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Diese berühmte Geschichte vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium dürfen wir auch lesen als die Geschichte Gottes mit uns. In Jesus Christus ist Gott selbst der barmherzige Samariter, der sich zum Nächsten dessen macht, der verlassen und verwundet auf dem Weg liegt und an dem der Priester und Levit vorübergehen, aber zu dem der Fremde sich niederbeugt und dem er hilft. Lesen Sie diese Geschichte gerade dann so, wenn Sie sich so fühlen: zerschlagen, verlassen und einsam. Christus ist auf dem Weg zu Ihnen.

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Lk 10,25 Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

26 Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

28 Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben.

29 Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen.

31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter.

32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.

33 Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid,

34 ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.

35 Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?

37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

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Gemeinsam 

In meinem letzten Impuls hatte ich gegen Hermann Hesses Satz: „Jeder ist allein“, am Schluss gesagt: „Keiner ist allein.“ Der Satz gilt jedenfalls für diejenigen, die an Gott glauben. Wir glauben, dass auch in der größten Einsamkeit Gott noch da ist, selbst wenn ich ihn nicht spüre und mich völlig verloren fühle wie Jesus am Ölberg oder am Kreuz, als er ausruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Es gibt diese Augenblicke der völligen Einsamkeit und Verlassenheit und jeder spürt sie in bestimmten Situationen des Scheiterns, der Krankheit, der Schuld. Aber auch wenn ich mich so fühle, glaube ich doch, dass Gott da ist.  

Ja, wir glauben, dass selbst derjenige, der nicht an Gott glaubt, nie total verlassen ist, weil Gott auch beim Nichtglaubenden ist und ihn liebt. Auch wenn er es nicht glaubt und auch nicht erfährt. Freilich fälle ich damit ein Urteil über den Nichtglaubenden. Darf ich das? Es geht wohl nicht anders. Denn das tut umgekehrt der Nichtglaubende über mich, wenn er der Überzeugung ist, dass ich mich als Glaubender Illusionen hingebe, wenn ich meine, ich sei nie allein, weil Gott da ist. 

Sagen wir es einmal auf andere Weise und mit Humor und mit Christian Morgenstern:

Vice Versa  

Ein Hase sitzt auf einer Wiese,

des Glaubens, niemand sähe diese. 

Doch, im Besitze eines Zeißes,

betrachtet voll gehaltnen Fleißes 

vom vis-à-vis gelegnen Berg

ein Mensch den kleinen Löffelzwerg. 

Ihn aber blickt hinwiederum

ein Gott von fern an, mild und stumm 


Zuerst ein paar Erläuterungen zu diesem kleinen Gedicht. Der lateinische Titel „vice versa“ bedeutet „umgekehrt“ oder „anders herum“ oder „im Gegenteil“. 

„… im Besitze eines Zeißes“ ist Schleichwerbung für ein Fernglas der bekannten Firma Carl Zeiss Jena. 

Was hier „gehaltner Fleiß“ ist, weiß ich auch nicht. Es gibt ihn vielleicht wie zuweilen in den Gedichten von Morgenstern nur „um des Reimes willen“.

Nun zum Inhalt. Ja, es ist genau anders herum, als sich das kleine Häschen denkt. Es ist zwar allein auf dieser Wiese. Aber es wird gesehen. Nicht im bedrohlichen Sinne des Wortes von Alfred Hitchcock: „Sie werden beobachtet!“ oder „Big brother is watching you!“ Vielmehr wird das Häschen mit liebevollem Interesse betrachtet, wie dann auch der Mensch mit dem guten Zeißglas von einem Gott angeschaut wird – mild und stumm. Und so ist es oft. Wir meinen verlassen zu sein, aber es stimmt nicht. 

Es lohnt, sich darauf zu besinnen. Und es dann auch wahr zu nehmen. Denken Sie einmal daran, mit wie vielen Menschen Sie verbunden sind. Auch jetzt in diesem Augenblick. Ich hatte in einem Impuls einmal empfohlen, den Baunabel zu betrachten. Nicht als eine Nabelschau, die nur im negativen Sinne um sich selber kreist, sondern als Erinnerung daran, dass da einmal die Nabelschnur war, die mich leibhaftig mit meiner Mutter verbunden hat. Freilich ist sie jetzt durchtrennt. Aber ich bin immer noch mit meiner Mutter verbunden. Selbst wenn sie verstorben ist. Meine Grundausstattung stammt von ihr. Wie sagte Goethe? „Vom Vater hab ich die Statur, vom Mütterchen die Frohnatur.“ Wie ist das bei mir? Bitte wahrnehmen! Nicht nur bedenken, sondern erspüren! 

Vielleicht bin ich getrennt von meinem liebsten Menschen. Vielleicht ist sie/er in Afrika, in USA, in Indien, aber vielleicht auch nur 300 km von mir in einer anderen Stadt. Aber wir sehen den gleichen Himmel. Wir atmen die gleiche Luft. Auch das nicht nur bedenken, sondern versuchen, wahr zu nehmen. Ich atme wirklich die gleiche Luft. Irgendwann kriege ich vielleicht ein paar Moleküle ab, die der geliebte Mensch geatmet hat. Und vielleicht haben wir wie manche Liebende früher ausgemacht, um die gleiche Zeit zum Mond zu schauen und zu wissen, dort oben treffen sich unsere Blicke. Aber heute geht es ja durch Telefon, Email, Skype und andere Mittel viel leichter. 

Und bitte immer wieder und immer wieder daran denken, wer mein Nächster ist. Wer ist mein Nächster? Der mir am nächsten ist, das ist Gott selbst. Er ist mir näher, als ich mir selber bin. Er macht sich mir zum Nächsten. Gott ist da. Er ist wirklich da. Und das auch nicht nur bedenken, sondern wahrnehmen, spüren, ins Bewusstsein heben: jetzt ist Er da. Jetzt schaut Er mich an, nicht nur mild und stumm, sondern voller Liebe. Auch wenn ich es nicht merke. Er ist da. Denn das ist das Wesen Gottes. So hat er sich dem Mose vorgestellt: Ich bin der Ich bin da (Buch Exodus, 3. Kapitel, Vers 14). Das ist das, was und wie Gott ist: Er ist da. Und zwar für uns. Und zwar immer und für immer. Er macht sich mir zum Nächsten. Wie sich der Samariter zum Nächsten dessen gemacht hat, der unter die Räuber gefallen war. 

Dass Sie diese liebevolle und helfende Nähe spüren und erfahren, das wünsche ich Ihnen. Sie sind nicht allein! 

9. November 2010 

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