus Psalm 139 (siehe rechts) und spüren Sie nach, wie es Ihnen dabei geht. Mir fällt dazu noch ein Gebetswort von Romano Guardini (Priester, gest. 1968 in München) ein:

    Immerfort blickt mich voll Liebe Dein Auge an,
    und ich lebe aus Deinem Blick.
    Du, mein Schöpfer und mein Heil.
    Lehre mich in der Stille Deiner Gegenwart,
    das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin.
    Und dass ich bin durch Dich
    und vor Dir
    und für Dich.

    Eine schöne Restsommerzeit unter Gottes liebendem Blick wünscht Ihnen

    Ihre Marlies Fricke

    28. August 2013

     

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