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Aus: Papst Franziskus, Mein Leben Mein Weg El Jesuita, Herder 2013, 140f.

© Dcastor - Wikimedia

Ich will an Gott den Vater glauben, der mich wie einen Sohn liebt, an Jesus Christus, den Herrn, der seinen Heiligen Geist in mein Leben eingoss, um mir ein Lächeln zu schenken und mich so zum Reich des ewigen Lebens zu führen.

Ich glaube an meine Geschichte, die von dem Blick eines liebenden Gottes durchdrungen ist, der an einem Frühlingstag, dem 21. September, mich traf und mich einlud, ihm nachzufolgen.

Ich glaube an meinen Schmerz, der durch den Egoismus, in den ich mich flüchte, unfruchtbar wird.

Ich glaube an die Armseligkeit meiner Seele, die aufzunehmen versucht, ohne zu geben ... ohne zu geben ...

Ich glaube, dass die anderen Menschen gut sind, dass ich sie ohne Furcht lieben müsste, ohne sie jemals zu verraten, um damit eine Sicherheit für mich zu suchen.

Ich glaube an das Leben aus dem Glauben.

Ich glaube, dass ich viel Liebe schenken möchte.

Ich glaube an den täglichen Tod, der mich aufzehrt und den ich fliehe, der mich aber dennoch anlächelt und mich einlädt, ihn zu akzeptieren.

Ich glaube an die Geduld Gottes, die mich aufnimmt und die gut ist wie eine Sommernacht.

Ich glaube, dass Papa bei Gott im Himmel ist.

Ich glaube, dass Padre Duarte auch dort ist und für mein Priestertum betet.

Ich glaube an Maria, meine Mutter, die mich liebt und mich niemals alleinlassen wird.

Und ich erwarte die Überraschung eines jeden neuen Tages, in welcher sich die Liebe, die Kraft, der Verrat und die Sünde zeigt, die mich begleiten werden bis zu jener endgültigen Begegnung mit diesem wunderbaren Antlitz, von dem ich nicht weiß, wie es ist, dem ich andauernd entfliehe, das ich aber kenne und lieben möchte. Amen.

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"Gottes Kraft geht alle Wege mit"

(Alfred Delp SJ)


„Ich glaube an meine Geschichte, die durchdrungen ist von dem Blick eines liebenden Gottes,

der an einem Frühlingstag, dem 21. September, mich traf und mich einlud, ihm nachzufolgen.“

Dieser Satz gehört zum persönlichen „Glaubensbekenntnis“ von Jorge Mario Bergoglio SJ, dem heutigen Papst Franziskus. Mit „Geschichte“ ist hier gewiss nicht einfach eine lineare Chronologie gemeint, sondern das ganze äußere und innere Leben eines Menschen mit Höhen und Tiefen, mit Freuden und Schmerzen,  auch mit dem Kreuz. So „erwartet“ Bergoglio, ebenfalls in seinem Credo (s. rechts), „die Überraschung eines jeden neuen Tages, in welcher sich die Liebe, die Kraft, der Verrat und die Sünde zeigt“.

Liebe – Kraft – Verrat – Sünde – die Bandbreite menschlicher Existenz. Dazu fällt mir ein Bild von Renata Al-Ghoul ein (Farbgebiete). Die Künstlerin hat mit dem Motiv des Löwenzahns eine Allegorie auf „Das letzte Abendmahl“ geschaffen: Dreizehn Gestalten um einen Tisch, jede als Löwenzahnblume mit Stiel und Blütenkopf darstellt. Die eine sieht man in grüner Knospe, andere in voller goldgelber Blüte, wieder andere als flaumige Pusteblume. Die Hauptgestalt (Jesus) überragt die anderen, während sie ihren letzten Samen von ihrem Blütenstand ablöst und verstreut. Der Stiel einer weiteren Gestalt (Judas) ist geknickt, so dass ihre Blüte verwelkt herunter hängt. -  Ist nicht jedes Menschenleben solchen Stadien bzw. solchen Zyklen unterworfen? „An meine Geschichte glauben“, heißt, an eben diesen Weg glauben, den Gott mit seiner Kraft mitgeht: in Knospe, Blüte und Fruchtbarkeit, in Gebrochensein, in Schuld und im Neuanfang. Und das alles hat Platz am Tisch Gottes.

