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Bei Matthäus finden wir das Wort vom Bergeversetzen und es hängt mit dem Glauben zusammen. Wenn wir wirklich ganz und gar auf Gott vertrauen, dann nehmen wir gewissermaßen an seiner Allmacht teil und können Wunder tun. Dass aber auch das nichts „nützt“, das sagt uns Paulus. Ohne die Liebe zu Gott und zum Nächsten sind auch solche Wunder nur äußerlich.

(c) Michael Bauer - Fotolia.com

Mt 17,14 Als sie zurückkamen, begegneten sie einer großen Zahl von Menschen. Da trat ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie

15 und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder ins Wasser.

16 Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen.

17 Da sagte Jesus: O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir!

18 Dann drohte Jesus dem Dämon. Der Dämon verließ den Jungen, und der Junge war von diesem Augenblick an geheilt.

19 Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?

20 Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.


Kor 13,1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.

5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.

7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.

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Geistliches bewirkt Weltliches

Nicht immer aber manchmal doch. Erinnern Sie sich an den „Pfahl im Fleische“ oder an den Poller vor unseren Haus, der immer wieder umgefahren wird und über den ich einen Impuls geschrieben habe? Stellen Sie sich vor, das Tiefbauamt der Stadt Augsburg wird den Pfahl nicht versetzen, wie ich vorgeschlagen hatte, sondern sogar ganz entfernen. Na, da habe ich mich aber gefreut. Geistliches bewirkt Weltliches. Unerwarteterweise. Doch erhoffterweise. Freuen Sie sich mit mir.

Ja, ist das wirklich so: Geistliches bewirkt Weltliches? Öfter kann man ja lesen, dass Beten gut für die Gesundheit ist. Dass religiöse Menschen besser mit Schicksalsschlägen fertig werden. Dass sie leichter mit Endlichkeit, Begrenztheit, Sterblichkeit umgehen können. All das sind natürlich statistische Daten. Im Einzelfall sieht das nicht immer so aus. Vielen, sehr vielen hilft die Beziehung zu Gott, aber nicht immer allen. Geistliches bewirkt Weltliches aber nicht immer und überall.

Geistliches bewirkt Weltliches. Das der Mensch als Person eine unverletzliche Würde hat und dass diese Überzeugung in das Grundgesetz eingegangen ist und Grundlage unseres Zusammenlebens ist, das ist auch Folge der christlichen Auffassung vom Menschen. Denn dass der Mensch Person ist, diese Überzeugung ist aus den langen und mühevollen Diskussionen darüber erwachsen, wer denn dieser Jesus von Nazaret ist. Mensch, Gott, Gottmensch? Und aus dem theologischen Streit darüber, inwieweit Gott ein einziger Gott aber in drei Personen ist, nämlich als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Natürlich ist da einiges an Philosophie und Aufklärung noch hinzugekommen, aber Ausgangspunkt war der Glaube. Und direkt aus der Predigt und dem Handeln Jesu erwachsen im Christentum solche Einrichtungen wie Armenpflege und Krankenhäuser, die Sorge um physisch und psychisch unheilbar Kranke. Geistliches bewirkt Weltliches.

Eben habe ich es aus Versehen so geschrieben: Geistliches bewirkt W€ltliches. Viele Christen verstehen das tatsächlich so, dass Frömmigkeit Geld bringt. Und dazu können sie sich auf die Bibel berufen. Abraham, der Glaubende, wird reich gesegnet. Er bekommt Herden und wird tatsächlich wohlhabend – wenn es mit seiner Nachkommenschaft auch sehr schwierig ist. Richtig reich wird dann sein Enkel Jakob. Und Paulus schreibt: „diese Leute … meinen, die Frömmigkeit sei ein Mittel, um irdischen Gewinn zu erzielen. Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn, wenn man nur genügsam ist.“ (1 Tim 6,5-6) Und so erkennen verschiedene (vor allem nordamerikanische) Christengemeinschaften daran den Segen und die Auserwählung Gottes, dass sie wohlhabend werden. Was denken Sie? Bewirkt Geistliches Weltliches auch in diesem Sinne? Auch so etwas Ambivalentes wie Reichtum?

Wir müssen – wie immer – klug unterscheiden. Geistliches, das wirklich aus Gottes Geist kommt, das wirkt Gutes, bleibend Gutes. Geistliches, das nicht aus dem Geist Gottes kommt, sondern aus anderem Geist, kann sehr Schlimmes bewirken. Immer wieder gibt es religiöse Gemeinschaften (nicht nur christliche), die ihre Mitglieder ausbeuten, unterdrücken, unfrei machen, die wirklich unverantwortlich handeln. Da bewirkt Geistliches auch Weltliches, aber im übelsten Sinne. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, sagt Jesus (Mt 7,16).

Und ein Weiteres. Wir müssen vorsichtig mit dem oben genannten Gedanken sein, dass Glaube zur Lebensbewältigung hilft. Es kann nämlich sehr leicht dazu kommen, dass sich das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen umkehrt. Dass also Glaube und Religion sich als „nützlich“ für mich und andere erweisen sollen. Dass Gott uns zu Nutze zu sein hat. Und wenn nicht, dann eben weg damit. Das ist eine Wurzel der Abwendung vom Glauben überhaupt. Das ist die Verzweckung Gottes. Und das kann ganz harmlos anfangen: Beten ist gut für die Gesundheit. Meditation verhindert das Burnout. Der Glaube ist gut für die Moral. Das stimmt alles, aber wenn dann mein Gebet oder meine Meditation auf diesen Zweck aus ist, dann bewirkt es das gerade nicht. Die Liebe macht glücklich, sehr glücklich. Wenn ich aber Liebe suche, um meines Glücksgefühls willen, dann ist es keine Liebe, sondern dann ist es Egoismus und die Liebe wird verzweckt und zerstört. Glaube und Christentum sind nur so lange „nützlich“ und bewirken positiv Weltliches, wenn sie zuerst auf Gott ausgerichtet sind und nicht auf solche Zwecke. Freilich muss man das auch erst verstehen und erleben und Glaube und Gebet müssen sich allmählich immer mehr von sich selbst und eigenen Wünschen und Zwecken weg hin auf Gott ausrichten und ihn wirken lassen.

Wenn Sie von dorther ihren Geist speisen und wahrhaft geistliche Menschen werden und dann werden Sie daraus bleibend Gutes wirken. Und zwar Bedeutenderes und Wichtigeres als das Verschwinden eines Pollers, nein, dann sogar das Versetzen von Bergen (Mt 17,20).

21. März 2012

Es grüßt Sie herzlich und froh über das Tiefbauamt
Thomas Gertler SJ

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