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Wir wissen nicht, warum Thomas nicht dabei war, als Jesus nach seiner Auferstehung zum ersten Mal wieder bei den Jüngern war. Vielleicht sollte es so sein, damit Einer nachfragt und nicht alle verängstigt-fraglos zustimmen. Jesus nimmt die Zweifel des Thomas (des Menschen) ernst, lässt sich anfassen und lädt zum Wachsen im Glauben ein:

© Foto: Rufus46 via Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Joh. 20, 24 24- 28

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. 26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

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© Foto: Thomas Gertler


Gott lässt sich anfassen

Wer kennt sie nicht, die „Erschaffung des Adam“ von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle? Weil dieses Bild als Deko- und Werbeartikel mittlerweile so verbraucht ist, freue ich mich, dass es nun an einer zentralen Stelle im ursprünglichen, christlichen Sinn auftaucht: ganz vorne im frischgedruckten GOTTESLOB, dem neuen katholischen Gebet- und Gesangbuch. Plötzlich schaue ich neu hin! Denn dieses römische Bild aus dem 16. Jahrhundert ist für mich auch ein Osterbild.

Eigentlich sind wir ja über die „Erschaffung des Adam“ hinweg. Die Distanz, die der Maler hier zwischen den beiden Händen gelassen hat, ist längst überwunden; wir sind Geschöpfe Gottes, die den Atem und Lebensfunken des Schöpfers längst in uns tragen. Gott nähert sich uns nicht nur an, er berührt uns nicht nur, sondern er ergreift uns und hält uns fest, so wie Luftakrobaten im Zirkus sich auffangen und festhalten. Nicht im freien Fall lässt Gott uns, sondern er gibt uns Nähr- und Lebensboden, Fundament und Sicherheit. „Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte“ (Psalm 40).

Die Distanz ist längst überwunden. Und: Wir sind nicht nur geschaffen als „Abbild Gottes“, wie es im Alten Testament (Genesis 1,27) heißt. Nein, wir sind sogar erlöst. Sonst würde zur Bibel nicht das zweite, das Neues Testament, gehören, das von Jesus Christus, dem Erlöser, von seiner Menschwerdung, seinem Leben und Leiden, seinem Sterben und Auferstehen berichtet. Durch die Feier der Ostergeheimnisse dürfen wir uns des Erlöst-seins wieder neu und tiefer bewusst werden, zum Beispiel durch die Tauferneuerung oder das ebenso schlichte wie ungeheure Bekenntnis „Jesus lebt!“.

Aber wenn die Distanz doch nicht überwunden ist? Wenn Gottes Lebensfunke doch nicht (mehr) in uns spürbar ist? Erleben wir uns nicht oft genug leer wie ein Einwegfeuerzeug? Verbraucht und nutzlos? Weit weg von tragender Gottesnähe und Glaubensfreude? Kennen wir nicht zu gut auch Erschlaffung, Mutlosigkeit und (Glaubens-)Zweifel?

Andere tastende Hände stellt uns die Bibel vor Augen: die des Apostels Thomas, dem die Nachricht von der Auferstehung nicht geheuer ist, solange er nicht Jesu Wunden angefasst hat. (Lesen Sie rechts.) Ja, Gott lässt sich anfassen, denn er weiß um unsere Unsicherheit und Bedürftigkeit. „Osterbedürftig“ sei sie, so die Schriftstellerin Sarah Khan (Christ & Welt / Die Zeit 17/2014), seitdem sie ihren 29-jährigen Bruder begraben hat. „Ostern ist ein altes, weises Fest, es weiß um den Tod und um den Schmerz von Trauernden, die jeden neuen Frühling aushalten müssen, die Kraft des Lebens zu spüren.“

Ich glaube, dass auch Gott osterbedürftig ist, allein deshalb, damit wir die Kraft des Lebens – immer wieder neu - spüren. Darum streckt er uns nie endend seine Hand entgegen, denn „in allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort“ (Alfred Delp SJ). „In allem“, das heißt in den täglichen kleinen Toden und Auferweckungen lässt sich seine Hand ergreifen. „Anbetend, hingebend antworten“, das klingt vielleicht zu groß für einen Alltagschristen. Aber es braucht nicht viel. „Mein Herr und mein Gott“ - das mag reichen, wie bei Thomas, staunend oder klagend, dankend oder bittend.

Gottes Hand kommt mir immer entgegen. Das sagt mir auch ein fünfhundert Jahre altes Bild im neuen GOTTESLOB.

Ich wünsche Ihnen eine frohe Osterwoche!
Marlies Fricke

23. April 2014

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