Christine Busta sagt das entsprechend mit ihren Dichterworten:

EINER, DER WEISS,

was alles mit dem Leben geschehn kann;

geht auch den verschwundenen Flüssen nach

unterm Karst.


Bergoglios Glaubenssatz von oben wird noch präziser: Er glaubt an den Blick eines liebenden Gottes, „der an einem Frühlingstag, dem 21. September, mich traf und mich einlud, ihm nachzufolgen.“ Damals, als Chemiestudent, betrat er eher zufällig eine Kirche, wo ein Priester, Padre Duarte, ihm so positiv auffiel, dass er bei diesem beichtete. Dabei machte Bergoglio eine innere Erfahrung, die sein Leben in eine ganz neue Richtung brachte. Bald folgte sein Eintritt in den Jesuitenorden.

Bergoglios „21. September“ - ja, es gibt solche Wende-Daten wohl in jedem Leben. Fällt Ihnen auch solch ein Datum ein, das Sie so nennen würden? Der Tag etwa, als der Umzugswagen kam, der Tag einer wichtigen Entscheidung oder Veränderung? Das Datum eines Abschieds oder Neuanfangs? Das Kennenlernen Ihrer ersten großen Liebe? Oder der Geburts- oder Todestag eines geliebten Menschen?

Das Erinnern von Wende-Tagen ist wichtig für den Einzelnen wie auch kollektiv. Wer verbindet nicht mit dem 8. Mai (1945, Kriegsende) ein bestimmtes Gefühl oder gar noch Erinnerungen? Oder global mit dem 11. September? Welchen Deutschen rührt nicht der 9. November als Datum für mehrere politische Wendepunkte (zuletzt der Mauerfall 1989) an? Und in der Bibel? Das höchste Fest der Juden, das Paschafest, ist von Jahwe selbst datiert. Seinem Volk in der ägyptischen Sklaverei hatte er Monat und Tag vorgeschrieben, an dem das Lamm gegessen und damit der Auszug aus dem Land vorbereitet werden sollte (Exodus 12). „Diesen Tag“, den Befreiungstag aus der Sklaverei also, „ sollt ihr als Gedenktag begehen. () Für die kommenden Generationen macht euch diese Feier zur festen Regel.“ Dreizehnhundert Jahre später, „zur Zeit des Königs Herodes“ wird in Judäa Jesus geboren. Das ist christlich gesehen die größte Wende in der Menschheitsgeschichte; Zeiten-Wende, seit der wir die Jahre „nach Christus“ zählen.

Wende-Tage sind oft Wandlungs-Tage. Sie laden ein, das Mitgehen Gottes in meiner Geschichte im Rückblick immer tiefer zu erkennen. Der Löwenzahn, der sich auf faszinierende Weise zur Pusteblume wandelt, kann Sinnbild sein für unsere fortwährende - und einmal letzte - Wandlung, hinein in immer wieder neues und einmal endgültiges Leben in Gott. Eine kleine Szene mag das verdeutlichen: Nach der Beerdigung der Großmutter fragt ein fünfjähriges Mädchen seine Eltern: „Wo ist Oma denn jetzt?“ „Oma ist beim lieben Gott“, antwortet der Vater. „Ach so“, erwidert die Kleine. „Ich dachte schon, sie wäre tot.“

Und wann feiern Sie Ihren nächsten Wende-Tag? Ich wünsche Ihnen die Entdeckung, dass Gottes Kraft gerade an den Wendepunkten Ihres Lebens mitgegangen ist und mitgeht.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Marlies Fricke

10. Juli 2013

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