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Adam und Eva haben gegen Gottes Gebot gehandelt. Nun ist die Welt nicht mehr so wie vorher. Die Beziehungen sind alle gestört. Zu Gott. Zueinander. Zur Natur. Wir verstecken uns, weil wir nicht mehr trauen und vertrauen. Gott. Einander. Der Natur. Alles ist getroffen. So schildert es uns das dritte Kapitel der Genesis. Die Sünde wirkt sich aus. Aber Gott verlässt uns nicht. Er bringt uns auf den Weg zurück und er stellt wieder her, was zerbrochen ist und sendet den neuen Adam Jesus Christus.

Thomas Gertler


Gen 3,8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens.

9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?

10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

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© Thomas Gertler


Getroffen

Der Rabbi Salman von Reussen, genannt Raw (Rabbi) sitzt im Gefängnis, weil er angezeigt worden ist. Er wartet auf das Verhör. Der Oberste der Gendarmerie besucht ihn und merkt, dass er keinen gewöhnlichen Gefangenen vor sich hat. Er kam mit ihm ins Gespräch und brachte bald manche Frage vor, die ihm beim Lesen der [Heiligen] Schrift aufgetaucht war. Zuletzt fragte er: „Wie ist das zu verstehen, daß Gott der Allwissende zu Adam spricht: Wo bist du?“ – „Glaubt Ihr daran“, entgegnete der Raw, „daß die Schrift ewig ist und jede Zeit, jedes Geschlecht und jeder Mensch in ihr beschlossen sind?“ „Ich glaube daran“, sagte er. „Nun wohl“, sprach der Zaddik, „in jeder Zeit ruft Gott jeden Menschen an: Wo bist du in deiner Welt? So viele Jahre und Tage von den dir zugemessenen sind vergangen, wie weit bist du derweilen in deiner Welt gekommen? So etwa spricht Gott [jetzt zu dir]: Sechsundvierzig Jahre hast du gelebt, wo hältst du?“

Als der Oberste die Zahl seiner Lebensjahre nennen hört, raffte er sich zusammen, legte dem Raw die Hand auf die Schulter und rief: „Bravo!“ Aber sein Herz flatterte.

Diese Geschichte erzählt Martin Buber (Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre, Heidelberg, 6. Aufl. 1972, 7-8). Der Oberste war zuinnerst getroffen. Er versucht es zu verbergen, indem er sich zusammenreißt und dem Rabbi mit dem offiziersmäßigen „Bravo!“ seine Anerkennung zollt. Aber es hat ihn getroffen. So getroffen, dass sein Herz zittert. Es hat ihn getroffen wie den Adam Gottes rufende Frage im Paradies.

Ganz selbstgewiss und überlegen war der Offizier in das Gespräch gegangen mit seiner tückischen und spöttischen Frage: „Gott ist doch allwissend, wie kann er dann suchend und unwissend nach Adam rufen? Welch ein naives Gottesverständnis hat doch die Bibel! Rabbi, sag mir darauf mal die Antwort!“

Und da antwortet ihm einer, von dem er schon gespürt hatte, dass er kein gewöhnlicher Gefangener war. Da antwortet ihm einer, der die Bibel liest und studiert, der sie in sich einsinken, sich von ihr treffen, in Frage stellen und verwandeln lässt. Denn er glaubt, dass auch er und sein Leben und seine Zeit in der Schrift, in der Schrift als dem Wort Gottes selbst, beschlossen sind. Und aus diesem seinem eigenen Betroffensein trifft der Rabbi auch das Herz des so selbstgewissen und aufgeklärten Obersten.

Freilich, getroffen wird der Oberst erst dadurch, dass der Raw seine Lebensjahre nennt, die er eigentlich gar nicht wissen kann. Da blitzt etwas Erschreckendes auf. Etwas ganz Anderes! Mitten in der Gefängniszelle dieser Welt.

Da trifft’s ihn. Da wird der Frager befragt. Da rückt das Abstrakte und Allgemeine ins Konkrete. Du, ja, Du bist gemeint und gefragt. Wo bist du?

Wo bin ich eigentlich? Das habe ich im letzten Impuls gefragt. Jetzt noch einmal und viel tiefer mit dem Wort des Gottes, der uns sucht. „Adam, wo bist du?“ Oder lassen Sie sich jetzt vom Raw fragen: „Liebe/r … (und hier darf ich laut meinen eigenen Namen und meine Lebensjahre einfügen) hast du gelebt, wo hältst du (dich auf)?“

Und bei dieser Frage darf ich einmal verweilen. Es darf ruhig eine halbe Stunde sein! Sie darf mich treffen. Sie möchte mich aufwecken und munter machen und zuwege bringen.

Mich hat sie auch getroffen: „Thomas, nicht nur 46 sondern 64 von den dir zugemessenen Jahren hast du gelebt, wo hältst du?“

Es grüßt Sie herzlich und dankt Martin Buber
Thomas Gertler SJ

24.04.2013

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